Panorama

Mysteriöse Attacke auf Teenager Rätsel um fleischfressende Kreaturen gelöst

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Sam Kanizay im Krankenhaus: Der 16-Jährige war offenbar "zur falschen Zeit am falschen Ort".

(Foto: dpa)

Nach einem Bad im Pazifik steigt Sam Kanizay mit blutüberströmten Beinen aus dem Wasser. Experten rätseln, welches Getier sich wohl an dem Australier zu schaffen gemacht hat. Nun beantwortet eine Meeresbiologin aus Melbourne diese Frage. Und sie gibt Entwarnung.

Die Bilder von den blutigen Beinen des 16-jährigen Australiers Sam Kanizay gingen um die Welt - und sie erinnerten ein wenig an einen Horrorfilm. Füße und Waden des Teenagers waren übersät mit winzig kleinen Wunden, die nicht aufhören wollten zu bluten. Es dauerte über 18 Stunden, bis Ärzte die Blutungen stillen konnten - und Experten rätselten, was dem Teenager zugestoßen sein könnte. Kanizay hatte sich die Verletzungen bei einem Bad am Strand von Melbourne zugezogen.

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Die Füße von Sam Kanizay sind übersät mit kleinen Bisswunden.

(Foto: AP)

Experten vermuteten, dass es sich bei den Übeltätern um Seeläuse handeln könnte. Parasiten-Forscher Thomas Cribb von der University of Queensland schränkte allerdings ein, dass es "extrem ungewöhnlich" wäre, wenn Seeläuse solch starke Blutungen ausgelöst hätten. Auch die Theorie, dass Kanizay das Opfer von Quallenlarven geworden sein könnte, kursierte. Doch eine abschließende Antwort auf die Frage, was sich da an den Beinen des 16-Jährigen zu schaffen gemacht hat, gab es zunächst nicht. Sicher war lediglich, dass der Australier Hunderte winzige Bisswunden an den Beinen aufwies - so klein wie Einstichlöcher.

Zunächst habe er gar nicht mitbekommen, was sich da im Wasser zu seinen Füßen abspielte, sagte Kanizay der australischen Tageszeitung "The Age". Er habe nur ein leichtes Kitzeln gespürt. Auch von einem tauben Gefühl berichtete er. Doch er schob es auf seinen Muskelkater nach einem Football-Spiel. "Ich habe nicht wirklich gedacht, dass ich gerade aufgegessen werde", so der 16-Jährige. Umso größer war der Schock, als er aus dem Wasser stieg. Auf dem Weg nach Hause habe er eine regelrechte Blutspur hinter sich hergezogen, berichtete Kanizay. Erst als auch sein Vater Jarrod die Blutungen nicht stillen konnte, seien sie ins Krankenhaus gefahren.

Zur falschen Zeit am falschen Ort

Jarrod Kanizay war es auch, der den rätselhaften Verletzungen seines Sohnes auf die Spur kam. Er fuhr zurück zu dem Ort, an dem sein Sohn das Bad im Pazifik genommen hatte - und konnte einen Schwarm mysteriöser kleiner Tierchen einfangen. In einem Videoclip hielt er fest, wie sich die Kreaturen über ein paar Brocken Fleisch hermachten, die er ins Wasser geworfen hatte. Mit dem Filmmaterial und ein paar eingefangenen Exemplaren ging er zur Meeresbiologin Genefor Walker-Smith. Und die Forscherin konnte das Rätsel um die Tiere tatsächlich lösen: Es handelt sich demnach um Seeflöhe (Lysianassid amphipod).

Sie ernähren sich eigentlich von totem Fisch, sind also Aasfresser. Doch im Fall von Kanizay haben sie eine Ausnahme gemacht. "Sam war einfach zur falschen Zeit am falschen Ort", sagte Walker-Smith der Zeitung. Es sei möglich, dass er einen Schwarm beim Fressen gestört hat. Denn eigentlich lauerten die Tiere nicht im Wasser auf potenzielle Opfer. Auch, dass die Wunden stundenlang bluteten, kann die Forscherin erklären. "Vielleicht haben die Tiere beim Beißen eine gerinnungshemmende Substanz abgesondert - ähnlich wie bei Blutegeln", vermutete Walker-Smith. Ein ungewöhnlicher Fall sei es aber dennoch.

Flohkrebse sind eigentlich durchaus nützlich, sie funktionieren quasi wie eine Müllabfuhr im Meer. Tote Fische werden von den Tieren zersetzt. Dass sie Menschen beißen, kommt laut Walker-Smith eher selten vor. Die Bisse seien auch nicht giftig. "Wir werden die Tiere zu Dokumentationszwecken untersuchen und sie genau identifizieren", versprach die Meeresbiologin - und machte Sam Kanizay ein Kennenlernangebot. "Wenn er möchte, kann er sich die Brighton Seeflöhe bei uns unter dem Mikroskop anschauen."

Quelle: ntv.de, jug