Panorama

Abkehr vom Inzidenzwert? RKI will zusätzlichen Leitindikator einführen

Die Inzidenz bestimmt über Lockerungen in den einzelnen Bundesländern, doch das könnte sich bald ändern. Einem Medienbericht zufolge will das RKI künftig weniger auf die Neuinfektionen schauen, wenn es darum geht, das Pandemiegeschehen zu bewerten.

Zur Einordnung des Pandemiegeschehens in Deutschland will das Robert-Koch-Institut (RKI) einem Medienbericht zufolge die Hospitalisierung als zusätzlichen Leitindikator einführen. Das berichtete die "Bild"-Zeitung unter Berufung auf eine interne Präsentation des RKI. Eine solche Praxis würde eine Abkehr vom Inzidenzwert als wichtigste Kennzahl der Corona-Politik bedeuten.

Es seien "weiterhin mehrere Indikatoren zur Bewertung notwendig, aber die Gewichtung der Indikatoren untereinander ändert sich", hieß es laut "Bild"-Zeitung in dem RKI-Papier. Das Institut begründet die Hinzunahme der Hospitalisierung demnach mit den "Konsequenzen zunehmender Grundimmunität".

Dem Bericht zufolge rechnet das RKI mit einer "Abnahme des Anteils schwerer Fälle" und fordert daher einen "stärkeren Fokus auf die Folgen der Infektion", darunter schwere Erkrankungen mit Hospitalisierung, Todesfälle und langfristige Folgen. Laut Bericht resümiere das RKI, dass "weitgehende nicht-pharmakologische Interventionen für alle fachlich schwer begründbar (außer bei drohender systematischer Überlastung)" seien. Das Institut umschreibt damit, dass eine Verschärfung der Corona-Maßnahmen bei einer hohen Impfquote nicht mehr vermittelbar sind.

Den Ruf, sich nicht mehr ausschließlich auf die Inzidenz zu konzentrieren gab es aus Politik und Medizin bereits vor einigen Monaten. Der Präsident der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Andreas Gassen, sagte dazu der "Bild"-Zeitung: "Wenn es in einer vierten Corona-Welle viele positive Befunde, aber keine Kranken mehr hat, kann man die Lage sehr gelassen sehen."

Die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz lag am Montag bei 6,4. Auch wenn die Corona-Fallzahlen derzeit niedrig sind, gibt die Ausbreitung der besonders ansteckenden Delta-Variante Anlass zur Sorge. Zuletzt hatte das RKI mitgeteilt, dass die zuerst in Indien festgestellte Variante nun für mehr als 50 Prozent aller Ansteckungen mit dem Coronavirus in Deutschland verantwortlich ist.

Quelle: ntv.de, mba/AFP

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