Panorama

Mühsame Bergung der "Sewol" Viele Familien warten auf Gewissheit

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Die Trauer ist groß: Bislang wurden 212 Leichen geborgen.

AP

Die Suche nach Vermissten geht weiter, doch Hoffnung gibt es längst nicht mehr. Dutzende Angehörige warten immer noch auf das Ende der Bergungsarbeiten der gesunkenen "Sewol". Ein Video, das den Kapitän zeigt, wie er sich von Bord macht, schockiert.

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Auch zwei Wochen nach dem Untergang der "Sewol" werden immer noch 92 Menschen, zumeist Kinder, vermisst. Auf eine aufrichtige Entschuldigung nach der Katastrophe warten die Familien der Opfer bis heute. Eine "Entschuldigung hinter verschlossener Tür" sei keine richtige Entschuldigung, kritisieren die Angehörigen. Aufgrund der starken Gezeitenströmung kommen die Bergungsarbeiten am Wrack wieder nur schleppend voran.

Indes veröffentlichte die südkoreanische Küstenwache ein schockierendes Video. Darauf ist der Kapitän der Fähre zu sehen, wie er sein sinkendes Schiff verlässt. Barfuß und in kurzen Hosen flüchtet Lee Jung Seok auf ein Rettungsboot. Mehrere Retter sind dem Kapitän behilflich. Ansonsten scheint die Sewol menschenleer. Es sind keine weiteren Passagiere zu sehen.

Nach Angaben der Behörden wurden bislang die Leichen von 212 Insassen im Wrack und Umgebung vor der Südwestküste des Landes geborgen. Die meisten Opfer waren Oberschüler aus Ansan in der Nähe von Seoul, die auf einem Ausflug zur südlichen Urlaubsinsel Cheju unterwegs waren. 70 Schüler, die die Katastrophe überlebt hatten, besuchten einen Traueraltar in ihrer Schule in Ansan. Dort nahmen sie von ihren Mitschülern und Lehrern Abschied, die bei dem Unglück ums Leben kamen. Die Schüler hatten zuvor ein Krankenhaus in Ansan wieder verlassen können, in dem sie seit dem Unglück ärztlich betreut worden waren. Ihr Zustand habe sich spürbar verbessert, wurde ein Arzt zitiert. Der Unterricht in der Oberschule ging vor gut einer Woche wieder los.

Entschuldigung hinter verschlossener Tür

Die Familien der Opfer warfen unterdessen Staatspräsidentin Park Geun Hye vor, sich nicht aufrichtig nach der Katastrophe entschuldigt zu haben. Park hatte sich erst am vergangenen Dienstag bei der Bevölkerung für fehlerhaftes Krisenmanagement entschuldigt. Vertreter der betroffenen Familien kritisierten sie, ein Kabinettstreffen dafür gewählt zu haben. Eine "Entschuldigung hinter verschlossener Tür" sei keine richtige Entschuldigung, hieß es laut Rundfunksender KBS in einer Erklärung.

Die Angehörigen riefen die Regierung auf, die Unglücksursache rasch zu klären und die Bergungsarbeiten voranzutreiben. Bis Mitte Mai solle die Suche möglichst abgeschlossen sein, berichtete die nationale Nachrichtenagentur Yonhap unter Berufung auf die Einsatzleitung. Dann sollten Schwimmkräne eingesetzt werden, um das Wrack zu heben. Bei ihrer Untersuchung zur Unglücksursache gehen die Ermittler menschlichem Versagen wie technischen Fehlern nach.

Nach Angaben der Ermittler kenterte die Auto- und Personenfähre an der Stelle, wo sie einen Kurswechsel vorgenommen hatte. Unter anderem wird untersucht, ob das Schiff eventuell überladen und die Ladung richtig gesichert war. Das Schiff könnte demnach durch Verrutschen der Ladung Schlagseite bekommen haben.

Nur 174 Menschen konnten gerettet werden, nachdem die mehrstöckige Fähre am 16. April gekentert war. Der Kapitän und die anderen 14 leitenden Besatzungsmitglieder sitzen in Untersuchungshaft. Sie werden beschuldigt, nicht genug unternommen zu haben, um die Passagiere zu retten.

Quelle: n-tv.de, dsi/dpa

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