Panorama

Tödliche Flut in Indonesien Tsunami brach ohne Vorwarnung herein

Ohne Vorwarnung bricht ein Tsunami über die indonesischen Küstengebiete der Inseln Java und Sumatra herein. Stunden später zählen die Behörden weit mehr als 200 Todesopfer. Hunderte weitere Menschen sind verletzt oder gelten als vermisst.

Bei einer neuerlichen Tsunami-Katastrophe in Indonesien sind mindestens 222 Menschen ums Leben gekommen. Mindestens 843 Menschen seien verletzt worden, als die Flutwellen am Samstagabend indonesischer Ortszeit ohne Vorwarnung über bei Touristen beliebte Küstenregionen an der Meerenge von Sunda hereinbrachen, teilte die Katastrophenschutzbehörde mit. Knapp 30 Menschen würden noch vermisst. Es sei davon auszugehen, dass die Zahl der Toten weiter steigen werde.

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Der Katastrophenschutz vermutet, dass der Tsunami durch einen Unterwasser-Erdrutsch im Meer nach einem Ausbruch des Vulkans Anak Krakatau ausgelöst wurde. Verstärkt worden seien die Flutwellen zusätzlich, weil zu dem Zeitpunkt eine ungewöhnlich starke Flut geherrscht habe. Es habe keine Alarmzeichen wie etwa ein Erdbeben gegeben, sagte ein Sprecher des Katastrophenschutzes. Auch sei die Eruption des Anak Krakatau nicht besonders groß gewesen. Es habe keine "signifikanten" seismischen Erschütterungen gegeben, die auf einen Tsunami hingedeutet hätten.

Der Tsunami war über mehrere Küstengebiete der Inseln Java und Sumatra hereingebrochen. Betroffen sind unter anderem die beliebten Urlaubsorte Pandeglang, Serang und Süd-Lampung. Hunderte Häuser entlang der Meerenge von Sunda wurden zerstört oder schwer beschädigt. Tausende Menschen mussten sich in höher gelegene Gebiete in Sicherheit bringen.

Deutsche Staatsbürger kamen nach ersten Erkenntnissen des Auswärtigen Amtes nicht zu Schaden. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Bundeskanzlerin Angela Merkel sprachen dem indonesischen Präsidenten Joko Widodo ihr Beileid aus. Hilfsorganisationen stellten Nothilfen bereit und riefen zu Spenden auf.

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Indonesische Soldaten bringen die Leiche eines Tsunami-Opfers weg.

(Foto: AP)

Rettungskräfte durchkämmten am Sonntag weiter Schuttberge nach Überlebenden. Die Bergungsarbeiten gestalten sich allerdings schwierig, da viele Straßen durch Trümmer, umgestürzte Bäume und weggespülte Autos blockiert waren. Es seien noch nicht alle Opfer geborgen, erklärte der Katastrophenschutz. Es lägen noch nicht alle Daten vor. Von den Internationalen Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften hieß es, man bereite sich auf die mögliche Ausbreitung von Krankheiten vor.

Auf Fernsehbildern war eine Flutwelle zu sehen, die eine ineinander verkeilte Masse von Metalldächern, Holz, Schutt und sonstigem Treibgut vom beliebten Carita Strand ins Hinterland drückte. Ein anderes Video zeigte eine Wasserwand, die von hinten in eine Konzertbühne der Popband Seventeen krachte, die Band von der Bühne schleuderte und sich ins Publikum ergoss. Frontmann Riefian Fajarsyah teilte wenig später auf Instagram mit, dass der Bassist und der Road Manager der Band getötet worden seien und seine Frau vermisst werde.

Der Inselstaat Indonesien wird immer wieder von tödlichen Tsunami-Flutwellen heimgesucht. Diese entstehen in der Regel durch Erdbeben unter dem Meeresboden. Dass sie durch Vulkanausbrüche und Erdrutsche ausgelöst werden, ist eher selten.

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Mit Leichtigkeit hat der Tsunami Autos weggespült und Häuser zerstört.

(Foto: imago/Xinhua)

Bei einem schweren Beben und einem anschließenden Tsunami kamen erst Ende September auf der indonesischen Insel Sulawesi mehr als 2000 Menschen ums Leben. Besonders verheerend war ein Tsunami an Weihnachten 2004: Damals starben in den Anrainerstaaten um den Indischen Ozean rund 220.000 Menschen, allein 168.000 davon in Indonesien. Ausgelöst worden war diese Katastrophe durch ein Seebeben der Stärke 9,1 vor der Küste von Sumatra.

Quelle: n-tv.de, chr/rts/AFP

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