Panorama

Bis zu 45 Grad in Spanien Rekordhitze weht aus Südeuropa zu uns

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Nur mit ausreichend Abkühlung lässt sich die brütende Hitze ertragen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Zu wenig Wasser von oben, dafür die brütende Sonne: Der Juli ist einer der heißesten überhaupt. Zwischendurch gibt es zwar heftige Gewitter, doch die bringen nicht die gewünschte Abkühlung. Auf uns kommt eine Rekordhitze zu, die an den Sommer 2003 erinnert, sagt n-tv Meteorologe Björn Alexander.

n-tv.de: Die Zeiten beim Wetter scheinen auf "extrem" zu stehen. Anders kann man es wohl in diesem Sommer kaum bezeichnen, oder?

Björn Alexander: Temperaturmäßig haben wir - wie der Sommer 2003 zeigt - definitiv noch Luft nach oben. Was allerdings in diesem Jahr wirklich außergewöhnlich ist, das ist und bleibt die Dauer unseres Sommers oder besser: der sommerlichen Temperaturen. Die begleiten uns ja bereits seit dem April. Und das ist schlussendlich das Problem, unter dem wir momentan vielerorts leiden. Denn außer den deutlich zu warmen Werten ist eben das Ausbleiben des Regens von Mitteleuropa bis hinauf nach Skandinavien das Markenzeichen der letzten Monate.

Der n-tv Wetterexperte Björn Alexander

Am Freitag sollen es in Südwestdeutschland bis zu 38 Grad heiß werden, sagt Björn Alexander.

  Wie viel zu warm war denn der Juli?

Nach den rekordwarmen Monaten April und Mai und einem der wärmsten Juni-Monate seit Beginn der Wetteraufzeichnungen rangiert auch der Juli unter den Top 5 der heißesten Juli-Monate. Schlussendlich wird er im Vergleich zum Durchschnitts-Juli über 3 Grad zu warm und zu sonnig ausfallen - mit durchschnittlich mehr als 300 Stunden Sonnenschein.

Aber Regen fiel so gut wie keiner.

Genau. Gleichzeitig ist nämlich gerade mal die Hälfte der ansonsten üblichen Niederschlagsmenge zusammengekommen. Damit gibt es im Jahr 2018 bislang erst einen Monat, der das Regensoll erfüllt hat. Das war der Januar. Seitdem ist es durchweg zu trocken bis deutlich zu trocken.

Woran lag das?

Im Endeffekt hat sich dieselbe oder zumindest eine ähnliche Wetterlage wieder und wieder eingestellt. Ein starkes Hoch, das sich tendenziell im Bereich Britische Inseln beziehungsweise Skandinavien etabliert hat. Damit wurden die Tiefdruckgebiete bei uns geblockt und mussten weiter nach Norden ausweichen, so dass es im Prinzip von Irland über Norddeutschland bis rauf nach Skandinavien zu trocken war. Mit den entsprechenden Folgen auch für Nordeuropa, wo es ja ebenfalls häufig zu Waldbränden kam.

Ist denn mit dem Juli jetzt auch die Hitze vorbei? Schließlich soll es ja mächtig krachen.

Die teils kräftigen Gewitter sind nur ein kurzes Intermezzo. Eventuell schreibt der Sommer 2018 schon bald ein neues Kapitel.

Das da heißt?

Eventuell "Sommer 2003 - reloaded". Denn die Wetterlage der nächsten Tage erinnert ein wenig an den August 2003.

Warum?

Weil sich auch damals eine Hitzeblase aus der Sahara über Portugal und Spanien breitgemacht hat und dann via Südfrankreich nach Süddeutschland geschwappt ist.

Was bedeutet das konkret?

Die große Hitze legt auf der Iberischen Halbinsel derzeit so richtig los, mit 40 bis 45 Grad. Und diese Hitze ebbt frühestens Mitte nächster Woche wieder ab.

Das ist ja noch weit weg.

Stimmt. Allerdings erreichen Ausläufer der Hitze am Donnerstag ganz Südfrankreich mit 35 bis 40 Grad. Am Freitag ist dann auch Südwestdeutschland mit 34 bis 38 Grad dran. Und dort hält sie zumindest bis Dienstag/Mittwoch mit 32 bis 36 Grad. Die Grenze zu etwas angenehmeren Temperaturen verläuft wahrscheinlich über Norddeutschland. Hamburg dürfte im August erst einmal unter 30 Grad bleiben, Berlin bekommt ab Donnerstag um die 30 Grad. Südlich einer Linie von Köln nach Leipzig bleibt es hingegen nach wie vor bei Werten jenseits der 30-Grad-Marke.

Also ist nach wie vor keine Abkühlung in Sicht?

Eher nicht. Nimmt man die die extremste Variante unter den Wettermodellen, dann könnte uns sogar eine richtige Rekordhitze erreichen. Diese Extremberechnungen des kanadischen Wetterdienstes erwarten ab Freitag in Süddeutschland mehr als 40 Grad.

Oh je.

Es gibt aber auch gemäßigtere Ansätze. Nimmt man das europäische Wettermodell, dann hat dieses die Hitze zwar ebenfalls im Programm, lässt sie aber nur bis Mitte Frankreich vordringen und erst nächste Woche Dienstag kurz bis nach Südwestdeutschland schwappen.

Kommen diese Extreme durch den Klimawandel zustande?

Es ist schon schwierig, die verschiedenen Phänomene - in den letzten Sommern immer mal wieder heftiger Regen mit Überflutungen und jetzt einen Dürresommer - in den selben Topf zu werfen und dann "Klimawandel" draufzuschreiben. Auf der anderen Seite prophezeien Klimaforscher ja immer wieder extremere Wetterereignisse. Und vielleicht wird in der Zukunft mal ein entsprechendes Muster daraus. Unabhängig davon gab es in Mitteleuropa natürlich auch in der entfernteren Vergangenheit immer mal wieder heiße und teils sehr trockene Sommer, wie 1947, 1959, 1975, 1982 oder 1983. Ein extremes Dürrejahr liegt aber noch weiter zurück: Nämlich das Jahr 1540, als es in Mitteleuropa fast ein Jahr nicht geregnet hat. Zeitzeugen berichteten, dass man selbst große Ströme wie Elbe, Rhein oder die französische Seine zu Fuß durchqueren konnte.

Quelle: n-tv.de

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