Panorama

Mindestens vier Tote Schneemassen stürzen Spanien ins Chaos

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In Madrid versank alles unter einer dicken Schneedecke, auch die Autos.

(Foto: AP)

Bis zu 60 Zentimeter hoch liegt der Schnee in der spanischen Hauptstadt Madrid. Während sich Tausende im Weiß vergnügen, müssen andere die Nacht auf der Autobahn verbringen. Das öffentliche Leben liegt quasi still. Der Innenminister warnt vor weiteren "schweren Stunden".

Winterchaos in Spanien: Das Sturmtief "Filomena" hat mindestens vier Menschenleben gefordert - und die Hauptstadt Madrid mit historisch heftigem Schneefall lahmgelegt. "Wir haben noch schwere Stunden vor uns", warnte Innenminister Fernando Grande-Marlaska bei einer ersten Bilanz. Er rief die Spanier dazu auf, nach Möglichkeit zu Hause zu bleiben. Mit gutem Grund: Vor allem im besonders schwer getroffenen Madrid knickten am Samstag unter der Last des Schnees immer wieder große Bäume um.

Der Minister sagte, allein in der Region Madrid seien seit Freitagabend fast 1500 Menschen gerettet worden, die vom Schnee in ihren Fahrzeugen festgesetzt worden seien. Nach Medienberichten warteten allerdings am Samstagnachmittag bei gefühlten minus fünf Grad vor allem auf den Ringautobahnen der Hauptstadt noch Dutzende Menschen auf Hilfe, die die Nacht im Auto verbringen mussten.

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Die Menschen spazierten staunend in den weißen Straßen.

(Foto: AP)

Der Minister-Aufruf blieb derweil in Madrid oft ungehört: Tausende Madrileños gingen überall in der Stadt und auch in den umliegenden Gemeinden der Hauptstadtregion auf die nahezu autoleeren Straßen, um sich laut lachend Schneeballschlachten zu liefern oder mit staunenden Augen spazieren zu gehen. Die Menschen waren auf den bis zu 60 Zentimeter dicken Schneedecken teils auch auf Langlaufskiern und Schlitten unterwegs - ein Mann ließ sich von fünf Huskys ziehen und wurde so zum viralen Internet-Hit.

Viele andere litten aber in Madrid unter dem Chaos. Der Flughafen und die S-Bahn stellten den Betrieb bis auf Weiteres komplett ein. Die Eisenbahngesellschaft Renfe strich viele Verbindungen. "Der Jahrhundertschnee legt Madrid lahm", titelte die Zeitung "ABC". Der Wetterdienst AEMET teilte mit, es handele sich um den größten Schneesturm in der Hauptstadt seit 1971.

Auf einer der Ringautobahnen wartete Patricia Manzanares unterdessen mit ihren Mitfahrern auf Hilfe. "Wir sitzen hier seit mehr als 15 Stunden fest, niemand hat uns Wasser, Decken oder Essen gebracht", erzählte die Journalistin im spanischen Fernsehen via Handy. Sie klagte: "Wir bekommen überhaupt keine Infos, und im Wagen neben uns ist auch ein drei oder vier Jahre altes Mädchen."

Schon seit Freitagvormittag fielen in Madrid ununterbrochen dicke weiße Flocken vom Himmel. Der starke Schneefall sollte dort und in der ebenfalls schwer betroffenen Nachbarregion Kastilien-La Mancha erst am frühen Sonntagmorgen aufhören.

400 Straßen im Land gesperrt

Nicht nur Madrid wurde von "Filomena" ins Chaos gestürzt. Seit Freitagabend und noch bis Samstagabend galt in der Hauptstadt und in zehn von insgesamt 50 Provinzen des Landes die höchste Alarmstufe Rot. Im ganzen Land wurden nach Angaben der Behörden rund 400 Autobahnen, Land- und andere Straßen gesperrt. Fußball-Spiele wurden abgesagt. Das Heimspiel von Atlético Madrid in der spanischen Primera División fiel am Samstag ebenfalls aus. Die Gäste von Athletic Bilbao konnten wegen des Winterwetters nicht anreisen. Der Flughafen der spanischen Hauptstadt war zwischenzeitig sogar geschlossen. Zudem hätten die schlechten Verhältnisse auf den Straßen auch die Sicherheit der eigenen Mannschaft, der Schiedsrichter und der Vereinsmitarbeiter beeinträchtigt, schrieb Atlético auf seiner Homepage.

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Sturmtief "Filomena" sorgte nicht nur für viel Schnee, sondern auch für harschen Wind.

(Foto: AP)

In den Regionen, in denen es keinen Schnee gab, brachte "Filomena" im Zusammenspiel mit anderen Wetterphänomenen Unwetter, starke Windböen, Dauerregen und hohe Wellen. Nach Angaben der Behörden wurde in Zarzalejo im Nordwesten der Region Madrid ein 54-Jähriger tot geborgen, der mutmaßlich in der Nacht von Schneemassen begraben worden war. Ein Obdachloser sei am Samstag in einem Park des Madrider Viertels Carabanchel erfroren. Außerdem starben ein Mann und eine Frau in Fuengirola in der Provinz Málaga im Süden Spaniens, als ihr Fahrzeug in der Nacht bei Überschwemmungen von Wassermassen mitgerissen wurde.

Die Militärische Nothilfeeinheit UME musste im ganzen Land mehrfach ausrücken, um Autofahrern zu helfen oder umgestürzte Bäume zu beseitigen. Eingesetzt wurden 147 Soldaten und 66 Fahrzeuge. Dennoch waren die Militärs wegen der vielen Notfälle Medienberichten zufolge völlig überfordert. "Filomena" sorgte auch für einen Rekord: In Vega de Liordes in der Provinz León rund 400 Kilometer nördlich von Madrid wurde schon am Donnerstag mit minus 35,8 Grad laut Meteorologen die tiefste Temperatur verzeichnet, die jemals in Spanien gemessen wurde.

Quelle: ntv.de, chf/dpa