Panorama

"Die Zahl wird immer schwanken" RKI relativiert gestiegene Reproduktionsrate

Die Virus-Ansteckungsrate in Deutschland liegt seit Tagen leicht über dem kritischen Grenzwert 1,0. Das wird sich auch künftig wohl nicht ändern. Dazu tragen laut Robert-Koch-Institut mehrere Faktoren bei - vor allem regionale Ausbruchsherde.

Der Reproduktionsfaktor "R" ist bei der Ausbreitung des Coronavirus nach Angaben des Robert-Koch-Instituts nicht alleine entscheidend, um die aktuelle Lage zu bewerten. "Die Reproduktionszahl ist nur ein Parameter, um die Dynamik des Virus zu begreifen", sagte RKI-Vizepräsident Lars Schaade in Berlin. Wichtig seien auch die Zahl der Neuinfektionen im Tagesvergleich, die Zahl der positiv ausgefallenen Tests sowie die Be- und Auslastung des Gesundheitswesens, so Schaade.

Entscheidend sei unter anderem, dass die Fallzahlen langsam kleiner werden. "Einzelne Ausbrüche beeinflussen den R-Wert stärker. Diese jüngsten Ausbrüche können den R-Wert weiter über 1 halten." Sobald sie unter Kontrolle sind, könne der R-Wert auch wieder sinken. "Die Zahl wird immer schwanken", erklärte Schaade. Sollte der Wert einen längeren Zeitraum lang über 1,2 oder 1,3 liegen, müsste man sich Gedanken machen, wie man dagegen angeht.

Die Virus-Ansteckungsrate in Deutschland liegt derweil weiter über dem kritischen Wert von 1,0. Die Reproduktionsrate wird aktuell auf 1,07 geschätzt, nach 1,13 am Sonntag. Jeder Infizierte steckt damit statistisch gesehen mehr als eine weitere Person an, die Fallzahlen würden damit wieder steigen. RKI-Chef Lothar Wieler hatte wiederholt erklärt, eine Rate unter 1,0 sei sehr wichtig.

Angesprochen auf die bundesweite Lage mit den weiter zurückgehenden Fallzahlen sagte Schaade: "Die Gefahrenlage ist natürlich geringer als vor vier Wochen, aber sie ist noch da." Es gebe regionale Unterschiede, daher würden die Bekämpfungsmaßnahmen auch regionalisiert. "Es gibt eine Dunkelziffer. Hinter jedem Fall stecken ein paar weitere Fälle. Auch die wenigen Infektionen könnten einen Ausbruch wieder aufflackern lassen."

Die bundesweite Lage sei erfreulich, aber solange das Virus nicht im Keim ausgelöscht sei, müssten Infektionsketten vermieden und das Verhalten angepasst werden. "Die zweite und dritte Welle kann vermieden werden, wenn wir uns weiterhin richtig verhalten", sagte Schaade. "Wenn wir das nicht tun, wird es wieder aufflammen." Solange man keine Alternative zur Vermeidung der Infektion habe, müsse man die Disziplin und Fantasie aufbringen, die Infektion niedrig zu halten.

Quelle: ntv.de, mba

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen