Panorama

Tornado und Regengüsse möglich Superzellen mit Unwetter lösen die Hitze ab

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In Norddeutschland droht eine Unwetterfront mit viel Regen.

(Foto: picture alliance / Ingo Wagner/d)

Klimatisch ist Deutschland momentan zweigeteilt mit Hitzerekorden im Südwesten und wesentlich kühleren Temperaturen im Norden. Ab Donnerstag ändert sich die Wetterlage allerdings. Tief "Paul" kündigt sich mit einer schweren Unwetterfront an.

Vor allem im Süden und Westen Deutschlands ist es sehr heiß. Wie lange bleibt die Hitze dort?

Langsam steuern wir auf den Höhepunkt zu. Heute werden Spitzen bis 36 Grad an Mosel, Saar und Rhein erwartet. Am Donnerstag dort lokal bis zu 38 Grad. Und damit wackeln die Hitzerekorde. Beispielsweise der Junirekord in Trier, der erst gestern auf 35,8 Grad geschraubt wurde und morgen wahrscheinlich bereits wieder geknackt wird. 

So unerträglich ist es aber nicht überall.

So ist es. Der Norden merkt davon nichts. Im Gegenteil: Vom Emsland über Schleswig-Holstein bis in den Raum Hamburg und weiter nach Mecklenburg Vorpommern liegen die Höchstwerte heute - am kalendarischen Sommerbeginn - um oder knapp unter 20 Grad. Und damit bestenfalls im Normalbereich, wenn nicht sogar leicht darunter. Dabei ist das Gewitterrisiko zunächst noch gering und auf die Berge im Süden konzentriert. Am Donnerstag wird sich das aber grundlegend ändern. 

Worauf müssen wir uns einstellen?

Am Donnerstag stellt sich eine ungewöhnliche und - vor allem für die Nordhälfte Deutschlands - sehr gefährliche Wetterlage ein. Schon seit gestern hat sich die über Spanien liegende extrem heiße Luft über Frankreich ausgedehnt und brachte auch dort Spitzen bis knapp 40 Grad, selbst in Nordfrankreich (Bretagne) bis 35 Grad. Diese heiße und ehemals trockene Luft hat in den letzten Tagen Feuchtigkeit aufgenommen und dieses energiereiche Gesamtpaket wird jetzt durch Tief "Paul" mit auffrischenden Westwinden nach Deutschland transportiert. 

Welche Gefahren drohen?

Schon in der Früh einzelne Gewitter und kräftige Regengüsse im Nordseeumfeld, die rasch landeinwärts ziehen. Danach setzt sich auch im Norden in der schwülwarmen Luft nochmals die Sonne durch. Nachmittags wird das Ganze mit Annäherung der Kaltfront gezündet - und entlädt sich dann wahrscheinlich in Gewitterlinien. 

Was bedeutet das konkret?

Es drohen Superzellen - also große Gewitterkomplexe - mit Gefahr von großem Hagel, Böen bis Orkanstärke, heftige Platzregen (mit zum Teil mehr als 30 Liter pro Stunde) und auch das Tornadorisiko ist deutlich erhöht. 

Wie wird der Hitzetag im übrigen Land?

Die Mitte und der Süden starten nach einer teilweise tropischen Nacht (also mit Tiefstwerten nicht unter 20 Grad) zunächst schöner. Ab dem Mittag bilden sich dann aber auch dort stellenweise kräftige Gewitter. Zuvor steigen die Temperaturen verbreitet auf 30 bis 35, im Südwesten wie gesagt sogar auf bis zu 38 Grad. An der See werden es vergleichsweise frische 22 bis 26 Grad. 

Und dann ist die Hitze vorbei?

Der n-tv Wetterexperte Björn Alexander

n-tv-Meteorologe Björn Alexander.

Ab Freitag setzt sich die kühlere und trockenere Luft mehr und mehr durch und bringt in der Nordhälfte Höchstwerte von 18 bis 26 Grad. Weiter südwärts werden es aber am Freitag immer noch hochsommerliche 27 bis 35 Grad mit viel Sonne, bevor sich nachmittags und abends Regengüsse sowie Blitz und Donner bilden.  

Wie sind die Trends für das Wochenende?

Im Norden weiterhin windig mit einzelnen Schauern bei 18 bis 22 Grad. In der Mitte freundlich und trocken bei 23 bis 27 Grad. Im Süden oft sonnig und nur lokale Gewitter überm Bergland. Dabei dort am Samstag noch 28 bis 33, am Sonntag 27 bis 31 Grad. Die große Hitze legt also eine Pause ein und wir bekommen insgesamt eher normal temperiertes Sommerwetter, bei dem nur die Nordlichter etwas unterm Durchschnitt liegen. 

Hat der Sommer angesichts dieser teilweise extremen Hitze eigentlich bereits jetzt schon sein Pulver verschossen?

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Für die Natur wäre Regen gut.

(Foto: picture alliance / Roland Weihra)

Nach jetzigem Stand gibt es in der nächsten Woche (Montag und Dienstag) ein letztes Aufflackern der schwülen Hitze. Anschließend deuten die Wettermodelle eine nachhaltige Wetterumstellung in Richtung wechselhafter und kühler an.  

Ist dann nicht auch irgendwann Siebenschläfer?

Ja. Und ausgerechnet danach könnte sich der Sommer dann tatsächlich eine Auszeit nehmen. Allerdings betrachtet man ja für die Weichenstellung den Zeitraum bis in die ersten Julitage hinein. 

Es besteht noch Hoffnung?

Auf jeden Fall. Und zumindest der Natur würde Regen jetzt auch wirklich mal gut tun. Besonders in den westlichen Landesteilen hat sich nämlich in den letzten sechs Monaten ein beachtliches Regendefizit angesammelt. Es fehlen - im Vergleich zum langjährigen Normalniederschlag - rund 200 Liter pro Quadratmeter. 

Quelle: ntv.de

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