Panorama

Boeing-Maschine der Lion Air Piloten durchblätterten Handbuch vor Absturz

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Eine Boeing 737 Max 8 der Fluggesellschaft Lion Air

(Foto: imago/Kyodo News)

Wie es zum Absturz der Boeing 737 Max 8 in Indonesien kam, ist noch unklar. Unter Berufung auf den Sprachrekorder im Cockpit berichten Insider nun, wie die Piloten auf den drohenden Crash reagierten. Sie sollen verzweifelt im Handbuch der Maschine nach Lösungen gesucht haben.

Die Piloten der Boeing 737 Max 8, die im Oktober 2018 in der Nähe von Jakarta abgestürzt war, sollen vor dem Aufprall versucht haben, im Handbuch der Lion-Air-Maschine nach Lösungen zu suchen, um das Unglück zu verhindern. Das berichtet die Nachrichtenagentur Reuters, die sich auf drei Insider beruft, die mit den Aufnahmen der Black Box vertraut sein sollen.

Es ist das erste Mal, dass Inhalte des Sprachrekorders von dem Lion Air-Flug an die Öffentlichkeit gelangen. Ein Sprecher der Fluggesellschaft betonte lediglich, alle Daten und Informationen seien an die Ermittler übergeben worden.

Checkliste für ungewöhnliche Probleme

Laut Angaben der Insider habe der Co-Pilot bereits zwei Minuten nach dem Start in Höhe von 5000 Fuß (umgerechnet gut 1,5 Kilometer) ein Problem mit der Flugsteuerung gemeldet. Daraufhin habe er im Handbuch nach einer Lösung für das Problem gesucht. Darin ist eine Checkliste aufgeführt für ungewöhnliche Probleme.

In den folgenden neun Minuten habe der Bordcomputer die Piloten fälschlicherweise vor einem Strömungsabriss gewarnt und die Nase des Flugzeugs gesenkt, um an Geschwindigkeit zu gewinnen. Ein solcher Strömungsabriss bei einem Flugzeug erfolgt, wenn der Luftstrom über den Flügeln zu schwach ist, um Auftrieb zu erzeugen und die Maschine stabil in der Luft zu halten.

Handbuch wie ein viel zu langer Test

Die Suche im Handbuch blieb unter anderem erfolglos, weil die Liste mit möglichen Problemen so umfangreich ist. "Es ist wie ein Test, wo es 100 Fragen gibt und wenn die Zeit abgelaufen ist, haben Sie nur 75 beantwortet", sagte eine der Quellen. Der Kapitän habe ebenfalls im Handbuch nach Lösungen gesucht, während der Co-Pilot nicht in der Lage gewesen sei, die Maschine zu kontrollieren.

Die Untersuchung des Absturzes, bei dem alle 189 Menschen an Bord starben, erlangte neue Bedeutung, nachdem die amerikanische Luftfahrtbehörde (FAA) und andere Aufsichtsinstanzen das Boeing-Modell letzte Woche nach einem zweiten tödlichen Unfall in Äthiopien aus dem Flugverkehr gezogen hatten. Die Ermittler, die den indonesischen Absturz untersuchen, gehen von einem fehlerhaften Sensor aus, der das Flugzeug in den Sinkflug steuerte. Die Untersuchung soll ebenfalls feststellen, ob die Piloten ausreichend trainiert waren, um auf einen solchen Notfall zu reagieren.

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Quelle: n-tv.de, mba/rts

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