Panorama

Mittlerweile unbeobachtetWal macht Seemeilen gut - auf kein Wiedersehen!

27.03.2026, 21:55 Uhr
00:00 / 06:59
Ein-Buckelwal-schwimmt-begleitet-von-Schlauchbooten-in-der-Ostsee-Der-in-der-Ostsee-vor-Niendorf-gestrandete-Wal-hatte-sich-in-der-Nacht-zuvor-befreit-Das-Tier-schwimmt-nun-wieder-in-der-Ostsee-und-wird-von-Schiffen-der-Kuestenwache-und-Polizeibooten-begleitet
Walbegleiter behielten das Tier noch mehrere Stunden unter Beobachtung. (Foto: picture alliance/dpa)

Der Wal schwimmt sich frei - wird aber zuletzt weiterhin in Küstennähe verortet. Ihr Geleit per Boot brechen Tierschützer schließlich ab. Am Samstag wolle man wieder rausfahren. Das Ziel, das der Wal erreichen sollte, liegt noch ein ganzes Stück entfernt.

Nach der überraschenden Rettung des Wals vor Timmendorfer Strand machen sich Experten weiter Sorgen um den Meeressäuger. Das Tier schwamm am Nachmittag aus der Lübecker Bucht in Richtung Mecklenburg, allerdings in Küstennähe. Es sei vor Warnkenhagen (Nordwestmecklenburg) gesehen worden, sagte eine Sprecherin von Sea Shepherd. Das ist immerhin schon einige Kilometer entfernt vom Timmendorfer Strand. Mitglieder der Meeresschutzorganisation sowie von Greenpeace begleiteten das Tier mit Schlauchbooten. Nach mehreren Stunden beendeten sie die Beobachtung.

Die Umweltschützer und Einsatzkräfte der Wasserschutzpolizei wollen am Samstag wieder rausfahren, wie eine Greenpeace-Sprecherin sagte. Voraussetzung sei, dass man die Position des Wals ausmachen könne. Sie bat die Bevölkerung mitzuhelfen, indem Walsichtungen gemeldet oder in den sozialen Medien gepostet werden.

Zu hoffen bleibt natürlich, den Wal, bei dem es sich um einen regelmäßigen Küstenbesucher handeln soll, erst einmal nicht mehr zu sehen. Dass er es vielleicht gar unbemerkt und ohne Komplikationen in die für ihn passenden Gewässer schafft.

Einen Sender hatte man am Wal nicht anbringen können, weil die Haut des Buckelwals in einem sehr schlechten Zustand war, wie Stephanie Groß vom Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung (ITAW) bereits zuvor erklärt hatte. Solche Sender, mit denen die Position von Tieren bestimmt werden können, werden auf die Haut geklebt. "Der hätte nicht gehalten. Deshalb wurde das auch nicht gemacht."

Zuhause im Atlantik

Am Nachmittag schwamm der Buckelwal im Zickzack vor der mecklenburgischen Küste, wie die Greenpeace-Sprecherin sagte. Nach den Worten des Biologen Robert Marc Lehmann kommt es darauf an, dass das Tier im offenen Wasser bleibe und möglichst in die Nordsee schwimme. Noch sei der Wal nicht in Sicherheit. Seine Befreiung von der Sandbank sei bisher nicht seine Rettung, sondern nur ein kleiner Schritt in die richtige Richtung. Zu Hause sei er erst im Atlantik.

Nach tagelangen Bemühungen zahlreicher Helfer hatte sich das Tier in der Nacht selbst von einer Sandbank vor Timmendorfer Strand durch eine per Bagger ausgegrabene Rinne freigeschwommen. Der Buckelwal war am Montagmorgen auf der Sandbank entdeckt worden.

Im Laufe des Tages sei er zeitweilig wieder auf dem Weg ins flachere Wasser gewesen, sagte ein Sprecher von Sea Shepherd. Mit den Schlauchbooten hätten die Organisationen eine Art Blockade hergestellt, damit er nicht wieder ins Flachwasser gerate. Die Helfer hätten auch verhindert, dass der Wal in Stellnetze gerate, sagte die Meeresexpertin von Greenpeace, Daniela von Schaper. Zu den Chancen des Wals sagte ITAW-Mitarbeiterin Stephanie Groß, es gebe immer mal wieder Großwale in der Ostsee, die dort Wochen waren und auch den Weg in die salzreichere Nordsee zurückgefunden hätten.

Bürgermeister: "Unglaublich erleichtert"

Die vorläufige Rettung in Timmendorfer Strand löste bei allen Beteiligten große Freude aus. "Ich bin unglaublich erleichtert und sehr, sehr froh und zufrieden, wie der Einsatz abgelaufen ist", sagte Bürgermeister Sven Partheil-Böhnke. Er lobte die Zusammenarbeit von Feuerwehr, Deutscher Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG), Rettungsdiensten und Experten.

Auch Schleswig-Holstein Ministerpräsident Daniel Günther von der CDU drückte laut WDR seine Freude über die Rettung aus und dankte den Helfern vor Ort. Die bisherigen Kosten der Rettungsaktion schätzte der Bürgermeister auf 40.000 Euro. Das Land Schleswig-Holstein werde sich an den Kosten beteiligen.

Das Schicksal des Wals hatte ganz Deutschland und auch das Ausland bewegt. Viele Menschen hatten die Rettungsaktion aus der Ferne vom Strand beobachtet und bei jedem Schritt mitgefiebert. Partheil-Böhnke sagte zu der Anteilnahme und dem erst mal guten Ausgang: "Das, glaube ich, brauchen wir alle nach den schrecklichen Nachrichten der letzten Monate, nach Kriegen und Krisen. Das ist das eine gute Nachricht und alleine, das ist schon ein Grund, sich zu freuen."

Biologe beschreibt "Zickzack hin und her"

In einem Instagram-Video, auf dem Lehmann an Bord eines Schiffes zu sehen war, sagte der Biologe, der Großwal mache "Sperenzchen - Zickzack hin und her". Man versuche, das völlig erschöpfte Tier in Richtung Fehmarn und an der Küste bei Neustadt vorbeizumanövrieren. Das Ziel sei Dänemark. Dafür stehe man auch schon in Kontakt mit den dortigen Polizeibehörden und Einsatzkräften. Am späten Nachmittag hielt sich das Tier allerdings weiter vor der Küste nördlich von Boltenhagen (Nordwestmecklenburg) auf.

Tagelang hatten Helfer versucht, das Tier zu befreien. Am Dienstag war ein Rettungsversuch mit einem kleinen Saugbagger gescheitert. Am Donnerstag wurde mit einem Schwimmbagger eine Rinne ausgehoben. Biologe Lehmann stand dabei im Neoprenanzug neben dem Wal und versuchte, ihn zu beruhigen. Auch konnte er dem Baggerführer zeigen, wie weit oder nah seine Schaufel an den Wal herankam.

Rettung zog sich dahin

Am Donnerstagabend hatten die Helfer versucht, den Wal mit Lärm zu animieren - durch Hupen, Trommeln oder Rufen. Auch das Tier selbst gab immer wieder ein lautes Brummen von sich. Am Ende hätten nur noch wenige Meter bis ins tiefere Wasser gefehlt, sagte Bürgermeister Partheil-Böhnke, als die Aktion wegen der Dunkelheit abgebrochen wurde. Am Freitagmorgen hatte es der Wal dann aber geschafft und sich befreit.

Warum der Wal vor Timmendorfer Strand aufgetaucht war, ist bislang unklar. Forscherin Stephanie Groß hatte gesagt, vielleicht sei das Tier krank oder verletzt, vielleicht auch nur erschöpft gewesen. Es könne aber auch sein, dass der Wal einfach durch einen unglücklichen Zufall in diesem Flachwasserbereich gelandet sei.

Nach Angaben von Sea Shepherd handelt es sich bei dem Tier wahrscheinlich um den Wal, der zuvor bereits mehrfach vor der Küste Mecklenburg-Vorpommerns gesichtet worden war und Anfang März durch sein Auftauchen im Hafen von Wismar Aufsehen erregt hatte.

Großwale wie Buckelwale sind in der Ostsee nicht heimisch. Sie könnten demnach auf der Suche nach Nahrung Fischschwärmen folgen und in der Ostsee landen. Auch Unterwasserlärm könnte laut Experten eine Rolle spielen.

Quelle: ntv.de, mpe/dpa

TiereWaleOstsee