Anschläge vor mehr als 50 JahrenSüdtiroler "Puschtra Buib" wird begnadigt

In den 1960er-Jahren kommt es in Südtirol immer wieder zu Anschlägen. Einer, der daran beteiligt war und verurteilt wurde, lebt seit Jahrzehnten in Deutschland. Nun begnadigt Italien den mittlerweile 80-jährigen Heinrich Oberleiter und gibt ihm die Möglichkeit zur Rückkehr in die Heimat.
Der italienische Staatspräsident Sergio Mattarella hat einen Südtiroler Aktivisten nach einem halben Jahrhundert begnadigt. Das gab der Quirinalspalast des Präsidenten in Rom bekannt. Der heute 80 Jahre alte Heinrich Oberleiter war in den 1960er Jahren an Bombenanschlägen in Südtirol beteiligt, für die er 1971 in Abwesenheit zu lebenslanger Haft verurteilt wurde. Oberleiter war Teil einer Gruppe aus dem Pustertal ("Puschtra Buibm") und flüchtete in Ausland. Er lebt seitdem in Unterfranken in Bayern, kann nach der Begnadigung aber nun wieder in seine Heimat zurückkehren.
Die Kinder des Mannes hatten 2018 ein Gnadengesuch an Mattarella geschickt. Dieser begründete seine Entscheidung unter anderem damit, dass an den "kriminellen Handlungen", an denen Oberleiter beteiligt war, niemand gestorben sei, dass Oberleiter Reue zeige und sich auch die zuständige Staatsanwaltschaft in Brescia für eine Begnadigung ausspreche. Der Südtiroler Landeshauptmann Arno Kompatscher sprach von einem "Akt der Großherzigkeit".
Südtirol hatte nach dem Zweiten Weltkrieg um seine Unabhängigkeit und Autonomie gekämpft. Neben diplomatischen Bemühungen kam es auch zu gewalttätigen Aktionen vor allem gegen italienische Einrichtungen oder die Infrastruktur, Strommasten oder Denkmäler wurden gesprengt. Im Gedächtnis geblieben ist die sogenannte Feuernacht von 1961, in der die Aktivisten Dutzende Strommästen sprengten. Auch Oberleiter war dabei.
Oberleiter fühlte sich benachteiligt
Gegenüber dem Bayerischen Rundfunk schilderte Oberleiter in einem Gespräch, dass man sich "zurückgesetzt" und "benachteiligt" gefühlt habe. Nach dem 1. Weltkrieg war Südtirol als Kriegsbeute an Italien gefallen. In Schulen durfte lange Zeit kein Deutsch gesprochen werden, ein Teil der Italienisierungspolitik unter Mussolini, die lange Gesetz blieb.
Oberleiter und den anderen Männern seiner Gruppe wurde einst auch der Mord an einem Carabiniere 1964 zugeschrieben. Erst später wurden sie durch neue Zeugenaussagen entlastet. Oberleiter ist der erste der drei noch im Exil lebenden "Puschtra Buibm", der begnadigt wurde.