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Experiment zur Suchtprävention Schüler trinken unter Kontrolle Alkohol

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Auch der Umgang mit Alkohol muss und kann erlernt werden.

(Foto: imago/Aurora Photos)

Irgendwann in den mittleren Teenagerjahren trinken die meisten Jugendlichen das erste Mal Alkohol. In einem Experiment können Schülerinnen und Schüler erfahren, wie sich ein bis zwei Gläser Bier oder Wein bei ihnen auswirken.

Eine Oberschule in Brandenburg hat sich für einen besonderen Weg in der Alkohol-Suchtprävention entschieden. Die Templiner Schule lässt die Schüler Alkohol trinken. Die 14- bis 15-Jährigen sollen durch das kontrollierte Trinken die Folgen von Alkohol kennenlernen.

Carsten Schroeder, Projektleiter von "Lieber schlau als blau", sagte n-tv: "Die Schüler sind in der Regel begeistert, wenn sie hören, im Unterricht wird Alkohol getrunken." Das entspricht allerdings nicht der Realität, die Schülerinnen und Schüler trinken den Alkohol in einer Gaststätte oder einem Jugendklub. Mit einem Besäufnis hat das Ganze aber nichts zu tun, eher mit einem Experiment, wie es beispielsweise auch im Chemie-Unterricht durchgeführt wird, so Schroeder.

Denn das Projekt "Lieber schlau als blau" dient der Sucht-Vorbeugung und wurde von dem Suchtexperten Johannes Lindenmeyer entwickelt. Es besteht schon seit 2007 und entstand als Reaktion auf das Komasaufen von Jugendlichen. Bei dem Projekt geht man davon aus, dass sich der "Trinkstil" eines Menschen zwischen dem 12. und dem 16. Lebensjahr herausbildet. Lindenmeyer sagte n-tv.de, das Projekt verfolge den Ansatz, "dass die Jugendlichen in einem abgesicherten Modus Erfahrungen mit Alkohol machen".

Um bei dem Test mitzumachen, benötigen die minderjährigen Schüler eine Einverständniserklärung der Eltern. Dabei legen die Erziehungsberechtigten auch fest, wieviel Alkohol ihr Kind maximal trinken darf. "Es nimmt kein Jugendlicher teil, der nicht zuvor bereits Alkohol konsumiert hat", erklärt Lindenmeyer. Denn es gehe nicht darum, die Schülerinnen und Schüler an den Konsum heranzuführen, sondern ihnen die Wirkungen von Alkohol klarzumachen. Das Programm wird seit zehn Jahren angeboten, bundesweit haben bisher etwa 5000 Jugendliche teilgenommen.

Tests vor und nach Alkoholkonsum

Bevor der Alkohol konsumiert wird, müssen die Schülerinnen und Schüler einen Konzentrationstest absolvieren und koordinative Aufgaben lösen. Dabei werden auch Erwartungen formuliert, was sich mit dem Alkoholkonsum verändert. Diese Tests werden jeweils nach der ersten und der zweiten Alkoholgabe wiederholt. Im Durchschnitt trinken die Jugendlichen während des Experiments ein bis zwei Gläser Bier oder Wein. Die in verschiedenen Medien kursierenden Zahlen von 0,8 Liter Wein oder 1,3 Liter Bier, die getrunken werden, nannte der Psychologe gegenüber n-tv.de zu hoch.

Lindenmeyer zufolge beschreiben die meisten Schülerinnen und Schüler ihr Befinden nach einem Glas Alkohol als "angenehm". Ihr Sozialverhalten sei erleichtert. Nach zwei Gläsern sei das immer noch so, aber auch nicht besser als nach einem Glas. Nach drei Gläsern verschlechtere sich das Gesamtempfinden bereits. Jugendliche können so lernen, wo ihre Grenzen beim Alkoholkonsum liegen und wann sie möglicherweise bereits überschritten werden.

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Quelle: n-tv.de

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