Panorama

Dutzende Kinder missbraucht Priester beschreibt Taten als "Zärtlichkeit"

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Bernard Preynat muss sich für den Prozess an zehn Opfer verantworten, bei denen die Taten noch nicht verjährt sind.

(Foto: REUTERS)

Der aus einem Film bekannte Ex-Priester Bernard Preynat steht in Frankreich für den Missbrauch etlicher Kinder vor Gericht. Gleich zu Prozessauftakt äußerte sich der 74-Jährige. Demnach habe er wohl lange gebraucht, um einen Fehler an seinen Taten zu entdecken.

Mit einem Tag Verspätung hat der Prozess gegen einen ehemaligen Priester aus Lyon wegen Missbrauchsvorwürfen begonnen. Der bekannte Ex-Priester Bernard Preynat soll in den 1980er Jahren Dutzende Kinder sexuell missbraucht haben. Dem aus dem Berlinale-Spielfilm "Grâce à Dieu" (zu Deutsch: "Gelobt sei Gott") bekannten Preynat war bereits im Sommer von einem Kirchengericht der Klerikerstatus entzogen worden.

Der 74-jährige Preynat steht in dem Prozess zehn Opfern gegenüber, bei denen die Anschuldigungen noch nicht verjährt sind. "Ich erkannte die Schwere meiner Taten nicht, ich wusste, dass sie verboten und verwerflich waren, aber ich dachte überhaupt nicht an die Folgen dieser Taten für die Opfer", zitierte die Zeitung "La Croix" Preynat, der zum Auftakt aussagte. "Für mich waren es Akte der Zärtlichkeit, in denen ich eine gewisse Freude fand", so der ehemalige Priester weiter.

Er habe einige Zeit gebraucht, um zu verstehen, dass die Taten moralisch falsch und verwerflich sind. Preynat hatte zuvor bereits einen Großteil der Taten zugegeben. Der Fall ist zu einer Art Sinnbild des sexuellen Missbrauchs in der französischen Kirche geworden.

Obwohl viele in der Kirche von den Vorwürfen gewusst haben sollen, war Preynat einfach immer wieder nur versetzt worden. Der Fall hatte auch zum Sturz des obersten katholischen Würdenträgers in Frankreich geführt. Kardinal Philippe Barbarin war im März wegen Vertuschung der Missbrauchsvorwürfe verurteilt worden und ließ sein Amt ruhen. Er hatte gegen die Entscheidung Berufung eingelegt - das Verfahren soll Ende Januar beginnen.

Quelle: ntv.de, vmi/dpa