Lea-Sophies TodPersilschein für Jugendamt
Der Bund Deutscher Kriminalbeamter hat die Entscheidung scharf kritisiert, nach dem Hungertod der fünfjährigen Lea-Sophie die Ermittlungen gegen das Schweriner Jugendamt einzustellen.
Die Entscheidung, nach dem Hungertod der fünfjährigen Lea-Sophie die Ermittlungen gegen das Schweriner Jugendamt einzustellen, ist vom Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) kritisiert worden. "Nur die involvierten Verantwortlichen aus der Politik und den beteiligten Behörden können eine ehrliche Antwort zu dem "Warum" geben", erklärte der Sprecher des BDK-Landesverbandes Mecklenburg-Vorpommern, Frank Böhme. Die Staatsanwaltschaft habe den beteiligten Mitarbeiter des Jugendamtes aber einen "Persilschein" ausgestellt.
Lea-Sophie war im November 2007 qualvoll verhungert. Die Eltern wurden vergangene Woche wegen Mordes durch Unterlassen zu Freiheitsstrafen von jeweils elf Jahren und neun Monaten verurteilt. Das Gericht hatte eine Mitschuld des Jugendamtes verneint. Einen Tag später stellte die Staatsanwaltschaft alle Ermittlungen ein. Es gebe keine Anhaltspunkte für ein strafrechtlich relevantes Verhalten der städtischen Bediensteten, hieß es.
Die Deutsche Kinderhilfe hat laut BDK die Einstellung als Justizskandal bezeichnet. "Hier wurde offensichtlich die Chance verpasst, durch umfangreiche kriminalpolizeiliche Ermittlungen auf Hintergründe zu stoßen", sagte Böhme. "Es scheint uns aber wirklichkeitsfern, das Jugendamt von jeglicher Verantwortung für den Tod von Lea-Sophie freizusprechen."
Der Fall Lea-Sophie hatte zu Konsequenzen in der Kommunalpolitik geführt. Oberbürgermeister Norbert Claussen (CDU) wurde in einem Bürgerentscheid abgewählt. Hier habe der mündige Wähler eine Entscheidung getroffen. "Alles Weitere wird intern, unter Ausschluss der Öffentlichkeit, in der Verwaltung aufgearbeitet", kritisierte Böhme.