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Geburtenrate könnte steigen Statistiker melden Baby-Boom

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(Foto: picture alliance / dpa)

Weniger Mütter bringen mehr Kinder zur Welt - auf diesen Trend verweisen vorläufige Zahlen des Statistischen Bundesamts. Demnach steigt die Zahl der Geburten ungewöhnlich stark. Das Familienministerium schreibt sich dies bereits als Erfolg zu. Das jedoch belegen die Zahlen zumindest bislang nicht.

In Deutschland sind in den ersten neun Monaten des laufenden Jahres fast 20.000 Babys mehr auf die Welt gekommen als im Vergleichszeitraum 2009. Das berichtet die "Süddeutsche Zeitung" unter Berufung auf vorläufige Zahlen des Statistischen Bundesamtes.

Die Geburten entsprechen einem Plus von 3,6 Prozent. Zwar sagen diese Zahlen noch nichts über die endgültige Entwicklung aus, weil sie nur vorläufig sind und das vierte Quartal nicht erfassen. Andererseits war ein derart großer Zuwachs laut SZ im gesamten vergangenen Jahrzehnt nicht feststellbar.

Insgesamt kamen dem Bericht zufolge von Januar bis September etwa 510.000 Kinder zur Welt. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres waren es nur 492.000 Kinder gewesen. Im gesamten Jahr 2009 waren 665.126 Kinder in Deutschland zur Welt gekommen, der niedrigste Wert seit 1950. 2008 waren es noch rund 17.000 Kinder mehr gewesen, im Geburten-Rekordjahr 1964 waren es 1.357.304.

Die SZ schreibt, der vorläufig gemessene Anstieg könne unter zwei Bedingungen zu einer deutlich höheren Geburtenrate führen. Erstens müsse der Trend der ersten neun Monate des Jahres 2010 im verbleibenden Vierteljahr stabil bleiben. Zweitens handele es sich bei den Zahlen um "vorläufige Angaben" des Statistischen Bundesamtes, die noch nach oben oder unten korrigiert werden könnten. Allerdings habe sich in den vergangenen Jahren gezeigt, dass diese Daten die endgültigen Aufwärts- oder Abwärtstrends der Geburtenzahlen relativ gut wiedergeben.

Weniger potenzielle Mütter, mehr Kinder

Erstaunlich sei der sich abzeichnende Geburtenzuwachs, weil die Zahl der potenziellen Mütter seit langem kontinuierlich sinke. Jedes Jahr gehören etwa 300.000 Frauen weniger zur Gruppe der 15- bis 45-Jährigen, die aufgrund ihres Alters überhaupt Kinder bekommen können. Sollte die Geburtenrate dennoch steigen, würde das auf zwei gegenläufige Trends verweisen: Es gebe zwar weiterhin weniger potenzielle Mütter, doch die bekommen mehr Kinder.

Die "Süddeutsche Zeitung" spekuliert, dies werde, falls sich das Wachstum als stabil erweise, "die Geburtenrate deutlich nach oben treiben". Das Bundesfamilienministerium rechnet sich den Trend bereits als Erfolg zu. Zwar wolle man dort die neuen Zahlen noch nicht kommentieren, so die SZ. Eine Sprecherin verwies jedoch auf aktuelle Studien, wonach 2010 der Kinderwunsch wieder deutlich gestiegen sei. "Dies ist ein positives Signal", sagte sie, "wir sind mit unseren Familienleistungen, speziell mit dem Elterngeld und dem Ausbau der Kinderbetreuung auf dem richtigen Weg."

Dagegen verweist der "Spiegel" darauf, dass Experten den Sinn des Elterngeldes bezweifeln. Tatsächlich stieg die Geburtenrate 2007, dem Jahr der Einführung des Elterngelds, leicht von 1,33 auf 1,37 Kinder pro Frau an. Nachhaltig war das jedoch nicht. Bereits 2009 sank die Geburtenrate wieder.

Quelle: n-tv.de, hvo/dpa

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