Panorama

Versprechen gebrochen?Handabdrücke an den Wänden des Grenfell-Tower stoppen Abriss

04.03.2026, 10:15 Uhr
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Die Familien der Opfer wollen die Abdrücke für eine Gedenkstätte erhalten. (Foto: via REUTERS)

Mehrere Jahre nach dem verheerenden Brand wird der Grenfell Tower in London nun abgerissen. Doch in den Ruinen des Hochhauses stoßen Angehörige auf Spuren mutmaßlicher Opfer und zwingen die Regierung zu einer Pause.

Die britische Regierung hat den Abriss von Teilen des Grenfell Tower vorerst ausgesetzt. Die Entscheidung wurde bekannt gegeben, nachdem betroffene Familien die Einleitung rechtlicher Schritte angekündigt hatten. Zuvor waren bei Besichtigungen Handabdrücke in den verrußten Treppenhäusern entdeckt worden, die vermutlich von Opfern oder Überlebenden der Brandkatastrophe 2017 stammen.

Im Juni 2017 zerstörte ein Feuer den 24-stöckigen Sozialwohnungsblock in einem der wohlhabendsten Viertel Londons. 72 Menschen kamen dabei ums Leben. Der Abriss begann schließlich im September des vergangenen Jahres.

Bei einem Ortstermin vor dem Abriss entdeckten Familienangehörige die Handabdrücke sowie die arabische Inschrift "Allahu Akbar" ("Gott ist am größten") auf einer anderen Etage. Die Rechtsabteilung der Regierung teilte mit, dass die Bereiche zwischen dem 12. und 14. Stockwerk abgesperrt wurden. An anderer Stelle werden die Abrissarbeiten fortgesetzt. Die Inschrift "Allahu Akbar" zwischen dem 17. und 18. Stockwerk ist jedoch bereits zerstört.

Ringen um Gedenkort

"Aufgrund laufender Gerichtsverfahren haben wir die Abrissarbeiten in den betroffenen Gebieten vorübergehend eingestellt", sagte ein Sprecher des für Grenfell zuständigen Ministeriums. Wegen der Sensibilität des Themas und der dort zu beklagenden Todesfälle könnten aber keine Abschnitte oberhalb des neunten Stockwerks erhalten werden. Sowohl die Handabdrücke als auch die Inschrift befanden sich oberhalb dieser Ebene.

Die Familien reichten in der vergangenen Woche ein Schreiben ein, in dem sie eine gerichtliche Überprüfung dieser Entscheidung beantragten. Grenfell Next of Kin (GNK) argumentierte, dass die ehemalige stellvertretende Premierministerin Angela Rayner im Jahr 2025 versprochen habe, dass Teile des Turms für ein Denkmal erhalten werden könnten, wenn die Gemeinde dies wünsche. GNK ist eine Organisation, die sich für die Familien der Verstorbenen einsetzt.

Sie forderte die Regierung auf, den Bau zu schützen, während Gespräche mit den Familien und den Gestaltern der Gedenkstätten stattfinden. GNK erklärte, bisher sei der Schutz nur deshalb gewährleistet, weil die trauernden Familien rechtliche Schritte eingeleitet hatten.

Quelle: ntv.de, sba

GroßbritannienFeuer im Grenfell Tower in London