Panorama

Ansteckungsrisiken minimieren Umweltbundesamt akzeptiert Heizpilz-Einsatz

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Der Einsatz von Heizpilzen ist für das UBA eine Abwägungsfrage.

(Foto: imago images/Müller-Stauffenberg)

Das Umweltbundesamt sieht elektrische Heizpilze grundsätzlich überaus kritisch. In der Corona-Krise könnten die Luftverschmutzer aber ein Kurzzeit-Comeback feiern, um das Ansteckungsrisiko in der Gastronomie zu verringern. Manche Einkaufspraktiken bereiten dagegen Kopfschmerzen.

Der Präsident des Umweltbundesamts, Dirk Messner, hat keine Einwände, sollte die Gastronomie wegen der Corona-Krise im Winter vorübergehend elektrische Heizstrahler einsetzen. "Für eine Übergangszeit - etwa bis es einen Corona-Impfstoff für die breite Bevölkerung gibt - ist der Einsatz von Heizpilzen vertretbar", sagte Messner den Zeitungen der Funke Mediengruppe. "Wir müssen abwägen: Gehen wir in die Lokale und vergrößern das Risiko einer Ansteckung? Oder bleiben wir länger draußen, als wir das normalerweise könnten, und nehmen die elektrischen Heizstrahler?"

Grundsätzlich sehe das Umweltbundesamt solche Heizpilze allerdings kritisch, betonte Messner. "Ein handelsüblicher Heizpilz verursacht in acht Stunden Betrieb dieselbe Menge CO2 wie ein Benzinauto auf einer Strecke von 145 Kilometern. Daher sollten wir uns grundsätzlich aus dieser Technologie verabschieden." Sorge bereite ihm, "wenn Gastronomen jetzt massenweise Heizstrahler kaufen, die noch zehn Jahre genutzt werden - obwohl die Pandemie längst vorbei ist".

"Unglaubliche Chance"

Gleichzeitig hält UBA-Chef Messner die Corona-Krise für eine "unglaubliche Chance" für den Umstieg auf klimafreundliche Technologien. Europa investiere zusätzlich 750 Milliarden Euro in die Wirtschaft, sagte er. "Wenn wir das in Zukunftsinvestitionen stecken, können wir in der Krise den Übergang zur Klimaverträglichkeit beschleunigen: erneuerbare Energien voranbringen, Ladeinfrastrukturen für Elektromobilität ausbauen, Gebäude sanieren, Wasserstoffwirtschaft aufbauen", erklärte Messner. "Corona kann zum Sprungbrett werden für mehr Klimaschutz und Beschäftigung."

Der UBA-Präsident nahm in dem Gespräch bereits die Ergebnisse einer Studie seiner Behörde über die Nachhaltigkeit der weltweiten Programme zum wirtschaftlichen Wiederaufbau vorweg, die kommende Woche veröffentlicht werden soll. Das Ergebnis, das sich aus 120 Berichten nationaler und internationaler Institutionen ableiten lasse, sei "ermutigend", sagte Messner. "Der Klimaschutz steht fast überall im Zentrum der Wiederaufbauprogramme. Das Leitbild nachhaltiger Modernisierung wird mittlerweile akzeptiert."

Der Präsident des Umweltbundesamts kritisierte allerdings den von der Bundesregierung beschlossenen Einstiegspreis für emittiertes CO2 von 25 Euro pro Tonne als zu gering. "Da ist noch Luft nach oben. In Schweden sind es 100 Euro - und siehe da: Die Wirtschaft steht noch. Wir können Klimaschutz und Wohlstand auch in Deutschland zusammenbringen." Der Autoindustrie sei inzwischen klar, dass sie aus den fossilen Energien rausmüsse. "VW-Chef Herbert Diess hat sich kürzlich für einen Preis von 60 Euro pro Tonne CO2 ausgesprochen - weil das die Elektromobilität nach vorne bringt."

Quelle: ntv.de, chr