Panorama

"Freiwillige Infektionsgruppen" Volles Haus bei Jazzfestival sorgt für Ärger

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Der Veranstalter der Jazztage verweist darauf, dass das Hygienekonzept genehmigt wurde.

(Foto: OstsachsenTV / Youtube)

Bei den Dresdner Jazztagen lassen sich Besucher beim Ticketkauf zu "freiwilligen Infektionsgruppen" erklären - und drängen sich ohne Maske und Mindestabstand in einem Vortragssaal. Kritik daran kontert der Veranstalter mit dem Hinweis auf das bewilligte Hygienekonzept. Doch das Gesundheitsamt sieht sich getäuscht.

In Dresden sorgt das Hygienekonzept bei einem Jazzfestival für Ärger. Bilder von einem vollen Konzertsaal am Sonntagabend - mit Besuchern, die ohne jeglichen Abstand und ohne Maske in den ersten Reihen vor der Bühne saßen, haben breite Kritik hervorgerufen. Laut Veranstalter haben sich die Besucher beim Kauf ihrer Tickets bereit erklärt, sich im Falle einer unbemerkten Corona-Infektion eines Sitznachbarn anstecken zu lassen. Der Veranstalter sprach in diesem Zusammenhang von "freiwilligen Infektionsgruppen" und verwies darauf, dass die Stadt Dresden das Konzept vorab abgesegnet habe.

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach bezeichnete die Infektionsgruppen in der "Bild"-Zeitung dennoch als unethisch und forderte, dass das Festival unter diesen Bedingungen gestoppt werden müsse. "Das Ansteckungsrisiko betrifft ja nicht nur die zehn leichtsinnigen 'Freiwilligen', sondern auch alle anderen privaten Kontakte der Konzertbesucher", sagte er der Zeitung. Unter diesen Voraussetzungen handele es sich bei dem Festival um ein "Superspreading-Event mit Ansage".

Nach Medienberichten über die "freiwilligen Infektionsgruppen" kündigte das Gesundheitsamt der Stadt am Morgen an, das Hygienekonzept des Veranstalters noch einmal zu besprechen. Das Festival soll am Abend mit weiteren Konzerten fortgesetzt werden. Die erfolgte Genehmigung des Hygienekonzepts erklärte die Behörde damit, dass der Veranstalter von Infektionsgemeinschaften gesprochen habe - und das seien in der Regel Hausstände. Von der Bildung "freiwilliger Infektionsgruppen" sei hingegen keine Rede gewesen. Man wolle nun mithilfe zusätzlicher Auflagen, einer Maskenpflicht am Platz sowie größeren Mindestabständen, "im Einvernehmen mit dem Veranstalter" eine gute Lösung erarbeiten.

Der Intendant des Festivals, Kilian Forster, verteidigte sich in einem Statement, dass man das von der Stadt genehmigte Hygienekonzept "mit genau diesem Inhalt" umgesetzt habe. Es sei gut, wichtig und vorbildlich von der Stadt gewesen, dass sie es "der freien Kultur ermöglicht, in dieser schwierigen Zeit im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben überhaupt eine Überlebenschance zu haben". Laut Forster sei auch Kultur als "seelische und psychische Nahrung für eine stabile Immunabwehr gegen Corona" notwendig.

Forster räumte aber auch ein, dass ab diesem Dienstag überall und von allen Besuchern des Festivals eine Mund-Nasen-Bedeckung getragen werde. Die Jazztage starteten bereits am 21. Oktober und sollen noch bis zum 23. November gehen. Geplant sind noch etliche Diskussionsrunden und Konzerte.

Quelle: ntv.de, jug