Panorama

Flugausfälle bei Germanwings Piloten melden sich dienstunfähig

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Viele Passagiere mussten sich nach Alternativen umsehen.

(Foto: imago/Belga)

Gibt es technische Bedenken oder ist es die Trauer um die Kollegen? Bei Germanwings weigern sich offenbar mehrere Piloten, am Tag des Flugzeugabsturzes in den Alpen ihren Dienst anzutreten. Die Fluggesellschaft bestätigt: In Madrid, Berlin, Halle-Leipzig, Düsseldorf und Stuttgart fallen mehrere Verbindungen aus.

Nach dem Absturz einer Germanwings-Maschine auf der Route Barcelona-Düsseldorf hat die Fluggesellschaft Dutzende weitere Flüge mit Maschinen der A320-Serie gestrichen. So wurde am Abend ein Flug von Madrid nach Düsseldorf kurzfristig abgesagt. Wie die staatliche spanische Nachrichtenagentur Efe am Abend berichtete, wurden an den Abfertigungsschaltern des Madrider Flughafens "operative Gründe" für die Streichung genannt. Der Flug solle möglichst bald nachgeholt werden, hieß es. Die Passagiere seien aber aufgefordert worden, sich nach Unterkünften umzuschauen.

Die Fluggesellschaft Germanwings bestätigte am Abend, dass Besatzungsmitglieder am Dienstag ihren Dienst wegen des Absturzes einer Maschine in Frankreich nicht angetreten haben. "Wir haben heute tatsächlich einige Flugstreichungen in Düsseldorf und Stuttgart gehabt, weil sich Crewmitglieder unfit to fly, also nicht flugtauglich erklärt haben", sagte Airline-Geschäftsführer Thomas Winkelmann. "Dafür haben wir selbstverständlich Verständnis, dass sie an einem Tag wie heute nicht geglaubt haben, einen Flug sicher durchführen zu können." Wie viele Beschäftigte nicht zum Dienst erschienen, blieb unklar. Ausfälle gab es neben Düsseldorf und Stuttgart auch an den Flughäfen Köln, Berlin-Tegel und Leipzig/Halle.

Nach Angaben von Passagieren soll von den kurzfristigen Absagen sogar ein Flug des Mutterkonzerns Lufthansa betroffen gewesen sein. Ähnliche Berichte gab es auch aus Stuttgart, Berlin und Halle/Leipzig. Am Flughafen Berlin-Tegel fielen Abflüge nach Nürnberg, Köln/Bonn, London, Düsseldorf, Kopenhagen und Stuttgart aus  sowie Flüge aus Köln/Bonn und Düsseldorf. Das geht aus der Flugtabelle im Internet hervor. In Leipzig/Halle wurden Flüge aus Köln/Bonn und Stuttgart gestrichen, wie Flughafensprecher Uwe Schuhart sagte. "Warum, weiß ich nicht", sagte er weiter. Ein Germanwings-Sprecher hatte zunächst lediglich erklärt, es gebe Unregelmäßigkeiten im Flugplan. Einzelheiten könne er nicht nennen. Auch zu den Gründen für die Flug-Absagen machte er keine Angaben.

In Düsseldorf bekamen wartende Passagiere zu hören, dass sich die Crews zurückgezogen hätten, um über ihre "Fluguntauglichkeit" zu beraten. Ein Sprecher der Lufthansa bestätige dem "Spiegel", dass es in der Tat "Germanwings-Crews gibt, die heute ihren Dienst aus persönlichen Gründen nicht antreten konnten". Allerdings war nicht bekannt, "ob dies aus Sorge geschah, dass etwas nicht in Ordnung war", so der Sprecher. Anzunehmen ist auch, dass die Nachricht des Unglücks die Piloten schwer berührt hatte.

Derweil meldete sich der Sprecher der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) zu Wort. Dem "Tagesspiegel" sagte er, dass die Tarifstreiks der Piloten angesichts der Katastrophe vorerst nicht mehr stattfinden werden. Stattdessen sei nun über "ganz andere" Themen zu reden. Darunter dürften auch Sicherheitsfragen fallen.

Unglücksmaschine war noch am Vortag defekt

Der "Spiegel" berichtet in dem Zusammenhang, dass die Unglücksmaschine noch am Tag vor dem Unglück eine technische Panne gehabt haben soll. Das Flugzeug soll nach Angaben der Lufthansa Probleme mit der "Nose Landing Door" gehabt haben, der Klappe, die sich am Rumpf öffnet und schließt, wenn das Bugrad ein- und ausgefahren wird.  Dieses Problem soll aber "vollständig gelöst" worden sein, sodass die Maschine schon wieder ihren Regelbetrieb habe aufnehmen können.

LH geht von Unfall aus

Derweil geht die Lufthansa beim Absturz des Airbus A320 von einem Unfall aus. "Derzeit wird davon ausgegangen, dass es sich um einen Unfall gehandelt hat", sagte Lufthansa-Managerin Heike Birlenbach am Abend in Barcelona. Alles andere wäre "Spekulation". Die US-Regierung hatte zuvor mitgeteilt, es gebe keine Hinweise auf einen Anschlag.

Die Ursache eines der schwersten Unglücke in der Luftfahrt in Europa seit Jahren ist noch unklar. Ein Flugschreiber wurde gefunden, er soll jetzt ausgewertet werden. Das könnte allerdings Tage dauern. Großes Augenmerk liegt auf der Frage, weshalb die Piloten keinen Funkspruch abgesetzt hatten. Luftfahrtexperte Ralf Benkö sagte bei n-tv, dass alleine diese Tatsache darauf hindeute, dass die Piloten nicht mehr Herr ihrer Lage gewesen sein müssen. Sie hätten für einen Warnruf reichlich Zeit gehabt. Er wolle aber ausdrücklich nicht darüber spekulieren, ob die Piloten vielleicht ohnmächtig gewesen sein könnten. Aufschluss erhofft er sich von der Auswertung des Datenschreibers.

Die Herkunft der Passagiere steht nach Angaben von Germanwings-Chef Thomas Winkelmann noch nicht endgültig fest. In einem ersten Statement hatte er von 67 deutschen Staatsbürgern gesprochen, aber betont, dass die Zahl nicht gesichert sei. Insgesamt waren 150 Menschen an Bord der Maschine, die auf dem Weg von Barcelona nach Düsseldorf in Südfrankreich abstürzte. "Die Kollegen der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) aus Deutschland sind in Frankreich eingetroffen und nun auf dem Weg zum Absturzort", so Winkelmann. Ebenfalls in Frankreich eingetroffen seien Teams von Airbus, Lufthansa Technik, Lufthansa und Germanwings. "Wir werden über die weiteren Schritte zeitnah informieren", so Winkelmann. Die nächsten Informationen stellte Germanwings für Mittwochmorgen in Aussicht.

Quelle: n-tv.de, ppo/dpa