Panorama

Zehn Jahre Haft Vater lässt Sohn in "Glutofen" sterben

df61361b508013cc465a8b93c644353c.jpg

Weder das Jugendamt noch das soziale Umfeld reagierten auf die Alarmsignale.

(Foto: dpa)

Ganze 18 Stunden lang sperrt ein Vater seinen Sohn in dessen Kinderzimmer ein - bei 35 Grad Zimmertemperatur. Der Zweijährige stirbt qualvoll in dem "Glutofen". Sein Vater wird nun zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt.

Im Kinderzimmer herrschten 35 Grad, die Türklinke war abmontiert: Nach dem Hitzetod eines zweijährigen Jungen aus Essen ist der Vater des Kindes nun zu zehn Jahren Haft verurteilt worden. Der 32-jährige Deutsche hatte seinen Sohn am Abend des 26. Juli 2019 in dessen Zimmer gesperrt und rund 18 Stunden lang nicht mehr nach ihm gesehen. Die Türklinke war abmontiert. Am nächsten Morgen war der kleine Luis tot. Nach Angaben der Ärzte war sein Körper komplett ausgetrocknet.

Das Urteil des Essener Schwurgerichts lautet auf Körperverletzung mit Todesfolge. "Der Zweijährige ist auf völlig unnötige Art jämmerlich verstorben", sagte Richter Jörg Schmitt bei der Urteilsbegründung. "Das hat uns sehr betroffen gemacht." Schmitt nahm er auch die Mutter mit in die Verantwortung: "Vor Eltern wie Ihnen benötigen Kinder unbedingten Schutz." Die Mutter habe sich mit ihrem neuen Freund am Kanal vergnügt, der Vater habe bei Cola und Tabak unter dem Deckenventilator gesessen. "Er hat seinen Sohn in einen Glutofen eingesperrt." Sogar das Fenster sei geschlossen gewesen.

Kritik gab es auch am Essener Jugendamt. "Weder das soziale Umfeld noch das zuständige Jugendamt haben auf die vorhandenen Alarmsignale reagiert", so Schmitt. Dabei habe eine Ergotherapeutin früh genug Hinweise gegeben. Der zweijährige Luis hatte seit Tagen nicht mehr richtig gegessen und getrunken. Im Urteil war von einer "dauerhaften Mangelernährung" die Rede. Er habe zwischen dem ersten und zweiten Lebensjahr nur knapp 350 Gramm zugenommen. Doch auch der Kinderarzt habe sich offenbar keine Sorgen gemacht. 

Kinderzimmer fühlte sich an wie Sauna

Der Vater hatte sich im Prozess nicht zu den Vorwürfen geäußert. Nach Angaben seines Verteidigers habe er weder das "Wüstenklima", noch die damit verbundene Gefahr für seinen Sohn wahrgenommen. Tatsächlich herrschten draußen seit Tagen rund 40 Grad.

Als Notärzte und Polizisten die Wohnung betraten, bot sich ihnen ein schreckliches Bild. Auf Fotos, die im Gerichtssaal gezeigt wurden, waren kotverschmierte Betten, gebrauchte Windeln und Müll- und Wäscheberge zu sehen. Über die Temperatur in der Wohnung sagte einer der Sanitäter den Richtern: "Das Öffnen der Tür zum Kinderzimmer fühlte sich an, wie das Öffnen der Tür zu einer Sauna." Der kleine Luis hatte es noch geschafft, aus seinem Bett zu krabbeln, war dann auf dem Boden zusammengebrochen. Der Flüssigkeitsmangel war so groß, dass der Körper bereits alles Blut im Herzen zentriert hatte, berichtete Rechtsmediziner Andreas Freislederer: "So etwas habe ich in den über 35 Jahren meiner Tätigkeit noch nicht gesehen."

Quelle: ntv.de, ftü/dpa