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Abhörgerät im Kinderzimmer Verbraucherschutz warnt vor Sprech-Puppen

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Puppen mit einer Internetverbindung können als Abhörgerät benutzt werden. (Archivbild)

(Foto: picture alliance / dpa)

Das Internet weiß Antwort auf viele Fragen. Das gilt auch für sprechende Puppen mit Netzanbindung. Doch Verbraucherschützer mahnen, das Spielzeug könne zum Spion im Kinderzimmer zu werden.

Der Europäische Verbraucherverband BEUC sieht große Probleme bei internetfähigen Spielzeugen. Die sprechende Puppe Cayla etwa sowie ihr Pendant "Hello Barbie" und der Roboter i-Que stellten ein "ernsthaftes Risiko" für die Rechte von Kindern auf Privatsphäre und Sicherheit dar, erklärte der Verband in Brüssel. Er reichte Beschwerde bei der EU-Kommission ein.

"Kinder sind besonders gefährdet und haben Anspruch auf Produkte und Dienstleistungen, die ihre Rechte schützen", sagte BEUC-Direktorin Monique Goyens. Solange die Hersteller nicht bereit seien dies ernstzunehmen, seien internetverbundene Spielzeuge für Kinder nicht geeignet. Cayla und i-Que sind interaktive Spielzeuge, mit denen Kinder sprechen, ihnen Fragen stellen oder Spiele spielen können. Sie sind auch auf dem europäischen Markt erhältlich, Hello Barbie derzeit nicht.

Der norwegische Verbraucherrat hatte die Nutzungsbedingungen der drei Produkte untersucht und dabei mehrere Probleme festgestellt. So seien nur wenige Schritte nötig, um mittels eines Mobiltelefons von außen Zugriff auf das Spielzeug zu bekommen. Nach Darstellung der Verbraucherschützer kann sich jeder in der Nähe über eine Bluetooth-Funkverbindung mit den Puppen verbinden und sie als eine Art Headset für das Smartphone nutzen. So könnten auch Fremde mit den Kindern kommunizieren, argumentieren sie.

Daten können an Dritte weitergegeben werden

Verbraucher müssten zudem Nutzungsbedingungen zustimmen, die die Weitergabe der Daten an ungenannte Dritte erlauben. Darüber hinaus seien die Puppen mit vorprogrammierten Sätzen ausgestattet, über die die Kinder gezielter Werbung ausgesetzt würden - Cayla schwärme etwa von verschiedenen Disney-Filmen. Der Anbieter der App, über die die Puppe funktioniert, arbeitet nach Angaben von BEUC auch für Disney.

Alles, was das Kind zu seinem Spielzeug sagt, wird der Organisation zufolge an die Kommunikationsfirma Nuance Communications mit Sitz in den USA übermittelt. Der US-Firma, die auf Spracherkennung spezialisiert sei es erlaubt die Daten auch an Dritte weiterzugeben und umfassend nutzen zu dürfen.

In dem Schreiben an die Kommission weist BEUC auf die entsprechende Richtlinie aus dem Jahr 2009 zur Sicherheit von Spielzeug hin. Diese sei möglicherweise "überholt", die rechtlichen Vorgaben nicht mehr ausreichend, um Kinder genügend vor den Sicherheitsrisiken zu schützen, die mit neuen Spielzeugen einhergingen.

Cayla war 2014 für den Tommi Kindersoftwarepreis nominiert und gehörte in dem Jahr zu den Top-Zehn-Spielzeugen des Bundesverbands des Spielwaren-Einzelhandels. Die Family Media GmbH, die den Tommi-Preis vergibt, erklärten gegenüber AFP, dass "die Gewährleistung von Sicherheit und der Schutz der Privatsphäre als wichtige Kriterien hinzugekommen" seien. Seit diesem Jahr gehörten deshalb Mitglieder von Webseiten wie klick-tipps.net der Jury an, "die eingereichte Spiele gezielt auf Datenschutz, Werbung und Verlinkungen prüfen".

Quelle: ntv.de, vck, AFP, dpa