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Autorin von "Nirgendwo in Afrika" Stefanie Zweig ist tot

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Stefanie Zweig wurde 81 Jahre alt.

Ihre Afrika-Romane machten Stefanie Zweig bekannt, vor allem ihre autobiographischen Erzählungen. Darin verarbeitet sie das Schicksal ihrer verfolgten Familie. Nun stirbt die Bestsellerautorin im Alter von 81 Jahren.

Afrika hat Stefanie Zweig berühmt gemacht, allein darauf reduziert werden wollte die Bestsellerautorin aber nicht. Dabei war der Kontinent nicht nur ein zentrales Thema ihrer literarischen Werke, sondern gleichzeitig auch ein großer Teil ihres privaten Lebensweges: Während ihrer Kindheit verbrachte Zweig fast zehn Jahre in Kenia.

Ihr Roman "Nirgendwo in Afrika" wurde 1995 zum Welterfolg. Für die gleichnamige Verfilmung bekam Regisseurin Caroline Link sogar einen Oscar als "Bester fremdsprachiger Film". "Die Afrika-Sehnsucht der Deutschen ist ungeheuer groß", erklärte sich Zweig vor einigen Jahren den Erfolg ihres Buchs. Ihr war wichtig, dass es in ihren Kenia-Büchern vor allem auch um das Emigranten-Schicksal ihrer Familie geht. Denn: "Es macht mich ein bisschen traurig, wenn man mich auf Afrika reduziert", sagte sie damals.

"Du brauchst jetzt gute Nerven"

Die jüdische Familie Zweig flüchtete Anfang 1938 aus dem oberschlesischen Leobschütz - heute Glubczyce in Polen - vor dem Nazi-Terror nach Ostafrika. In Kenia bewirtschaftete sie mit viel Mühe eine Farm. Die kleine Tochter Stefanie verfiel schnell dem Zauber des Kontinents und seiner Menschen und freundete sich mit dem schwarzen Koch der Familie, Owuor, an. Nach der Rückkehr der Familie nach Deutschland im Jahr 1974, ließ sich Vater Walter Zweig in der Frankfurter Rothschildallee nieder und wurde Richter, später Anwalt.

Stefanie hingegen schlug nach dem Abitur 1953 zunächst eine Karriere im Journalismus ein und arbeitete bei der Frankfurter "Abendpost-Nachtausgabe", deren Feuilletonressort sie später jahrelang leitete. In dieser Zeit schrieb Zweig erste Kinderbücher. Als die Zeitung Ende der 1980er Jahre eingestellt wurde, entschloss sie sich dazu, ihre Erinnerungen und Eindrücke aus der Kindheit niederzuschreiben. Auch der Rat ihres Bruders konnte sie davon nicht abhalten. "Du wirst es nicht aushalten, wenn Du keinen Verlag findest", meinte er.

Aber tatsächlich trotzte Zweig ihren Skeptikern: Innerhalb von zehn Tagen verkaufte sie ihr Manuskript an den ersten Verlag. Mit dem Satz: "Meine liebe Jettel! Hol Dir erst mal ein Taschentuch, und setz Dich ganz ruhig hin. Du brauchst jetzt gute Nerven", beginnt ihr Roman "Nirgendwo in Afrika" und damit auch für die Autorin der große Durchbruch. Ein Jahr später, 1996, folgte die Fortsetzung "Irgendwo in Deutschland". Das Buch spielt in Zweigs Haus in der Rothschildallee und handelt von einer jüdischen Familie, die ihr Exil in Kenia beendet und im Nachkriegsdeutschland ankommt. Nach zahlreichen weiteren Veröffentlichungen, erschienen zuletzt im Jahr 2012 Zweigs Lebenserinnerungen unter dem Titel "Nirgendwo war Heimat: Mein Leben auf zwei Kontinenten".

Selbst ihre größte Kritikerin

Im Laufe ihres Lebens kehrte Zweig einige Male nach Afrika zurück, bekannte aber zu ihrem 80. Geburtstag 2012, die Reise sei ihr inzwischen zu anstrengend und Afrika auch zu gefährlich geworden. Im vergangenen Jahr trafen die Bestsellerautorin dann zwei Schicksalsschläge. Zunächst verstarb ihr langjähriger Lebenspartner, dann erkrankte Zweig selbst schwer.

Daraufhin entschloss sich die Schriftstellerin, die Arbeit an einem neuen Roman temporär zu unterbrechen, aufgrund ihrer gesundheitlichen Situation war es ihr jedoch auch später nicht möglich, diese fortzusetzen. Auch ihre Kolumnen für die "Frankfurter Neue Presse" konnte die sonst akribisch arbeitende Autorin nicht mehr schreiben. Ihr Neffe Walter Zweig erzählt: "Sie war selbst ihr größter Kritiker". Nach kurzer, schwerer Krankheit ist Zweig nun am vergangenen Freitag im Alter von 81 Jahren in Frankfurt gestorben.

Quelle: n-tv.de, lou/dpa

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