Panorama

Wie sicher sind Ägyptens Flughäfen? Touristen bemängeln laxe Kontrollen

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Erst nach dem Absturz des russischen Ferienfliegers über dem Sinai wurden die Kontrollen verschärft.

(Foto: dpa)

Hätte der Absturz von Flug 9268 über dem Sinai verhindert werden können? Touristen und Sicherheitsexperten sind sich sicher: Einen Sprengsatz an Bord zu schmuggeln wäre nicht schwierig gewesen.

Nach dem Flugzeugabsturz in Ägypten berichten Reisende von haarsträubenden Sicherheitslücken an den Airports des Landes. Konnte deshalb eine Bombe an Bord geschmuggelt werden? Geöffnete Wasserflaschen oder Glasbehälter könnten den Fluggästen zufolge ohne weiteres im Handgepäck mit an Bord genommen werden. Nicht alle, bei denen der Metalldetektor piept, würden abgetastet. "Jeder der will, kann etwas reinschmuggeln", sagte ein Sicherheitsexperte.

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Die Wrackteile der abgestürzten Passagiermaschine waren kilometerweit verstreut.

(Foto: dpa)

Die Geschichten, die nach dem Absturz des in Ägypten gestarteten russischen Ferienfliegers über der Sinai-Halbinsel kursieren, werfen kein gutes Licht auf die Flugsicherheit im Land. Hinweise, vor allem von westlichen Geheimdiensten, machen eine Bombe an Bord immer wahrscheinlicher. Zuletzt wollte auch die russische Regierung nicht mehr ausschließen, dass es sich bei dem Absturz von Flug 9268 um einen Terrorakt handelt.

Haben die dürftigen Kontrollen am Flughafen des Badeorts Scharm el Scheich die Katastrophe mit 224 Toten begünstigt? Es ist von Zuständen die Rede, bei denen auf europäischen Flughäfen alle Alarmglocken läuten würden. Eine Urlauberin aus der Schweiz berichtet, bei ihren Flügen von Kairo nach Scharm el Scheich und zurück hätte der Metalldetektor beim Durchgehen beide Male gepiept. "Ich wurde nicht abgetastet", sagt sie. Ein Journalist berichtet, wie ein Polizist auf dem Kairoer Flughafen seine Dienstwaffe in der Toilette auf eine Ablage hinter sich gelegt habe, um sich zu waschen. "Als ob die wollen, dass sie jemand greift."

Schlechte Ausbildung, keine Disziplin

Am internationalen Flughafen in Kairo gibt es neben der recht oberflächlichen Kontrolle am Eingang der Terminals eine zweite direkt am Gate. Ein Entwicklungshelfer erzählt, bei seinem Flug nach Uganda hätten viele Passagiere schon am Gate gesessen, bevor die Flughafenmitarbeiter überhaupt anwesend waren. Als diese später die Fluggäste gebeten hätten, den Bereich für die Kontrolle zu verlassen, seien etwa zehn Reisende sitzen geblieben. Sie konnten ohne den Sicherheitscheck in die Maschine steigen.

Das größte Risiko sieht Stephan Roll, Ägypten-Experte der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP), beim Personal. Es sei vergleichsweise einfach, verbotene Gegenstände ins Flugzeug zu bekommen. "Wenn man will, findet man immer jemanden, den man schmieren kann", sagt Roll - ob nun Arbeiter im Flughafengebäude, auf dem Rollfeld oder in der Gepäckverladung. Dies liege vor allem an der prekären wirtschaftlichen Situation in Ägypten und der schlechten Bezahlung von Angestellten und Sicherheitskräften.

Zudem seien Polizisten in Ägypten, die auch an Flughäfen eingesetzt werden, oft schlecht ausgebildet und ausgerüstet. Es fehle an Disziplin. "Grundsätzlich sind es unmotivierte und schlecht geschulte Polizisten und Armeeangehörige, die sensible Objekte bewachen", erklärte der Sicherheitsexperte. Das nationale Luftfahrtministerium dagegen betonte, die Airports im Land würden internationalen Sicherheitsstandards genügen.

Nach dem Absturz scheinen die Behörden die Kontrollen jetzt zumindest vorläufig verschärft zu haben: Einige Tage nach der Tragödie mussten Passagiere in Scharm el Scheich Schuhe und Gürtel ausziehen. Durchgelassen wurden sie erst, wenn der Metalldetektor stumm blieb. Ein Mitarbeiter tastete sie zusätzlich ab.

Quelle: ntv.de, jug/dpa/AFP

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