Panorama

Vulgäre Worte, Flirt-AtmosphäreSexuelle Schikane im dänischen Rundfunk-Mädchenchor

11.11.2021, 13:31 Uhr
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Der Sender Danmarks Radio (DR) berichtet von über Jahrzehnte andauernden Problemen. (Foto: picture alliance/dpa)

In Dänemark macht die öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt Danmarks Radio Fälle von sexueller Beleidigung rund um seinen Mädchenchor publik. Über Jahrzehnte seien die Chor-Mitglieder sexuellem Fehlverhalten ausgesetzt gewesen, heißt es. Die Rundfunkanstalt entschuldigt sich bei den Betroffenen.

Der Mädchenchor des dänischen Rundfunks ist einer Untersuchung zufolge über Jahrzehnte sexuellen Beleidigungen ausgesetzt gewesen. Zu diesem Schluss kommt eine externe Untersuchung, deren Ergebnisse die öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt Danmarks Radio (DR) veröffentlichte. Demnach wurden Betroffene von der Unternehmensführung damals im Stich gelassen. Der DR Pigekoret besteht aus rund 50 Jugendlichen und jungen Frauen im Alter von 15 bis 22 Jahren. Er tritt sowohl auf Konzerten als auch im Fernsehen und Radio auf.

Die externe Untersuchung einer Anwaltskanzlei war vor rund einem halben Jahr nach Hinweisen zu möglichem zurückliegenden sexuellen Fehlverhalten aufgenommen worden. Der öffentlich-rechtliche Sender hatte die Untersuchung selbst angestoßen. Nach Senderangaben zählten zu den Fällen unter anderem eine vulgäre Wortwahl, eine flirtende und sexualisierte Atmosphäre, ein großer Fokus auf das Äußere und Fälle schweren Mobbings. Grenzen, wie nahe Männer den Chormitgliedern kommen durften, seien überschritten worden. Es habe eine Kultur des Schweigens geherrscht, niemand habe die Verantwortung dafür übernommen, das Verhalten zu stoppen.

Die öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt entschuldigte sich bei den früheren Chormitgliedern. DR teilte weiter mit: Man komme vor dem Hintergrund der Untersuchung zu dem Schluss, dass es damals - auch mit Augen der damaligen Zeit betrachtet - eine völlig inakzeptable Kultur gegeben habe. Es entstehe das Gesamtbild eines Umfeldes, in dem die Grenzen des Normalen verschoben worden seien. Man distanziere sich von dem in Form sexueller Schikane aufgetretenen kränkenden Verhalten, dem die ehemaligen Chormitglieder ausgesetzt gewesen seien, und übernehme die volle Verantwortung. "Entschuldigung, dass der DR euch im Stich gelassen hat", erklärte DR-Generaldirektorin Maria Rørbye Rønn.

Quelle: ntv.de, kst/dpa

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