Panorama
Donnerstag, 25. Januar 2007

Zahlreiche Unfälle: Schnee sorgt für Chaos

Schnee und Glätte haben am Donnerstag erneut in weiten Teilen Deutschlands zahlreiche Unfälle, Staus und Sperrungen von Straßen verursacht. Mehrere Menschen kamen ums Leben oder wurden verletzt.

Flugreisende und Autofahrer mussten stundenlang auf Flughäfen und in eisiger Kälte auf Autobahnen ausharren. Im Bahnverkehr gab es ebenfalls Einschränkungen. Auch Polen, Tschechien, Frankreich und Spanien litten unter starken Schneefällen. Mit Eis und Schnee soll der Winter auch am Wochenende in Deutschland bleiben.

Tragischer Unfall in Schleswig-Holstein

Zwei sieben und sechs Jahre alte Schwestern brachen beim Spielen auf einer Eisfläche ein - das ältere Mädchen starb, das andere schwebte am Donnerstag noch in Lebensgefahr. Der Unfall hatte sich bereits am Dienstag ereignet. Nach Angaben des Landesfeuerwehrverbands hatten die beiden Mädchen auf einem übergefrorenen Acker gespielt, als das Eis einbrach. Das eisige Wasser hatte eine Tiefe von 1,20 Meter.

Der Winter hatte in der Nacht zum Donnerstag Teile Schleswig-Holsteins und Hamburgs in Rutschbahnen verwandelt. Die Polizei zählte knapp 100 Glätteunfälle. Dabei wurde ein Autofahrer getötet. In Niedersachsen rutschte nach Polizeiangaben auf der A7 bei Seesen ein Kleinlaster in einen Graben. Ein zweites Fahrzeug prallte wenig später in die Unfallstelle. Dabei kam der Fahrer des ersten Wagens ums Leben, der Fahrer des anderen wurde schwer verletzt. In Richtung Hamburg kam auf der A7 bei Soltau ein Autofahrer beim Überholen mit seinem Wagen ins Rutschen und kollidierte mit einem anderen Pkw. Zwei Menschen, darunter ein neunjähriges Kind, wurden schwer verletzt.

Autofahrer und Flugreisende stecken fest

In Bayern mussten wegen des Wintereinbruchs mehr als 1.100 Menschen die Nacht in ihren Autos oder auf dem Münchner Flughafen verbringen. Nach einem Verkehrsunfall mit drei Lastwagen auf der Autobahn Regensburg-Nürnberg (A3) bei Beratzhausen am Mittwochabend kam der Verkehr dort zum Erliegen. Mehr als 500 Menschen saßen in ihren Fahrzeugen fest. Sie bekamen von Helfern Decken, heiße Getränke und Brötchen. Nach mehr als sieben Stunden Totalsperrung konnten die Autos am frühen Morgen auf einer Spur wieder weiterfahren.

Rund 600 Passagiere mussten wegen des heftigen Schneetreibens und ausgefallener Flüge die Nacht zum Donnerstag auf dem Münchner Flughafen verbringen. Sie seien in den Terminals mit Feldbetten und Decken versorgt worden, sagte eine Flughafensprecherin. Am Mittwoch waren rund 350 Flüge gestrichen worden, mehr als 100 waren verspätet. Am Donnerstagvormittag konnten die meisten Gäste wieder reisen.

Chaos auch auf den Autobahnen in Baden-Württemberg

Die A5 musste zwischen Karlsruhe-Süd und Rastatt teilweise gesperrt werden. Wegen zahlreicher liegen gebliebener Schwertransporte gab es kein Durchkommen für Streu- und Räumfahrzeuge. Quer stehende Lastwagen blockierten im Schwarzwald eine Bundesstraße. Sie waren ohne Schneeketten unterwegs, die Fahrer müssen mit Bußgeldern rechnen.

Reutlingen sperrt Mehrzweckhalle

Die Stadt Reutlingen hat nach den heftigen Schneefällen vorsorglich zwei Mehrzweckhallen gesperrt. Beide Gebäude seien knapp 40 Jahre alt und wiesen Mängel in der Dachkonstruktion auf, sagte eine Sprecherin der Stadtverwaltung am Donnerstag. Ein Statiker habe empfohlen, die Hallen von einer Schneehöhe von zehn Zentimetern an nicht mehr zu nutzen.

Noch vor Beginn der Wintersaison waren in Baden-Württemberg vier Eislaufhallen gesperrt worden. Das Wirtschaftsministerium hatte flächendeckende Untersuchungen angeordnet, um ein ähnliches Unglück wie in Baden Reichenhall Anfang 2006 zu verhindern. In dem bayerischen Ort war das Dach einer Eislaufhalle eingestürzt. 15 Menschen starben.

Quer stehende Lkw blockierten auch auf vielen sächsischen Straßen den Verkehr. Der Flugverkehr am Dresdner Airport konnte am Donnerstag dagegen planmäßig abgewickelt werden. Der Flughafen Leipzig-Halle war schneefrei. "Bei uns fielen nur einige ankommende Flüge aus Frankfurt am Main und München aus", sagte ein Sprecher.

Ski und Rodel gut

Was die Autofahrer nervte, freute die Skifahrer: Bei strahlendem Sonnenschein gingen auf dem Feldberg im Schwarzwald die ersten Skilifte in Betrieb. Im Harz lagen bis zu 15 Zentimeter Schnee.

Unterdessen beklagte der Auto Club Europa (ACE), dass fast jeder fünfte Verkehrsteilnehmer auch im Winter mit Sommerreifen fahre. Dies habe sich bei Umfragen mehrfach bestätigt, sagte ACE-Sprecher Rainer Hillgärtner. Daran habe sich in den vergangenen Jahren nicht viel geändert. "Das größte Problem sind dabei die Lastwagen."

Winterchaos auch in den Nachbarländern

Wegen neuer starker Schneefälle hatten 110.000 Haushalte in West- und Zentralfrankreich keinen Strom. In Polen erreichten viele Pendler nur mühsam ihre Arbeitsplätze. In Warschau waren innerhalb von 24 Stunden 18 Zentimeter Schnee gefallen - mehr als in den Bergen. In Tschechien konnte der internationale Flughafen Prag-Ruzyne wieder geöffnet werden. Er hatte in der Nacht zum Mittwoch geschlossen werden müssen. Rund 100 Ortschaften waren in Nord- und Mittelspanien von der Außenwelt abgeschnitten. Auf der Autobahn Madrid-Burgos saßen am Donnerstag nach Angaben der Behörden 200 Lastwagen im Schnee fest. Auch der Bahn- und Flugverkehr war beeinträchtigt.

Quelle: n-tv.de