Panorama

"Pax Terra Musica" "Querdenker" und Putin-Anhänger bei Festival in Friesack

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Das Festival in Brandenburg könnte laut Innenministerium auch Rechtsextremisten und Reichsbürger anziehen.

(Foto: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild)

Das Festival "Pax Terra Musica" im brandenburgischen Friesack ruft den Verfassungsschutz auf den Plan. Möglicherweise könnten dort auch Extremisten agitieren, warnt das Innenministerium. Der Veranstalter weist diese Vorwürfe zurück.

Ein in Friesack im Havelland geplantes Festival "Pax Terra Musica" wird vom Brandenburger Innenministerium intensiv beobachtet. Zwar spreche der Veranstalter von einem Friedensfestival und rufe entsprechend zum Frieden auf, teilte das Ministerium mit. "Er setzt jedoch Russland als Verursacher des Angriffskrieges gleich mit Europa und anderen Staaten", hieß es in der Mitteilung. "Solche relativierenden Aussagen bilden grundsätzlich einen Anknüpfungspunkt für Extremisten und Verschwörungsgläubige."

Die "Potsdamer Neuesten Nachrichten" hatten am 18. Juli über das geplante Festival berichtet und von einem Treffpunkt für "Querdenker", Impfgegner und Putin-Anhängern gesprochen. Einzelne Workshops und Programmpunkte ließen erwarten, dass die Veranstaltung von Extremisten besucht werde, so das Ministerium. "Deren Bandbreite reicht von verfassungsschutzrelevanten Delegitimierern der Demokratie über Rechtsextremisten bis hin zu 'Reichsbürgern' und Glorifizierern der DDR." Dies betreffe jedoch nur einen Ausschnitt aus den zahlreichen Veranstaltungen, "die mehrheitlich keine Verfassungsschutzrelevanz aufweisen".

Laut "Tagesspiegel" haben sich zahlreiche bekannte Verschwörungsideologen beim Festival angekündigt. So hätten zwei prominente Querdenker-Anwälte auf Telegram verkündet, sie kämen auf jeden Fall. Einer von ihnen schreibt laut der Zeitung: "Wenn ich mich so umhöre, werden wir viele bekannte Gesichter in Friesack sehen."

Ebenfalls dabei sein soll demnach auch der Aktivist Oliver Becker, der Putins Invasion jüngst als "Befreiungsaktion" begrüßt habe. Becker habe erklärt, er würde sich auch freuen, falls Putins Truppen demnächst in Deutschland einfallen und die Bundesregierung inhaftierten. Sowohl die Regierenden in der Ukraine als auch in der Bundesrepublik seien "Faschisten, die weg müssen".

"Zeichen der Versöhnung setzen"

Der Veranstalter wehrt sich gegen diese Einschätzungen. Die Organisatoren hätten keinen Kontakt zu "Querdenker"-Strukturen und das Thema Corona bewusst aus den Beiträgen ausgeschlossen, erklärte Geschäftsführer Malte Klingauf. "Zum einen hängt es den Menschen zum Halse heraus und zum anderen spaltet dieses Thema die Gesellschaft nun schon seit zwei Jahren und wir möchten mit unserem Friedensfestival ein Zeichen der Versöhnung setzen."

Bei den vorhergehenden Festivals seien weder "Reichsbürger" noch Rechtsextremisten unter den Besuchern gewesen, versicherte Klingauf. "Und wenn doch, haben sie sich nicht zu erkennen gegeben." Vielmehr sei die Mehrzahl der Besucher eher dem linken Spektrum der Gesellschaft zuzuordnen, meinte der Geschäftsführer. "Da geht es um Leben in Gemeinschaft, Menschheitsfamilie und Nächstenliebe."

Klingauf rechnet mit 1300 bis 1500 Teilnehmern. Im Jahr 2019 seien es rund 1000 und im Jahr zuvor etwa 850 Gäste gewesen. Das Innenministerium mahnte zur Wachsamkeit: "Insgesamt ist ein waches, kritisches und vor allem demokratisches Auge der beste Rat für Besucher und Veranstalter."

Friesacks Bürgermeister Christoph Köpernick kennt die Vorwürfe gegen das Festival, will sie aber nicht teilen. Gegenüber dem "Tagesspiegel" erklärte er, beim letzten "Pax Terra Musica" habe es "keine Auffälligkeiten" gegeben. Und weiter: "Auch wurde die Freilichtbühne ordentlich und sauber hinterlassen." Das diesjährige Festival läuft auf der Freilichtbühne Friesack und geht noch bis Sonntag.

Quelle: ntv.de, hny/dpa

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