Panorama

Tödlicher Unfall in Berlin Polizist am Steuer war betrunken

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Die Beamten waren auf dem Weg zu einem vermeintlichen Raubüberfall, als der Unfall passierte.

(Foto: picture alliance/dpa)

Vor einem Jahr stirbt eine junge Frau, als ihr Auto bei einem Einparkmanöver von einem Streifenwagen gerammt wird. Jetzt wird öffentlich: Der Polizist am Steuer soll vorher Alkohol getrunken haben.

Am Mittag des 29.  Januar 2018 rammt ein Streifenwagen das Auto von Fabien M. aus Berlin-Reineckendorf. Die junge Frau stirbt. Ein Gutachten belastet jetzt den Polizisten am Steuer schwer. Untersuchungen haben ergeben, dass er 1,0 Promille Alkohol im Blut hatte.

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Die Fahrerin des Kleinwagens starb an der Unfallstelle.

(Foto: picture alliance / Maurizio Gamb)

Die 21-jährige Fabien M. wollte gerade mit einem riskanten Manöver auf der Grunerstraße nahe des Roten Rathauses in Berlin einparken, als der Unfall geschah. Der Streifenwagen kam mit Blaulicht aus dem Tunnel am Alexanderplatz und konnte nicht mehr rechtzeitig bremsen. Er prallte mit einer Geschwindigkeit von 90 Stundenkilometern in die Seite des Kleinwagens von Fabien M. Die 21-Jährige starb noch am Unfallort.

Bei der Blutabnahme im Krankenhaus wurde bei dem Polizist, der am Steuer des Polizeiwagens saß, ein Promille festgestellt. Das geht jetzt aus einem Gutachten hervor. Er und sein Kollege waren zu einem Raubüberfall gerufen worden, der sich später als Fehlalarm entpuppte. Das Gutachten besagt außerdem, dass der Streifenwagen mit 134 Stundenkilometern unterwegs war. Wäre er nur 100 Kilometer pro Stunde gefahren, hätte der Unfall laut Gutachter vermutlich vermieden werden können.

Anonymer Tipp an die Nebenklage

*Datenschutz

Polizeipräsidentin Barbara Slowik nahm bei Twitter persönlich Stellung zu den neuen Entwicklungen. Über den Account der Polizei teilte sie mit: "Der Unfall war entsetzlich, an Schwere kaum zu übertreffen. Auch wenn Fragen nach Schuld und Verantwortung grundsätzlich erst nach Ende der Ermittlungen mit dem Urteil des Gerichts geklärt werden können, erschüttert der bloße Verdacht." Sie versprach der Familie der Getöteten, "mit vollem Nachdruck und rückhaltlos alles zur Aufklärung Erforderliche" beizutragen.

Die Eltern von Fabien M. hatten sich zuletzt an die Öffentlichkeit gewandt. Wie die "Berliner Morgenpost" berichtet, sagte die Mutter bei einer Mahnwache nahe des Unfallortes: "Wir möchten heute unserer Tochter Fabi gedenken." Nichts sei zwölf Monate nach dem Unfall passiert. "Gelten für Beamte andere Gesetze?" Die Staatsanwaltschaft wies diesen Vorwurf auf Nachfrage der Kollegen zurück. Die Ermittlungen hätten bereits im vergangenen Jahr im Herbst kurz vor dem Abschluss gestanden. Dann seien aber über die Nebenklage die Anschuldigungen bekannt geworden, dass der Fahrer des Polizeiwagens alkoholisiert gewesen sein soll. Die Nebenklage hatte einen anonymen Tipp erhalten.

Zunächst hieß es, Fabien M. habe am Steuer telefoniert. Die Auswertung ihrer Handydaten widerlegte das später. Schon damals leitete die Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren gegen den Polizisten wegen fahrlässiger Tötung ein. Nun wird gegen ihn auch wegen Trunkenheit am Steuer ermittelt.

Quelle: n-tv.de, nan