Panorama

Erpressung vom Gefängnis aus? Reemtsma-Entführer vor Gericht

Der Justizmarathon um die Entführung des Millionen-Erben Jan Philipp Reemtsa geht in die nächste Runde. Der 2001 verurteilte Kidnapper Thomas Drach muss sich nochmals vor Gericht verantworten. Er soll seinen Bruder, der ihm als Komplize diente, aus der Zelle heraus erpresst haben. Es geht um die Beute, die noch immer nicht sichergestellt ist.

Zehn Jahre nach seiner Verurteilung wegen der Entführung des Hamburger Millionärs Jan Philipp Reemtsma muss sich Thomas Drach erneut vor Gericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 51-Jährigen vor, er habe aus dem Gefängnis heraus versucht, seinen Bruder erpressen zu lassen. Ziel der Erpressung sei gewesen, sich seinen Anteil an dem nach wie vor verschwundenen Millionen-Lösegeld zu sichern. Das bestätigte der Hamburger Oberstaatsanwalt Wilhelm Möllers.

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Thomas Drach beim Prozessauftakt im Jahr 2000.

(Foto: picture alliance / dpa)

Drach "sah sich von seinem Bruder um den Lohn aus der Reemtsma-Entführung gebracht", erklärte Möllers. "Er hatte Angst, dass er am Ende ohne Tatbeute dasteht."

Drach war 2001 wegen der Entführung des Hamburger Sozialforschers Reemtsma zu 14 Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt worden; die Freiheitsstrafe wird er im Juli 2012 abgesessen haben. Reemtsma wurde nach 33 Tagen Geiselhaft und Zahlung eines Lösegeldes freigelassen. Der größte Teil der Summe von insgesamt 15 Millionen Mark und 12,5 Millionen Schweizer Franken ist nach wie vor verschwunden.

Zwei Millionen Mark pro Haftjahr

Im bisherigen Verfahren gegen Drach war sein Schweigen über den Verbleib des Lösegeldes ein zentraler Punkt gewesen. Reemtsma hatte während des Prozesses gesagt, selbst bei einer Höchststrafe von 15 Jahren hätte Drach "immer noch einen Gewinn von zwei Millionen Mark pro Haftjahr".

Drach soll nach Darstellung der Staatsanwaltschaft im Februar 2009 mit zwei Briefen versucht haben, einen Freund zum Kidnappen seines Bruders anzustiften. Er habe geplant, von seinem Bruder - nach dessen Haftentlassung im Mai 2009 - innerhalb von sechs Monaten um 30 Millionen Euro zu erpressen. Die Schreiben wurden Möllers zufolge jedoch von der Briefkontrolle im Gefängnis abgefangen und an die Ermittlungsbehörden weitergeleitet. Der Bruder saß hinter Gittern, weil er einen Teil des Lösegeldes für Thomas Drach gewaschen hatte.

Der Prozess gegen Drach ist laut "Abendblatt" auf fünf Verhandlungstage angesetzt. Drach ist wegen versuchter Anstiftung zur räuberischen Erpressung angeklagt. Bisher habe er sich zu den Vorwürfen nicht geäußert, berichtete Möllers. "Die Staatsanwaltschaft geht auch nicht davon aus, dass der Beschuldigte Angaben zum Verbleib des Lösegeldes machen wird."

Quelle: ntv.de, dpa