Panorama

Fehlerbehebung für den Unfehlbaren Postler korrigiert Papst-Schriften

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Orthografiegenie Christian Stang schaffte es ohne Diplom und Doktortitel zu einem der angesehensten Rechtschreibexperten Deutschlands aufzusteigen.

(Foto: dpa)

Seine große Leidenschaft für die deutsche Sprache verhilft einem Postbeamten aus Regensburg zu einer unverhofften Karriere. Der Postobersekretär ohne akademischen Abschluss berichtigt Rechtschreibfehler in den Schriften des Heiligen Vaters.

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Im Gegensatz zum Papst hält sich Christian Stang nicht für unfehlbar.

(Foto: picture alliance / dpa)

Er hat kein Abitur, Christian Stang ist Postobersekretär. Die Leidenschaft für Rechtschreibung und Grammatik macht ihn dennoch zu einem angesehenen Experten der deutschen Sprache. Nun hat er einen Job an Hochschule und selbst der Papst profitiert von seinem Wissen. In der Schule war er Durchschnitt, er hat die Mittlere Reife - kein Diplom oder Doktortitel. Christian Stang aus Regensburg ist von Beruf Postbeamter. Aber seine Leidenschaft für die deutsche Sprache hat ihm einen größeren Titel eingebracht: Er ist einer der angesehensten Rechtschreibexperten in Deutschland.

Selbst der Heilige Vater nimmt den Rat des 37-Jährigen in Anspruch. Er korrigiert für das Institut Papst Benedikt XVI. in Regensburg die Gesammelten Schriften des Theologen, Kardinals und Papstes Joseph Ratzinger, der viele Jahre in der Domstadt als Theologie-Professor gelehrt hatte. Seitdem nennen manche Medien Stang gar den "Rechtschreibpapst". Er selbst hört das gar nicht gerne. "Schließlich bedeutet Papst für mich Unfehlbarkeit, und unfehlbar bin ich nicht."

Grammatikbücher statt Fußball

Als kleiner Junge hatte Stang nur eine Leidenschaft: Nicht etwa Fußballspielen oder Abenteuerbücher lesen - der Regensburger hat schon als Grundschüler seine Freizeit mit Rechtschreibung und Grammatik verbracht. Trotzdem dauerte es fast 30 Jahre, ehe er seinen Traumberuf bekam. Der 37-Jährige unterrichtet an der Universität Regensburg angehende Lehrer und Dozenten in Orthografie.

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Die Leidenschaft seines Lebens zum Beruf gemacht: Stang ist in etwa 30 Regelbüchern zur Deutschen Sprache vertreten.

(Foto: dpa)

"Ich veranstalte Workshops zur deutschen Rechtschreibung", sagt Stang. Er ist für drei Jahre von der Post an die Orthografie- und Normberatungsstelle des Zentrums für Sprache und Kommunikation abgeordnet. "Er ist das beste Beispiel dafür, dass es nicht auf Abschlüsse oder Diplome ankommen muss, sondern auf Leidenschaft und Können", sagt Rupert Hochholzer, der an der Regensburger Uni eine Professur für Deutsch als Zweitsprache hat.

Anfang der 1980er Jahre lesen die meisten Kinder und Jugendliche Comics, die "Bravo" oder Geschichten über Piraten oder Cowboys. Den jungen Christian interessiert das aber nicht. "Ich habe mir lieber in der Bibliothek Ratgeber über Grammatik und Rechtschreibung ausgeliehen." Er verliert sich regelrecht in den komplizierten Zusammenhängen der Sprache, während die anderen Kinder auf der Straße spielen. Jahre später kann er aber mit seinem Wissen bei seinen Mitschülern punkten. "Ich habe ihnen bei den Bewerbungen geholfen. Da war ich richtig gefragt", erläutert Stang.

Karriere dank Rechtschreibreform

Nach der Mittleren Reife geht der 17-Jährige zur Post und arbeitet zunächst am Schalter, ehe er Berater für Geschäftskonten wird. Nach Feierabend hält den Postobersekretär aber die Faszination Sprache weiter in ihrem Bann. Mit 18 Jahren entdeckt er in einem Rechtschreib-Ratgeber mehrere Fehler und schreibt an den Verlag. Dieser reagiert keineswegs pikiert, sondern bietet Stang an, bei einer Neuauflage mitzuarbeiten. Die Rechtschreibreform 1996 wird für ihn zum Glücksfall. Seitdem steht sein Name in etwa 30 Regelbüchern zur deutschen Sprache.

Normalerweise ist ein akademischer Abschluss für die redaktionelle Arbeit beim Dudenverlag Voraussetzung - nicht so beim Postbeamten Stang. "Wichtig ist die Qualität der Arbeit", sagt der Redaktionsleiter beim Duden-Verlag in Mannheim, Werner Scholze-Stubenrecht. Stang habe eine besondere Gabe, die nicht unbedingt an der Universität gelehrt werde. "Er kann komplexe Sachverhalte sehr vereinfacht und verständlich darstellen", erläutert Scholze-Stubenrecht.

2011 hat Stang für seine Verdienste um die Pflege und den Erhalt der deutschen Sprache die Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland erhalten. Nicht minder stolz ist er aber auf ein Dankesschreiben von Papst Benedikt XVI. "Ich habe dem Heiligen Vater vor Jahren ein Deutsch-Italienisches Taschenwörterbuch geschenkt, weil ich dachte, er könnte es gebrauchen." Und in der Tat: In dem Dankesbrief betont Benedikt XVI., dass er bei der Vorbereitung von Texten immer wieder einen Blick in das Buch wirft.

Quelle: ntv.de, dpa

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