Lea-Sophies TodSozialdezernent tritt zurück
Als Lea-Sophie im November 2007 in Schwerin verhungerte, wies der zuständige Sozialdezernent Junghans jede Verantwortung von sich. Nun ist er doch zurückgetreten.
Gut zwei Monate nach dem Hungertod der fünfjährigen Lea-Sophie in Schwerin hat der städtische Sozialdezernent Hermann Junghans (CDU) Konsequenzen aus der heftigen Kritik an seiner Amtsführung gezogen. In einem Brief an die Mitglieder der Schweriner CDU-Fraktion kündigte er seinen Rückzug an. Bereits vor eineinhalb Wochen hatte er die Leitung des Jugendamtes abgeben müssen.
Junghans hatte wiederholt betont, im Jugendamt seien im Fall Lea-Sophie keine Fehler gemacht worden. Diese Äußerungen waren in der Öffentlichkeit und in der Stadtvertretung auf scharfe Kritik gestoßen. Außer der CDU würden alle Fraktionen die Abwahl von Junghans am 28. Januar erwägen, hatte die "Schweriner Volkszeitung" zuvor berichtet.
Die Stadtverwaltung räumte unterdessen erstmals Fehler des Jugendamts ein. Dezernent Wolfram Friedersdorff (Linke) sagte: "An bestimmten Punkten hätte man anders handeln können und müssen". So hätten die Mitarbeiter des Jugendamtes nach Hinweisen des Großvaters zu möglichen Entwicklungsrückständen des Mädchens zu Ende ermitteln müssen. Das sei unterblieben. Lea-Sophie war am 20. November in Schwerin verhungert. Die Eltern sitzen in Untersuchungshaft.
Der Großvater hatte das Jugendamt ein Jahr zuvor um Hilfe gebeten. Mitarbeiter des Amtes schrieben Friedersdorff zufolge Briefe an die Eltern und unterbreiteten Hilfsangebote. Jedoch habe es darauf keine Reaktion gegeben und das Amt habe es damit bewenden lassen, sagte Friedersdorff. Er gab allerdings zu bedenken, dass eine solche Prüfung vielleicht auch ergeben hätte, dass Lea-Sophies Wohl zu dem Zeitpunkt nicht akut gefährdet war. "Die akute Kindswohlgefährdung trat nach meiner Einschätzung wohl nach der Geburt des zweiten Kindes ein", sagte Friedersdorff. Lea-Sophies kleiner Bruder wurde wenige Wochen vor ihrem Tod geboren.
In einem Bericht der Stadtverwaltung wurde im Dezember 2007 festgestellt, dass Lea-Sophie schon seit dem Jahr 2004 immer wieder auffällig geworden war. 2004 habe sie ohne Abmeldung tage- und wochenlang in der Kindertagesstätte gefehlt, die Kita habe dies in einem Bericht festgehalten, diesen aber nicht an das Jugendamt weitergeleitet. Als Lea-Sophie schließlich sechs Wochen lang nicht mehr in die Kita kam, schrieb die Leiterin die Mutter an, erhielt jedoch keine Antwort. Der Kitaplatz wurde daraufhin neu vergeben. Im November 2006, meldete sich Lea-Sophies Großvater aus Sorge beim Jugendamt. Laut Bericht gab er an, Lea-Sophie sei in ihrer körperlichen und sprachlichen Entwicklung gestört. Das Jugendamt schrieb daraufhin zwei Mal die Mutter an und lud sie zu Gesprächen, zu denen sie nicht erschien. "Weitere Veranlassungen durch das Jugendamt wurden nicht durchgeführt", heißt es in dem Bericht. Im Juni meldete sich die Großmutter des Mädchens, die selbst in der Stadtverwaltung arbeite, beim Jugendamt und wies auf die Missstände in Lea-Sophies Familie hin.