Panorama

"Izzy doing her Izzy-Magic"Von Madonnen und Bad-Boys

26.04.2026, 16:03 Uhr dff697a9-ec36-4d60-a8dd-b9e0363450ecEin Interview von Sabine Oelmann
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Bei ihm sieht sie rot: Izzy Weissgerber vor ihrem Valentino. (Foto: Clemens Porikys)

Hier haben sich zwei gefunden: Izzy Weissgerber und Lorenzo Agius. Die Berliner Künstlerin und der Star-Fotograf lassen spektakuläre Bilder entstehen. Er fotografiert die Promis, sie verpasst ihnen ein Farb-Finish. Aus "Bad-Boys" wie Keith Richards oder Ewan McGregor werden fragile Helden. Und Frauen, die eh wie Madonnen anmuten, werden zu noch größeren Lichtgestalten.

ntv.de: Wie haben Sie sich kennengelernt?

Lorenzo Agius: Ich habe Izzy im Internet entdeckt und mich sofort in ihre Arbeit verliebt. Ich dachte nur noch daran, wie es wohl aussehen würde, wenn sie meine Fotos bearbeitet. Mich hat schon immer das Werk von Andy Warhol fasziniert und inspiriert. Und das, was Izzy mit ihrer "Izzy-Magic" aus Bildern macht, erinnert mich an diese Art von Kunst. Das wollte ich auch! Zum Beispiel für ein Bild von Ewan McGregor, das ich vor langer Zeit gemacht habe. An diesem Foto kann man sehen, was Wandel bewirken kann. Es geht in dem Filmklassiker "Trainspotting" um Drogen, er ist ein harter Junge, am Ende aber wird er gut, und er wählt das Leben. Was für eine positive Botschaft! Aus dem Bad-Boy wird also fast etwas Heiliges, und diese Art von Wandel haben wir auch bei Männern wie Keith Richards oder Jack Nicholson beobachtet. Sowohl in ihren Rollen als auch im echten Leben legen wahre Ikonen von Zeit zu Zeit eine absolute Verwandlung hin. Das wollte ich sichtbar machen, mit Izzy.

Was schätzen Sie aneinander?

Izzy Weissberger: Lorenzo ist wie ein Renaissance-Maler. Er kann in die Seele der Menschen, die er ablichtet, sehen. Er connected sofort, man fühlt sich in seiner Gegenwart so wohl. Und er hatte wirklich JEDEN vor der Kamera, so beeindruckend.   

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Sie sieht mehr als andere: Izzy Weissgerber. (Foto: Clemens Porikys)

LA: Sie hat eine Tiefe, die man nur mit High-Frequency-PopArt beschreiben kann (lacht). Ich bilde mir nicht ein, dass ich sie gefunden habe - es war Bestimmung, dass wir miteinander arbeiten.

In Ihren Bildern werden die Ikonen in einem ganz neuen Licht dargestellt …

LA: Ja, und ich dachte mir, wie kann man aus einem Keith Richards denn noch etwas anderes rausholen, als das, was wir schon kennen, aber Izzy schafft das! Sie schafft es, dass die Betrachter eine andere, eine neue Perspektive auf eine Person haben können.

IW: Keith ist ein toller Typ, er ist echt süß.

LA: Er ist einer der größten, lebenden Musiker. Die Rolling Stones sind die Personifizierung des Rock 'n' Roll. Keith ist wie ein alter Blues, der in seinen Siebzigern angekommen ist - da hat man andere, gute Gründe, um zu leben.

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Und er schaut hinter die Fassaden: Lorenzo Agius. (Foto: Clemens Porikys)

Es ist ein Wunder, dass manche aus der Zeit noch leben …

LA: Der Wahlspruch war immer: Wenn Drogen, dann nur die Besten (lacht). Das Gute ist, wir sehen hier Männer, die ihren Zenit deutlich überschritten haben, die ihr Leben voll ausgekostet haben. Und jetzt beweisen sie uns, dass Leben im Alter möglich ist. Und gut sein kann.

Wenn man seine Arbeit liebt, dann macht das was mit einem, oder?

IW: Ich kann mir nicht vorstellen, eines Tages aufzuhören mit dem, was ich tue. Alles, was ich mache, entsteht aus Liebe.

LA: Wenn man liebt, was man macht, und wenn man macht, was man liebt, warum sollte man aufhören? Es ist in manchen Fällen, und ganz sicher bei Künstlern, mehr als ein Beruf. Da haben wir einfach Glück!

Izzy, Sie müssen uns bitte von Ihrer Gabe erzählen …

IW: (lacht) Ich sehe Farben und Zahlen, wenn ich Menschen begegne. Jede Farbe hat eine bestimmte Frequenz. Meine Kunst geht tiefer, mehr wie eine Erzählung, eine ganze Story. Meine Bilder bringen Glück ins Haus, sie sind mein Leben, und jedes Werk hat ein Mantra. Meine Bilder strahlen, sie unterstützen dich, sie bringen dich zum Träumen.

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Dreamteam: Weissgerber und Agius wollen ihre Zusammenarbeit auch außerhalb von Berlin fortsetzen. (Foto: Clemens Porikys)

Es geht ein absolutes Licht von den Bildern aus, man muss unwillkürlich lächeln ...

LA: Das Licht geht bereits von Izzy aus. Sie ist absolut einzigartig und auf ihre Arbeit fokussiert. Sie ist selbst ein Kunstwerk. Das erste Bild, das ich von ihr gesehen habe, war die Madonna mit dem Jesuskind, und es war fantastisch: Religiös, aber mit einer Tendenz, dieses ganze Religiöse zwar ernst zu nehmen, aber auch in Frage zu stellen.

IW: Großer Dank geht auch an Anna Kimmerle von der AK Galerie, denn wir stellen unsere erste Kollaboration nun im Rahmen des Berlin Gallery Weekends aus, und zwar in der St.-Elisabeth-Kirche, der perfekten Location für unsere Bilder!

Welche Farben sehen Sie eigentlich in Lorenzo?

IW: Burgund. Ein tiefes Rot, wie Wein. Das sehe ich in Ihnen übrigens auch, Sie sind eine sechs. Und ein leuchtendes Gelb. Burgund-Leute ruhen in sich, beobachten gern. Ich dekodiere Leute, wenn ich sie sehe. Das heißt allerdings auch, dass irre viel passiert in meinem Kopf (lacht), ich bin wirklich hypersensibel. Deswegen bin ich gern in meiner Welt, in meinem Atelier, ich finde Ruhe im Malen. Mir reicht es, meinen Mann und mein Kind um mich zu haben, das ist alles, was ich brauche. In einem Raum mit vielen Leuten fühle ich zu viel, sehe ich zu viel, es ist zu viel Energie. Und manchmal sehe ich Dinge, die ich nicht sehen will (lacht). So ist das, wenn man Synästhesie hat.

Synästhesie

Synästhesie ist eine besondere Form der Wahrnehmung, bei der Reize eines Sinnes gleichzeitig andere Sinneswahrnehmungen auslösen. Synästhesie (vom altgriechischen"syn" = zusammen und "aisthesis" = Empfinden) bezeichnet die automatische Kopplung zweier oder mehrerer Sinnesmodalitäten. Ein Reiz (Ton oder Buchstabe), kann gleichzeitig mehrere Sinneseindrücke hervorrufen, zum Beispiel Farben sehen, Geschmack empfinden oder taktile Empfindungen spüren, obwohl nur ein Sinn direkt stimuliert wird. Diese Wahrnehmungen erfolgen spontan und unwillkürlich, können aber bewusst kurzzeitig ausgeblendet werden.

Es gibt rund 75 bekannte Arten, darunter: Graphem-Farb-Synästhesie: Buchstaben oder Zahlen erscheinen in bestimmten Farben. Ton-Farbe-Synästhesie: Musik oder Geräusche lösen Farbwahrnehmungen aus. Geschmackssynästhesie: Wörter oder Klänge erzeugen Geschmacksempfindungen. Gefühlssynästhesie: Emotionen oder körperliche Empfindungen werden mit Farben oder Formen verknüpft.

Etwa vier bis fünf Prozent der Bevölkerung sind von Synästhesie betroffen, wobei leichte Formen oft unbemerkt bleiben. Synästhesie tritt familiär gehäuft auf, was auf eine teilweise genetische Komponente hinweist.

Seit wann ist das so?

IW: Seit ich im Kindergarten war und jedem gesagt habe, was für eine Farbe er oder sie ist. Die haben gedacht, ich spinne. Ich wusste schon immer, dass ich Künstlerin werden will. So richtig entdeckt hat das aber meine Schwester: Als wir als Kinder noch in New York City gelebt haben, habe ich ihr gesagt, dass sie so ein wundervolles Rosa hat. Das fand sie natürlich unheimlich, und sie hat mir unmissverständlich klargemacht, dass das nicht normal ist. Dass ich deswegen auch nicht normal bin.

Auf Ihren Bildern, abgesehen von den aktuellen Fotos von Lorenzo, sieht man nie die Augen der Personen.

IW: Ja, weil die Augen der Zugang zum Innersten, zur Seele, sind, und das will ich beschützen. Ich beschütze damit jede Person, die ich porträtiere. Aber die Personen auf den Werken von Lorenzo, die wollen gesehen werden. Allerdings bekommen auch sie von mir eine Schutzschicht, eine durchsichtige allerdings. Am Anfang war es ein Problem für mich, das gebe ich zu. Sowohl, dass die Augen zu sehen sind als auch die ganze Zusammenarbeit. Ich wollte nie eine Kollaboration eingehen (lacht), ich wollte immer nur mein Ding machen. Aber ich habe mir ein paar Monate, bevor Lorenzo sich bei mir gemeldet hat, gedacht, wenn ich jemals mit jemandem zusammenarbeiten würde, dann nur mit einem Fotografen, der zu den Besten seines Fachs gehört. Und dann meldete er sich. Ich habe gleich gemerkt, was für eine gute Seele er ist. Ich habe sofort, am Telefon, in Mails, die Energie verspürt.

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Kennen sich noch nicht lange, aber Agius bewundert Weissgerbers Einstellung: "Ich arbeite gern 14 Stunden am Tag." (Foto: Clemens Porikys)

LA: Wir haben gar nicht viel geredet, nur connected. Es ist fast ein bisschen unheimlich. Wir hatten das Gefühl, dass wir uns schon lange kennen. Meine Frau sagt, dass ich es runterspiele, aber ich kann Sachen auch sehen, bevor sie passieren. Nicht so wie Izzy, aber ich fühle eine bestimmte Energie. Wir sind uns ähnlich, Izzy und ich, wir mussten uns einfach kennenlernen. Wir vertrauen uns hundertprozentig.

IW: Lorenzo beruhigt mich, wie mein Mann auch. Wir sind wie Ying und Yang. Es ist perfekt.

LA: Ich habe durch meinen Beruf ständig mit großen Egos zu tun - zum Glück habe ich auch mal Psychologie studiert, das hilft ungemein dabei, Situationen zu beherrschen. Meine besten Arbeiten entstehen in der Zusammenarbeit. Man muss es zum Beispiel irgendwie schaffen, Jack Nicholson zum Springen zu bringen. Ich bin grundsätzlich ein sehr traditioneller Porträt-Fotograf, doch ich möchte hinter das öffentliche Gesicht der Person kommen, um sie in einem anderen Licht zu zeigen. Und das kann dann "iconic" werden. Deswegen heißt unsere Show auch so.

Nochmal zur Synästhesie, Sie sehen die Farben wie ein Blitz, Izzy, oder permanent?

IW: Sehr plötzlich. Bei Cate Blanchett, die in "ICONIC" eine große Rolle spielt, ist es gelb. Sie wirkt immer so, als käme sie aus einer anderen Welt. Für die Ausstellung habe ich Farben kombiniert, die mit dem goldenen Heiligenschein um die jeweilige Person eine gute Kombination ergeben. Jetzt ist Frühling, alles ist leicht und strahlt. Und jeweils so, wie die Sonne oder das Licht auf das Bild fallen, wirkt es immer wieder anders. Das Licht wird auch in der imposanten Elisabeth-Kirche eine große Rolle spielen.

Letzte Frage an den Fotografen, der sie "alle hatte" - warum stehen Frauen so sehr auf Jack Nicholson? Er ist jetzt nicht eine Schönheit, seine Rollen waren nicht alle nice, eher das Gegenteil, und trotzdem finden sogar junge Frauen ihn heute noch cool.

LA: (lacht) Wenn man Jack Nicholson begegnet, dann trifft man einen sehr charmanten Mann. Ich weiß nicht genau, was es ist, aber man muss ihn einfach lieben! Es ist seine Personality, seine Energie, sein Witz, er ist einfach erstaunlich.

Letzte Frage an die Malerin: Sie kreieren zu Ihren Ausstellungen einen Duft - welcher ist es dieses Mal?

IW: Es sind sogar mehrere. Ich arbeite mit all meinen Sinnen, ich will die Leute berühren, und wenn ich schon mal dabei bin, dann möchte ich olfaktorisch auch etwas anbieten können. Wenn die Besucher in die Kirche kommen, werden sie von einem Duft empfangen, von Musik, die mein Ehemann macht, bei der Eröffnung gibt es fantastisches Essen - und alles wird zu dem Ort und den Bildern passen. Es wird eine Reise.

Mit Izzy Weissgerber und Lorenzo Agius sprach Sabine Oelmann

ICONIC – A Project by Izzy Weissgerber and Lorenzio Agius, represented by Anna Kimmerle/AK Galerie ist am Gallery-Weekend (1. bis 3. Mai) in der St.-Elisabeth-Kirche, Invalidenstraße 3 in Berlin, zu sehen.  

Quelle: ntv.de

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