Panorama

80.000 Euro teures Fluxus-WerkSeniorin füllt Kreuzworträtsel-Kunst aus

14.07.2016, 19:19 Uhr
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Für den Schaden am Kunstwerk muss wohl das Neue Museum in Nürnberg aufkommen. (Foto: imago/CTK Photo)

In einem Museum in Nürnberg holt eine 91-jährige Frau einen Kugelschreiber hervor und füllt damit die leeren Flächen in einem ausgestellten Kreuzworträtsel aus. Das Problem: Bei der Collage handelt es sich um ein wertvolles Werk von Künstler Arthur Köpcke.

Eine 91 Jahre alte Frau hat im Neuen Museum in Nürnberg ein ausgestelltes Kreuzworträtsel-Kunstwerk ausgefüllt. Mit einem Kugelschreiber ergänzte sie im Werk des Künstlers Arthur Köpcke mehrere Buchstaben, bestätigte Museumssprecherin Eva Martin. Das Kunstwerk, in dem bereits einige Buchstaben eingetragen sind, ist mit 80.000 Euro versichert. Glücklicherweise lässt sich der Schaden aber wohl leicht wieder beheben.

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Einige "Workshop-Pieces" des deutschen Fluxus-Künstlers Arthur Köpcke. (Foto: picture-alliance / dpa/dpaweb)

Die Seniorin erklärte der Museumsdirektorin, sie habe auf die Aufforderung "Insert words" reagiert, die auf dem collagenhaften Werk zu lesen war. Das Bild zählt zur Kunstrichtung Fluxus - eine avantgardistische Strömung aus den 60er Jahren mit namhaften Vertetern wie Yoko Ono und John Cage. Wie es hieß, war die 91-Jährige mit einer Seniorengruppe in das Museum gekommen. Die Aufforderung von Köpcke habe sie schlichtweg beim Wort genommen. "Wenn der das da reinschreibt, mache ich das", habe die Seniorin gesagt.

Rückendeckung bekam die Frau von den Mitgliedern ihrer Besuchergruppe, wie die Museumssprecherin weiter berichtete. Während jede Schülergruppe wisse, dass Kunstwerke nicht beschriftet werden dürften, hätten sich die Rentner sehr mit der 91-Jährigen solidarisiert. Wenn man die Bilder nicht beschriften dürfte, so das Argument der Gruppe, hätte das Museum doch gefälligst Schilder aufstellen können, die so etwas ganz klar verbieten.

Ist das Kunst oder kann das weg?

Der private Sammler, der dem Museum das Werk zur Verfügung gestellt hat, soll den Zwischenfall nach Angaben des Museums mit Humor genommen haben. Das Kunstwerk wurde zunächst aus der Ausstellung entfernt - eine Restauratorin kümmert sich nun darum, den Urzustand wieder herzustellen. Der Schaden werde wohl nur im Bereich von mehreren Hundert Euro liegen, so die Sprecherin. Zahlen muss ihn wohl das Museum.

Köpcke war 1977 gestorben - und nach seinem Tod auch von Joseph Beuys gewürdigt worden. Beuys machte selbst einige Erfahrungen mit der versehentlichen Beschädigung seiner Kunstwerke. 1973 polierten zwei Frauen bei einer SPD-Feier seine "Badewanne", eine mit Mullbinden, Fett und Pflastern bearbeitete Säuglingswanne. Der Grund: Sie hatten keinen anderen Behälter zum Gläserspülen gefunden. Jahre später entsorgte eine Putzfrau Beuys' "Fettecke" - eine Skulptur aus fünf Kilogramm Markenbutter.

Quelle: ntv.de, jug/AFP

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