Panorama

Minderheitskämpfe in Kamerun Separatisten entführen 79 Schüler

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Kamerunische Polizisten im Einsatz (Archivbild).

(Foto: REUTERS)

Die englischsprachige Bevölkerung in Kamerun fühlt sich von der frankophonen Mehrheit unterdrückt. Im Nordwesten des Landes kämpfen sie mit allen Mitteln für ihre Unabhängigkeit. Eine bewaffnete Miliz entführt nun Dutzende Schüler, um Chaos zu stiften.

Massenentführung im Nordwesten Kameruns: Im englischsprachigen Teil des Landes sind nach Regierungsangaben 79 Schüler und drei Männer gekidnappt worden. Für die Suche nach den Geiseln seien alle verfügbaren Einsatzkräfte mobilisiert worden, hieß es aus Regierungskreisen. In einem Video bekannte sich die Gruppierung "Amba boys" zu der Tat. Sie tritt für eine Abspaltung der Region vom mehrheitlich französischsprachigen Gesamtstaat ein.

Neben den Schülern seien der Direktor der Presbyterian Secondary School in der Regionalhauptstadt Bamenda sowie ein weiterer Lehrer und ein Fahrer von unbekannten Bewaffneten gekidnappt worden. An der Schule lernen laut Website "mehr als 700 Schüler" aller Religionen und Sprachen Kameruns. Offizielle Informationen über das Alter der Schüler gab es zunächst nicht. "Alles was wir wissen, ist, dass es sich bei den entführten Schülern im Wesentlichen um Jungen handelt", sagte eine Quelle aus dem Umfeld der Schule.

Unabhängigkeit von "Ambazonia"

Ein sechsminütiges Video zeigt elf Jungen im Alter von etwa 15 Jahren, die nach eigenen Angaben von den "Amba boys" aus der Schule entführt wurden. Die Gruppe kämpft für die Unabhängigkeit des englischsprachigen Teils Kameruns vom mehrheitlich französischsprachigen Rest des Landes. "Wir werden unsere richtigen Schulen hier eröffnen, wir werden zusammenbleiben und für 'Ambazonia' kämpfen", heißt es in dem Video, dessen Echtheit bisher nicht verifiziert werden konnte.

Im Nordwesten Kameruns kämpfen bewaffnete Gruppen für eine Trennung vom Rest des Landes. Die Unabhängigkeitsbewegung beklagt eine Diskriminierung der Anglophonen durch die Frankophonen in dem Vielvölkerstaat. Sie erklärte am 1. Oktober 2017 symbolisch die Unabhängigkeit des Staates "Ambazonia", nachdem der langjährige kamerunische Staatschef Paul Biya ihre Forderung nach mehr Autonomie zurückgewiesen hatte.

Ausgangssperren angeordnet

Der Präsident reagierte mit aller Härte auf Angriffe durch die Separatisten und ordnete Ausgangssperren, Durchsuchungen und Reisebeschränkungen an. Allein in diesem Jahr wurden nach Angaben von Nichtregierungsorganisationen mindestens 400 Zivilisten und 175 Sicherheitskräfte getötet.

Am Dienstag soll der 85-jährige Biya zu seiner siebten Amtszeit vereidigt werden, nachdem er die Präsidentschaftswahl Anfang Oktober mit deutlicher Mehrheit gewonnen hatte. Die Abstimmung wurde von Wahlbetrugsvorwürfen, niedriger Wahlbeteiligung und Gewalt überschattet.

Massenentführungen von Schülern gehörten bisher nicht zu den Mitteln der Separatisten in Kamerun. Bisher war vor allem die Islamistengruppe Boko Haram für diese Art Kriegsführung bekannt. Im benachbarten Nigeria kämpft die Gruppe seit Jahren gewaltsam für die Errichtung eines islamischen Gottesstaats. Die Islamisten haben ihre Gewalttaten mittlerweile auch auf die Nachbarstaaten Tschad, Kamerun und Niger ausgeweitet.

Rund ein Fünftel von Kameruns 22 Millionen Einwohnern gehört der englischsprachigen Minderheit an. Die deutsche Kolonie Kamerun war nach dem Ersten Weltkrieg zwischen Großbritannien und Frankreich aufgeteilt worden. Nach der Unabhängigkeit Anfang der 60er Jahre wurden beide Teile wieder verschmolzen.

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Quelle: n-tv.de, mba/AFP