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Keine Wirkung auf Inzidenz Studie hält Ausgangssperren für "nicht effektiv"

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Städte wie Köln setzen derzeit auf Ausgangbeschränkungen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Zu den Maßnahmen des überarbeiteten Infektionsschutzgesetzes gehören nächtliche Ausgangssperren. Die sind durchaus umstritten und möglicherweise auch deutlich weniger wirksam, als angenommen. Diesen Schluss legt eine Untersuchung von Gießener Forschern nahe.

Das gerade verabschiedete Infektionsschutzgesetz sieht auch nächtliche Ausgangssperren vor. Sie sollen in Kreisen oder kreisfreien Städten zwischen 22 Uhr und 5 Uhr verhängt werden, in denen die Inzidenz sieben Tage lang über dem Wert von 100 lag. Mehrere Kommunen und Landkreise haben in der Vergangenheit bereits zu diesem Mittel gegriffen, um die Infektionszahlen in den Griff zu bekommen.

Forscher der Universität Gießen haben nun untersucht, wie sich Ausgangssperren bisher auf das Infektionsgeschehen ausgewirkt haben, und kommen zu eher ernüchternden Ergebnissen. "Unsere Ergebnisse legen nahe, dass nächtliche Ausgangssperren keine effektive Maßnahme zur Eindämmung der Virusübertragung sind, wenn andere nicht-pharmakologische Interventionen bereits eingeführt wurden", lautet das Fazit der Autoren in einer vorläufigen Veröffentlichung.

Die Wissenschaftler bezogen sich bei ihrer Untersuchung auf Daten aus Hessen. In 15 der 26 hessischen Landkreisen galten zwischen dem 18. November 2020 und dem 28. Februar 2021 zeitweise nächtliche Ausgangssperren. Die durchschnittliche Dauer lag bei 28 Tagen. Die entsprechenden Sieben-Tage-Inzidenzen der Kreise stammen aus Daten des Robert-Koch-Instituts (RKI). Verglichen wurde die Entwicklung der Inzidenzen von Kreisen und kreisfreien Städten, in denen Ausgangssperren verhängt wurden, mit denen, in denen es keine Ausgangsbeschränkungen gab. Den vorläufigen Studienergebnissen zufolge war ein Effekt auf die Inzidenz jedoch nicht nachzuweisen.

Weniger Mobilität?

In einigen Kreisen war die Ausgangssperre mit weiteren Maßnahmen verbunden, beispielsweise wurde der Bewegungsradius der Einwohner begrenzt oder Individualsport in Innenräumen verboten. In diesen Fällen waren die Auswirkungen der einzelnen Regeln für die Forscher nicht voneinander zu trennen. Deshalb habe man dann den Effekt des gesamten Maßnahmenbündels untersucht, heißt es von den Autoren. Das Ergebnis, das kein signifikanter Effekt erzielt worden sei, gelte in diesen Fällen für das gesamte Maßnahmenbündel.

Hinter der Idee von Ausgangssperren steht die Auffassung, dass damit nicht nur nächtliche Begegnungen unterbunden werden, sondern auch die Mobilität gesenkt wird. Allerdings zogen Forscher des Robert-Koch-Instituts und der Humboldt Universität auch diesen Ansatz in Zweifel, weil die Mobilität in der Zeit zwischen 22 Uhr und 5 Uhr ohnehin gering sei.

Quelle: ntv.de, sba

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