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Sonntag, 04. Dezember 2016

Nach Festnahme im Freiburger Mordfall: Polizei überprüft Pflegefamilie und Behörden

Noch immer schweigt der 17-jährige Tatverdächtige zum Vorwurf des Mordes an einer Freiburger Studentin. Von seinem Umfeld erhofft sich die Polizei nun neue Hinweise. Aber auch die Behörden stehen im Fokus. Haben sie Fehler bei der Aufsicht des Jungen gemacht?

Nach der Festnahme eines Tatverdächtigen im Fall der getöteten 19 Jahre alten Studentin in Freiburg untersucht die Polizei das Umfeld des Jugendlichen. Geklärt werden müsse, ob sich der 17-Jährige und sein Opfer kannten, sagte ein Polizeisprecher. Auch nach der Festnahme setze die Sonderkommission "Dreisam" ihre Arbeit unter Hochdruck fort, hieß es. Der unbegleitete Flüchtling war laut Staatsanwaltschaft 2015 aus Afghanistan eingereist und bis zu seiner Festnahme am Freitag bei einer Pflegefamilie in Freiburg untergebracht. Letztere soll den Angaben nach nun ebenso überprüft werden wie die Behörden, die die Aufsicht über den 17-Jährigen hatten.

Nach Angaben der Polizei schweigt der Verdächtige in der Untersuchungshaft nach wie vor zu den Tatvorwürfen. Oberstaatsanwalt Dieter Inhofer sagte am Samstag, der Junge stehe unter dem dringenden Verdacht, die 19-jährige Medizinstudentin Mitte Oktober auf dem Heimweg von einer Uni-Party überfallen, sexuell missbraucht und anschließend ermordet zu haben. Ein langes blondiertes Haar, das am Tatort in einem Brombeerbusch gefunden worden war, hatte die Polizei nach mehreren Wochen Ermittlungsarbeit auf die Spur des Jugendlichen gebracht.

Die Studentin war am 16. Oktober tot am Ufer des Flusses Dreisam gefunden worden. Als Todesursache war Ertrinken festgestellt worden. Die Freiburger Polizei hatte daraufhin die Soko "Dreisam" eingerichtet, der zusammen 68 Ermittler angehören. Sie sollten auch klären, ob es womöglich eine Verbindung zu einem weiteren Frauenmord in der Region gibt. Eine 27-jährige Joggerin aus dem Ort Endingen, der nur wenige Kilometer von Freiburg entfernt liegt, war am 10. November in einem Waldstück tot aufgefunden worden.

Bürgermeister warnt vor Pauschalurteilen

Auch in diesem Fall gehen die Ermittler von einem Sexualverbrechen aus. Bisher, so Inhofer, deute aber nichts auf eine Verbindung zum Mord an der Freiburger Medizinstudentin hin. Er fügte aber auch hinzu, dass ein Zusammenhang nicht gänzlich ausgeschlossen werden könne. In Endingen wird die Ermittlungsarbeit vor allem dadurch erschwert, dass sich am Tatort keinerlei verwertbares DNA-Material finden ließ.

Die Festnahme des Minderjährigen hatte im Internet erneut Debatten über die Flüchtlingspolitik in Deutschland ausgelöst. Freiburgs Oberbürgermeister Dieter Salomon (Grüne), der seit langem das Sicherheitsgefühl in seiner Stadt beeinträchtigt sieht, mahnte zur Besonnenheit. Die Herkunft des Täters dürfe "nicht für Pauschalurteile" herangezogen werden, so Salomon. Stattdessen müsse der Einzelfall betrachtet werden.

Angeklagt wird der 17-Jährige nach Angaben der Staatsanwaltschaft nach dem Jugendstrafrecht, denn sein Alter sei unstrittig. Damit drohen ihm im Falle einer Verurteilung maximal zehn Jahre Haft sowie - unabhängig vom Alter - die Abschiebung.

Quelle: n-tv.de