Panorama

"Keine Fremdenfeindlichkeit"Silvester-Amokfahrer hat Erinnerungslücken

07.06.2019, 15:15 Uhr
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Der Mann verletzte in der Silvesternacht 14 Personen. (Foto: picture alliance/dpa)

In der Silvesternacht fährt ein Mann in Bottrop und Essen mehrere Menschen an - eine Frau wird dabei lebensgefährlich verletzt. Nun muss sich der 50-Jährige vor Gericht verantworten. In seiner ersten Aussage verweist er auf Erinnerungslücken und bestreitet ein mögliches Motiv.

Nach einer laut der Staatsanwaltschaft fremdenfeindlich motivierten Amokfahrt im Ruhrgebiet steht ein psychisch kranker Mann aus Essen seit heute vor Gericht. Der 50-jährige Deutsche soll in der vergangenen Silvesternacht in Bottrop und Essen gezielt auf Menschen zugefahren sein, die aus seiner Sicht einen Migrationshintergrund hatten.

"Er wollte die Personen offensichtlich bewusst überfahren", so die Staatsanwaltschaft. 14 Personen waren verletzt worden, eine Frau schwebte in Lebensgefahr. Dem Angeklagten wird versuchter Mord vorgeworfen. Zum Prozessauftakt hat sich der Autofahrer auf Erinnerungslücken berufen.

"Das war wie ein Sog - wie bei einem Staubsauger", sagt der 50-Jährige vor dem Schwurgericht. "Alles was rechts und links war, habe ich gar nicht mehr wahrgenommen." Als der mutmaßliche Amokfahrer in den Gerichtssaal geführt wird, trifft er erstmals auch wieder auf einige seiner Opfer. Sie sitzen ihm nur wenige Meter gegenüber, doch er scheint sie auch jetzt nicht richtig wahrzunehmen. Worte des Bedauerns findet er zum Prozessauftakt nicht. "Für ihn ist alles wie hinter einem Schleier", hatte sein Verteidiger Andreas Renschler schon vor Prozessbeginn erklärt.

Mann leidet unter Schizophrenie

Seit Jahren leidet der arbeitslose Fensterputzer schon unter paranoider Schizophrenie. Seine Medikamente will er aber immer genommen haben. "Deshalb verstehe ich auch gar nicht, wie es dazu kommen konnte", sagt er den Richtern. "Die Motive seiner Taten begründen sich offenbar in der augenscheinlichen Fremdenfeindlichkeit des Beschuldigten", erklärt die Staatsanwaltschaft. Doch der 50-Jährige wiegelt vor Gericht sofort ab. "Ich habe selbst ausländische Freunde. Ich bin eigentlich nicht so." Nach seiner Festnahme hatte das allerdings noch ganz anders geklungen. Da soll er über Ausländer und Asylbewerber hergezogen sein und auch diesen Satz gesagt haben: "Ich habe aufgeräumt - und elektronisch gefegt." Woran er sich im Prozess allerdings nicht erinnern will.

"In ihm ist kein rechtes Gedankengut", sagt sein Verteidiger am Rande des Prozesses. Sein Mandant sei in seinem Wahn offenbar davon ausgegangen, dass die Ausländer, die er vor sich gesehen habe, gleich einen Anschlag verüben würden. "Das wollte er verhindern." Eine Bestrafung droht dem Fahrer aber nicht. Er gilt als psychisch krank und schuldunfähig. Die Richter müssen jedoch prüfen, ob der Mann aus Essen in der geschlossenen Psychiatrie untergebracht werden muss. Die erste Attacke in der Neujahrsnacht soll sich eine halbe Stunde vor Mitternacht ereignet haben, die letzte eine Dreiviertelstunde später.

Quelle: sgu/dpa

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