Forscher: Seit Mai viele GewitterSchwere Unwetter treffen Rheinland-Pfalz

Die kurze Hitzewelle wird durch Unwetter beendet. Zuerst trifft es Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen, nun auch Rheinland-Pfalz. In einer Gemeinde wird Katastrophenalarm ausgelöst. Ein Blitzforscher stellt derweil eine ungewöhnliche Häufung fest.
Schwere Gewitter mit örtlich viel Regen haben vor allem den Norden von Rheinland-Pfalz getroffen. "Der Schwerpunkt war von der Eifel rüber bis zum Westerwald", sagte ein Sprecher des Deutschen Wetterdienstes. Über den Umfang der Schäden lagen zunächst keine genauen Informationen vor. Bereits in der Nacht zum Freitag hatte es in Teilen Niedersachsens und Nordrhein-Westfalens heftige Unwetter gegeben.
In Stromberg im Hunsrück lösten die Behörden nach schweren Regenfällen und teils meterhohen Überschwemmungen Katastrophenalarm aus. Der Kreis Bad Kreuznach richtete einen Krisenstab ein, wie ein Sprecher mitteilte. Einsatzkräfte retteten Bewohner mit Booten aus ihren Häusern. Das Wasser stand laut Krisenstab teilweise zwei Meter hoch in den Straßen. Umliegende Orte seien nicht betroffen. Es handle sich um eine örtlich begrenzte Krisenlage in Stromberg, sagte ein Sprecher des Krisenstabs.
Bei Trechtingshausen im Kreis Mainz-Bingen kam es nach Angaben eines Polizeisprechers zu einem kleineren Erdrutsch. Die Wasser- und Geröllmassen gingen von einem Steinbruch nahe der Burg Sooneck auf die Bundesstraße 9 nieder. Die Straße wurde in beiden Richtungen gesperrt.
Auf der Bahnstrecke Wiesbaden-Koblenz kommt es wegen Unwetterschäden im Mittelrheintal zu Beeinträchtigungen. Beiderseits des Rheins seien die Gleise unterspült worden, sagte eine Bahnsprecherin in Berlin. Linksrheinisch sei der Abschnitt zwischen Niederheimbach und Bingen betroffen gewesen. Dieser konnte am Nachmittag laut Bahn wieder mit verminderter Geschwindigkeit befahren werden. Rechtsrheinisch war der Bereich zwischen Lorch und Kaub betroffen.
"Unwetterpotenzial hoch bis sehr hoch"
Auch in der Nacht und am Samstag sollte das schlechte Wetter weitergehen. "Das Unwetterpotenzial ist leider hoch bis sehr hoch", sagt dazu n-tv Meteorologe Björn Alexander. "Denn je heißer und feuchter die Luft ist, umso mehr Energie hat sich gespeichert und umso heftiger kann es krachen." Laut Alexander drohen von West nach Ost schwere Gewitter mit Starkregen, Hagelschlag und Sturm- bis sogar Orkanböen. "Auch einzelne Tornados sind nicht auszuschließen." Am Sonntag seien die Unwetter dann aber durch, so Alexander.
Nach Auskunft des Blitzforschers Ullrich Finke hat es seit Mai ungewöhnlich viele Gewitter in Deutschland gegeben. Ob diese Häufung auf den Klimawandel zurückgeht, könne man bisher nicht nachweisen, sagte der Physikprofessor von der Hochschule Hannover. Es gebe aber einige Modelle, die dafür sprechen, dass sich durch die globale Erwärmung die Wetterlagen ändern und damit auch häufiger Gewitter in Mitteleuropa auftreten. Allerdings seien die jährlichen Schwankungen hoch.
"Vorhersagen funktionieren schon sehr gut"
Laut Finke ist es jedoch schwer vorherzusagen, ob es künftig mehr Gewitter geben werde. "Es gibt verschiedene Modelle und Szenarien. Es ist auch denkbar, dass es verstärkt schwächere, kurzlebige Sommergewitter ohne Hagel oder Sturmböen gibt", sagt Finke. Das wäre für alle am angenehmsten: "Man bekommt eine Abkühlung, aber das Gewitter bringt keine Schäden mit sich."
"Die Vorhersagen funktionieren schon sehr gut", sagte der Wissenschaftler weiter. Bei einer Gewitterwarnung müsse man sehr aufmerksam sein. "Die Blitzeinschläge können auch eintreten, wenn die Gewitterwolke gar nicht sichtbar ist." Deshalb müsse man jedes Donnergrummeln ernst nehmen. Veranstalter von Open-Air-Festivals sollten Gewitterwarnungen ernst nehmen und auch vor einer Absage nicht zurückschrecken, so Finke.
Anfang Juni hatten Blitzeinschläge beim Festival "Rock am Ring" in Rheinland-Pfalz 71 Menschen verletzt. Viele von ihnen erlitten Verbrennungen oder Herz-Rhythmus-Störungen.