Panorama

Vater spricht von Geldproblemen Paar steht wegen getöteter Kinder vor Gericht

fe22878e4bf347eab572e55198d4bd26.jpg

Blumen und Kerzen stehen im vergangenen Sommer vor dem Haus der Familie.

(Foto: dpa)

Ein Ehepaar aus Hessen soll seine beiden Kinder getötet haben. Vor Gericht spricht der Vater darüber, dass der Familie eine Zwangsräumung aus ihren Haus drohte. Über die Tat selbst will er nicht reden. Ein Gutachter berichtet vom letzten Tag vor der Tat.

Die Leichen zweier Kinder waren im brennenden Haus der Familie gefunden worden - in Darmstadt hat nun der Mordprozess gegen die Eltern begonnen. Die Eheleute sollen angesichts einer drohenden Zwangsvollstreckung den Entschluss gefasst haben, ihr Haus im südhessischen Mörlenbach anzuzünden sowie ihren Sohn und ihre Tochter zu töten. Das Paar wurde im Sommer vergangenen Jahres aus einem Auto mit laufendem Motor in der Garage des Hauses gerettet. Der 59 Jahre alte Angeklagte und seine 13 Jahre jüngere Frau wurden in Handschellen dem Landgericht in Darmstadt vorgeführt. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen zweifachen Mord aus Heimtücke und Brandstiftung zur Verdeckung einer Straftat vor.

Eine Obduktion hatte ergeben, dass die Kinder Opfer eines Gewaltverbrechens wurden. Nach Angaben von Oberstaatsanwalt Klaus Tietze-Kattge soll der Angeklagte die 10 und 13 Jahre alten Kinder in ihren Betten mit zahlreichen Messerstichen an Hals und Brust schwer verletzt haben, später soll er mit einem Hammer auf die Köpfe eingeschlagen haben. Danach habe er Benzin auf die Betten und in die Kinderzimmer geschüttet und angezündet.

Der Angeklagte sagte nun über wirtschaftliche Probleme und einen Insolvenzantrag für seine Praxis im baden-württembergischen Weinheim aus. Zur Tat wollte er sich zunächst nicht äußern. "Ich habe meine Tat in eine Schublade getan", sagte er. Diese habe er nicht mitgebracht. Er habe seine Kinder geliebt, sagte er.

Rat und Nothilfe

  • Bei Suizidgefahr: Notruf 112
  • Beratung in Krisensituationen: Telefonseelsorge (0800/111-0-111 oder 0800/111-0-222 oder 116-123, Anruf kostenfrei) oder Kinder- und Jugendtelefon (Tel.: 0800/111-0-333 oder 116-111; Mo-Sa von 14 bis 20 Uhr)
  • Auf den Seiten der Deutschen Depressionshilfe sind Listen mit regionalen Krisendiensten und Kliniken zu finden, zudem Tipps für Betroffene und Angehörige.
  • In der deutschen Depressionsliga engagieren sich Betroffene und Angehörige, um die Situation und die Versorgung Depressiver zu verbessern. Sie bieten Depressiven ein E-Mail-Beratung als Orientierungshilfe an.
  • Eine Übersicht über Selbsthilfegruppen zur Depression bieten die örtlichen Kontaktstellen (KISS).

Er sprach von einer erheblichen finanziellen Schieflage, die sich in unterschiedlicher Hinsicht ergeben hatte. So seien etwa Sozialversicherungsbeiträge nicht gezahlt worden. Der Angeklagte musste Insolvenz beantragen, woraufhin das Haus für 575.000 Euro zwangsversteigert wurde. Nachdem eine Räumung immer wieder verschoben werden konnte, lehnte das Amtsgericht in Fürth schließlich einen weiteren Aufschub ab.

Eltern schildern letzten Tag vor Tat

Einem Gutachter zufolge, der mit den Eheleuten einzeln gesprochen hatte, schilderten beide den letzten Tag der Familie in dramatischer Weise. Demnach scheiterte zunächst der letzte Versuch, eine für den kommenden Tag anstehende Räumung aufzuschieben. Die Familie habe nach einer entsprechenden Mitteilung des Gerichts einen Ausflug nach Frankfurt unternommen. Während die beiden Kinder einen schönen Nachmittag gehabt hätten, sei den Eltern die Situation zunehmend als aussichtslos erschienen. Vor den Kindern habe man die schwierige Situation nicht thematisiert.

Im Laufe des Abends habe das Ehepaar entschieden, sich selbst zu töten, sagte der Gutachter. Die Frau habe in den Gesprächen mit dem Gutachter angegeben, sie habe keine Erinnerungen mehr an die Tatnacht. Ihr Mann hingegen habe sich daran erinnert, dass ihn am Abend vor der Tat die Sorge um seine Kinder erfasst habe. So habe er sich gefragt, was aus dem Jungen und dem Mädchen werden solle, wenn die Eltern nicht mehr am Leben wären. Daraufhin habe er sich entschieden, die Kinder ebenfalls zu töten.

Quelle: n-tv.de, Stephen Wolf, dpa