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Donnerstag, 23. April 2015

5000 Menschen fliehen: Vulkan spuckt gewaltige Aschewolke aus

Bis ins benachbarte Argentinien zieht sich die Aschewolke des chilenischen Vulkans Calbuco. Erwartet wird ein bis zu einem Meter dicker Staubteppich im Umkreis des Krater. Tausende Menschen verlassen die Gegend.

Zwei überraschende Ausbrüche eines seit einem halben Jahrhundert inaktiven Vulkans binnen wenigen Stunden haben den Süden Chiles in den Ausnahmezustand versetzt. Der Calbuco spie am späten Mittwoch eine Aschewolke zehn Kilometer in die Höhe, woraufhin die Behörden die Evakuierung der Region im Umkreis von 20 Kilometern anordneten. Am frühen Donnerstag folgte ein zweiter Ausbruch des 2003 Meter hohen Vulkans.

Für die betroffene Gegend wurde der Notstand ausgerufen, zudem wurde die Armee entsandt. Nach jüngsten Angaben betraf die Evakuierungsanordnung etwa 5000 Menschen. Auf Straßen und an Tankstellen bildeten sich lange Staus, wie Fernsehbilder zeigten. Auch über die grenznahe Region im benachbarten Argentinien wurde der Ausnahmezustand verhängt.

"Die Menschen sind sehr verängstigt" sagte Bürgermeister Gervoy Paredes.
"Die Menschen sind sehr verängstigt" sagte Bürgermeister Gervoy Paredes.(Foto: REUTERS)

Schmelzwasser von dem Vulkan mit seiner schneebedeckten Spitze ließ nach der Eruption den Pegel des Flusses Blanco stark ansteigen. Die Region, deren größte Stadt Puerto Montt ist, war von einer Ascheschicht bedeckt. Der Schulunterricht wurde für Donnerstag vielerorts abgesagt, Flüge über die Region wurden gestrichen.

Schäden für Landwirtschaft möglich

Zuletzt war der Calbuco nach jüngsten Angaben von Geologen vor 54 Jahren ausgebrochen. Auf Fernsehbildern waren in der Nacht Flammen und eine riesige Aschewolke in Pilzform zu sehen. Lava trat zunächst nicht aus, die Behörden warnten aber davor, dass dies noch geschehen könne, und vermuteten zudem einen dritten Ausbruch des Vulkans.

Über mögliche Verletzte, Vermisste oder Sachschäden lagen keine Angaben vor. Die chilenische Präsidentin Michelle Bachelet kündigte an, noch am Donnerstag gemeinsam mit mehreren Ministern in die Region zu reisen. Sie warnte, dass Schäden für die Landwirtschaft und die Infrastruktur möglich seien. "Vor allem aber die Gesundheit" der Menschen sei in Gefahr.

Der erste Ausbruch dauerte in der Nacht etwa eineinhalb Stunden an. Auf einer Skala von null bis acht für die Stärke von Vulkanausbrüchen ordneten ihn die Behörden bei etwa vier oder fünf ein. Der zweite Ausbruch war demnach noch einmal ungefähr gleich stark. Die Frühwarnsysteme schlugen erst wenige Minuten vor dem ersten Ausbruch an.

"Die Menschen sind sehr verängstigt", sagte der Bürgermeister von Puerto Montt, Gervoy Paredes. Die Lage sei angesichts der überraschenden Ausbrüche "ziemlich kompliziert". In Chile gibt es rund 90 aktive Vulkane, der Calbuco zählt zu den gefährlichsten. Innenminister Rodrigo Peñailillo rief die Bevölkerung dazu auf, "Ruhe zu bewahren".

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Quelle: n-tv.de