Petau Stundenbuch versteigertSpitzenpreis für mittelalterliche Handschrift

Sogenannte Stundenbücher waren im Mittelalter in wohlhabenden Familien hoch geschätzt. Eines der bemerkenswertesten Exemplare hat nun den Besitzer gewechselt, für einen ebenso bemerkenswerten Preis.
Eine mittelalterliche Handschrift hat bei einer Versteigerung in Frankreich knapp 4,3 Millionen Euro eingebracht. Das als Kopenhagener bzw. Petau Stundenbuch bekannte Werk von etwa 1495 erzielte damit rund das Sechsfache seines Schätzwertes, wie das Auktionshaus Drouot in Paris mitteilte. Es handele sich um ein Werk von "außergewöhnlicher Meisterschaft".
Die lateinische Handschrift ist nach der bretonischen Petau-Familie benannt. Die Petaus machten sich als Sammler von Büchern und Manuskripten im 16. und 17. Jahrhundert einen Namen und waren die Erstbesitzer des Buches. Es beinhaltet 16 handgemalte bunte Medaillons auf Pergament in Goldabstufungen, die dem Künstler Jean Poyer in der Zeit seines Schaffens zwischen 1490 und 1520 zugerechnet werden. Dazu eine weitere Komposition aus dem 17. Jahrhundert rund um das erste Medaillon. Stundenbücher entstanden aus der Praxis der acht Stundengebete, die zunächst nur vom Klerus praktiziert wurden. Die Bücher fassten die notwendigen Texte in einer übersichtlichen Reihenfolge zusammen und machten sie so auch Laien zugänglich.
Die aufwändig gestalteten Werke wurden in wohlhabenden Familien aber nicht nur zur Andacht verwendet, sondern auch als Geschenke und Erbstücke geschätzt. Das Kopenhagener Stundenbuch ist nahezu einzigartig in seinem Layout: In der Mitte sind die einzelnen Pergamentblätter rautenförmig ausgeschnitten und geben wie durch ein Guckloch den Blick auf jeweils eines der Medaillons frei.