Panorama

Brown von sechs Kugel getroffen Proteste in Ferguson reißen nicht ab

Auch in der zweiten Nacht setzen sich Demonstranten über die Ausgangssperre in Ferguson/Missouri hinweg und liefern sich Straßenschlachten mit der Polizei. Für Spannungen sorgt ein Gutachten: Michael Brown wurde mit zwei Kopfschüssen getötet.

Wenige Stunden vor dem Inkrafttreten einer neuen Ausgangssperre in der US-Kleinstadt Ferguson ist es dort erneut zu schweren Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei gekommen. Die mit gepanzerten Fahrzeugen angerückten Sicherheitskräfte trieben die Menschenmenge am Sonntagabend mit Tränengas auseinander, wobei einige der Gaskartuschen umgehend auf die Polizei zurückgeschleudert wurden. Örtliche Medien zeigten Bilder von Protestierenden, die ein Schnellrestaurant demolierten.

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Viele Menschen ignorierten die Ausgangssperre und demonstrierten gegen Polizeigewalt und Rassismus.

(Foto: dpa)

Laut dem Sender KMOV-TV griffen die Sicherheitskräfte erst ein, nachdem sie mit Molotow-Cocktails beworfen worden waren. Einige der größtenteils jungen Demonstranten reckten derweil Protestschilder gegen Polizeigewalt in die Höhe. Die Ordnungskräfte des US-Bundesstaats Missouri hatten zuvor angekündigt, die zweite Nacht in Folge eine Ausgangssperre von Mitternacht bis zum frühen Morgen zu verhängen. Zu den Ausschreitungen kam es kurz vor deren Inkrafttreten. Die erste Ausgangssperre in der Nacht zum Sonntag war von hunderten Demonstranten missachtet worden. Es gab sieben Festnahmen, eine Frau wurde durch Schüsse lebensgefährlich verletzt.

Neue Einsatzleitung soll Konflikt entschärfen

Die Proteste entzünden sich um den Tod des 18-Jährigen Michael Brown. Bei einer Gedenkzeremonie für den durch einen Polizisten getöteten Afroamerikaner versuchte der Einsatzleiter der Sicherheitskräfte, Ron Johnson, die Gemüter mit einer Entschuldigung zu beruhigen. An die Angehörigen des Opfers gewandt sagte er: "Ich bin mit dem Herzen bei Euch und sage Euch, dass es mir leid tut." Johnsons Worte wurden von den mehr als 1300 Zuhörern mit lautem Applaus quittiert. Er versprach, solange zu bleiben wie nötig, damit wieder Ruhe in Ferguson einkehre.

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Johnson ist selbst schwarz und leitet inzwischen den Einsatz der Sicherheitskräfte in der mehrheitlich von Afroamerikanern bewohnten Ortschaft, nachdem die zuvor eingesetzten Ordnungskräfte wegen ihres aggressiven Vorgehens abgezogen worden waren. Das militärisch hochgerüstete Auftreten hatte weite Teile der Bevölkerung gegen die örtlichen Polizisten eingenommen, die Demonstranten mit Sturmgewehren und Panzerfahrzeugen eingeschüchtert hatten.

Das US-Justizministerium kündigte aufgrund der "außergewöhnlichen Umstände" des Falls Michael Brown an, dass nach den Behörden von Missouri nun auch zusätzlich Experten auf Bundesebene eine Autopsie der Leiche vornehmen würden. Es wäre die dritte Untersuchung dieser Art, da Browns Eltern ebenfalls eine eigene forensische Analyse bei dem prominenten Pathologen Michael Baden in Auftrag gaben.

Drei Gutachten, die Fall aufklären sollen

Laut diesem Privatgutachten soll Brown von mindestens sechs Kugeln getötet worden sein. Zwei Projektile hätten den Kopf und vier den rechten Arm des 18-Jährigen getroffen. Das berichtete die "New York Times" am späten Sonntagabend. Laut dem vorläufigen Ergebnis der Autopsie seien alle Kugeln von vorne abgefeuert worden.

Michael Baden gilt als Koryphäe auf seinem Gebiet. Er sagte unter anderem in dem spektakulären Gerichtsverfahren gegen den Ex-Footballstar OJ Simpson aus und wurde auch bei den Untersuchungen zum Mord an US-Präsident John F. Kennedy zu Rate gezogen. Baden war früher als oberster Gerichtsmediziner der Ostküstenmetropole New York tätig.

Ferguson ist seit der Tötung des schwarzen Jugendlichen durch einen weißen Polizisten am 9. August Schauplatz von Unruhen und Protesten. Dem Schützen rassistische Motive unterstellt werden. Die Affäre hat die landesweite Kontroverse um Rassismus und laxe Waffengesetze aufs Neue angefacht. Das US-Justizministerium kündigte aufgrund der "außergewöhnlichen Umstände" des Falls an, dass nach den Behörden von Missouri nun auch zusätzlich Experten auf Bundesebene eine Autopsie der Leiche vornehmen würden.

Quelle: n-tv.de, apo/dpa/AFP

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