Panorama

Dach zerstört - für den Adventkranz Wofür "Protz-Bischof" Tebartz-van Elst das ganze Geld verschleuderte

3eey3321.jpg1990100572216747926.jpg

Ob der Bischof ein "Schöner Wohnen"-Abo hat, ist nicht bekannt.

(Foto: dpa)

Franz-Peter Tebartz-van Elst wollte ein schönes Zuhause haben. Das ist nichts Verwerfliches, die meisten wollen das. Doch sie haben im Gegensatz zum Würdenträger nicht die Kirche als Baufinanzierer. Der Limburger Bischof ist da klar im Vorteil - und musste nicht so auf den Euro schauen.

Schwarze Ledermöbel und ein Glastisch, die Wände aus grobem, historischem Gemäuer; eine weiße Designer-Badewanne, natürlich freistehend, an beiden Seiten Nackenstützen; große, goldene Wappen an den Wänden; ein weiter Lichthof mit Säulen und Brunnen: Der Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst hat sich einen sichtlich weltlichen Wohntraum erfüllt. Eine einfache Stube mit Holztisch, Bibel und Kniebank, das wäre wohl nichts für ihn. Sein Bischofssitz ist prachtvoll, die meisten reden von Protz. Was die Kosten angeht, stimmt das: Die neue Unterkunft sorgte für Rechnungen in Höhe von 31 Millionen Euro.

Der "Bild"-Zeitung ist es gelungen, eine etwas detailliertere Aufstellung der Posten zu erlangen. Die Zahlen wurden dem Blatt auch von Jochen Riebel, einem Mitglied des zuständigen kirchlichen Vermögensverwaltungsrates, bestätigt. Demnach ließ Tebartz-van Elst sich seine Privat-Wohnung inmitten des Anwesens fast 3 Millionen Euro Kirchengeld kosten. Allein die Inneneinrichtung hat 478.000 Euro gekostet – mancher baut gleich zwei Häuser dafür.

Sein Garten: vom Feinsten. Auch preislich: 783.000 Euro. Der schon angesprochene Lichthof schlug mit 2,3 Millionen Euro zu Buche. Deutlich teurer noch die neue Kapelle: 2,67 Millionen Euro. Andere Details erzeugen nur Ehrfurcht: Ein Konferenz-Tisch etwa kostete 25.000 Euro, Einbauschränke – selbstredend maßgeschneidert – schlugen mit 350.000 Euro in den Klingelbeutel ein. Eine Randnotiz: Das Anbringen eines Adventkranzes brachte den Handwerkern mal rund 100.000 Euro ein. Für das gute Stück musste schließlich glatt das neue Dach durchlöchert werden.

Nun ist die halbe christliche Welt empört über die Wolllust am Geldausgeben. Tebartz-van Elst, zudem noch wegen möglicher Falschaussage vom Staatsanwalt verfolgt, zeigte allerdings bislang wenig Einsicht. Er warte ab, was die Bischofskonferenz zu seinem Anwesen sagt.

"... und die nicht seine Pfründe sind"

Derweil hagelt es natürlich Kritik an dem 53-Jährigen. Stellvertretend für viele Ansichten brachte es der scheidende Bundestags-Vizepräsident Wolfgang Thierse auf den Punkt: "Auch ein katholischer Bischof, obwohl vom Papst ernannt, bedarf des Vertrauens der Gläubigen seines Bistums", sagte der SPD-Politiker. Thierse ist auch Mitglied im Zentralkomitee der deutschen Katholiken. Das Vertrauen sei offensichtlich so schwer erschüttert, "dass Bischof Tebartz-van Elst Konsequenzen ziehen sollte - um der Kirche willen, der er doch dienen soll und die nicht seine Pfründe ist".

Doch wie soll das gehen mit den Konsequenzen? Wenn Franz-Peter Tebartz-van Elst, der nach Ansicht einiger Beobachter schlicht "krank" ist, nicht alleine die Bischofsmütze wirft und um seine Entlassung aus dem Amt bittet, müsste er quasi geholt werden. Amtsenthebungen allerdings sind selten - und kompliziert. Sie sind möglich, wenn ein Kirchendiener vom Glauben abfällt - aber nicht, wenn dies der Kirchensteuerzahler angesichts der Hausbau-Kosten tut.

Nun wird der Fall bei Papst Franziskus in Rom landen, der ein Freund der Bescheidenheit und der Armut ist. Der noch recht neue Mann in Rom nimmt lieber den alten Fiat 500 als die schwarze Luxuslimousine für die kurzen Streckchen durch den Vatikan. Das nährt bei Tebartz-van Elsts Bischofskollegen die Hoffnung, dass die Vorgänge in Limburg entsprechend dem Kirchenrecht "schwerwiegende Gründe" für einen Rauswurf sind. Denn nur, wenn dies der Fall ist, könnte es einen sauberen Schnitt geben. Amtsträger Franz-Peter Tebartz-van Elst muss nämlich kirchliches Vermögen sorgfältig schützen. Macht er das nicht, ergibt sich eine Art Hinterausgang, durch den Franziskus sein Schäfchen hinausschicken könnte.

Quelle: ntv.de

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen