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Mindestens zehn Tote War Amokfahrt von Toronto ein Terrorakt?

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Der Fahrer ließ Medienberichten zufolge über zwei Kilometer rund 15 Straßenblocks hinter sich, ehe er mit zerbeulter Motorhaube auf dem Gehweg zum Stehen kam.

(Foto: picture alliance / Frank Gunn/Th)

In Toronto steuert ein Kleintransporter in einer belebten Gegend auf einen Gehweg und verletzt nach Polizeiangaben viele Fußgänger. Zehn Menschen werden bei dem Vorfall getötet. Der Fahrer wird festgenommen. Der Hintergrund der Tat ist noch unklar.

Der Fahrer, der im kanadischen Toronto einen Transporter in die Menschenmenge steuerte, hatte Sicherheitskreisen zufolge wahrscheinlich ein terroristisches Motiv. Es gebe keinen Grund zu glauben, dass es sich um einen Unfall gehandelt habe, verlautete aus US-Sicherheitskreisen.

Die Polizei sprach von einer "vorsätzlichen" Tat. Die Tat bedrohe aber nicht "die nationale Sicherheit" Kanadas, sagte der Minister für öffentliche Sicherheit, Ralph Goodale. Er deutete damit an, dass es sich um einen Einzelfall handelte.

Bei dem Vorfall waren Polizeiangaben zufolge zehn Menschen getötet und 15 weitere verletzt worden. Mehrere Opfer schweben noch in Lebensgefahr. Der Fahrer des gemieteten Transporters wurde festgenommen. Es handelt sich um den 25-jährigen Alek Minassian aus dem Norden Torontos. Die Sender NBC und CTV berichteten unter Berufung auf Strafverfolger und Sicherheitskreise, der Täter sei vermutlich geistig verwirrt.

Regierungschef Justin Trudeau erklärte, er sei "zutiefst betrübt", dass sich in Toronto "ein tragisches und sinnloses Attentat" ereignet habe. Seine Regierung erklärte später, der Begriff "Attentat" bedeute nicht, dass es eine "terroristische Verbindung dahingehend gibt, dass die nationale Sicherheit bedroht" sei. Trudeau sprach den Betroffenen sein Mitgefühl aus.

Situation schnell unter Kontrolle

"Die Stadt ist momentan in sicheren Händen", sagte Torontos Bürgermeister John Tory. Er bat Anwohner, nach Hause zu gehen und Ruhe zu bewahren. "Es ist eine Zeit, in der wir so ruhig wie nur möglich sein sollten." Die Polizei sperrte die Gegend ab, auch der U-Bahnverkehr wurde unterbrochen. Die betroffene Gegend im nördlichen Stadtteil North York ist tagsüber belebt, dort liegen Geschäfte, Büros und Restaurants.

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Kanadas Premierminister Justin Trudeau sprach von einem "schrecklichen Vorfall" und dankte den Rettern vor Ort.

(Foto: picture alliance / Aaron Vincent)

Der weiße Transporter war Berichten von Augenzeugen zufolge in der kanadischen Millionenstadt von der Yonge Street in südlicher Richtung gerast. Er soll in Schlangenlinien mit 60 bis 70 Stundenkilometern über den Gehweg gefahren sein. Augenzeuge Amir Bahmeyeh sagte dem "Toronto Star", er habe gesehen, wie das Auto fünf oder sechs Menschen erfasste. "Ich sah einen alten Mann durch die Luft fliegen", sagte Bahmeyeh. Die Menschen hätten um Hilfe geschrien und versucht, die Polizei in Richtung des Fahrers zu lotsen.

Die Opfer seien noch auf der Straße behandelt worden, sagte eine Sprecherin der Rettungskräfte. Augenzeugen zufolge waren auf der Straße mehrere Blutspuren zu sehen. Fotos zeigten mit orangefarbenen Planen bedeckte, am Boden liegende Körper.

"Töte mich!"

Der Fahrer ließ Medienberichten zufolge über zwei Kilometer rund 15 Straßenblocks hinter sich, ehe er mit zerbeulter Motorhaube auf dem Gehweg zum Stehen kam. Im Video eines Augenzeugen ist zu sehen, wie der Fahrer mit einem Gegenstand in Richtung eines Polizisten zeigt und dabei "Töte mich!" sowie "Schieß' mir in den Kopf!" ruft. Zu einem Schusswechsel kam es vor seiner Festnahme aber nicht.

"Er hat die Leben so vieler Menschen zerstört", sagte Augenzeuge Alex Shaker dem Sender CTV. "Alles, was ihm in den Weg kam." Auch jemand mit einem Kinderwagen sei vom Auto erfasst worden. "Es waren so viele Körper", sagte Augenzeugin Carol Roberts. Sie habe "viele Menschen leblos am Boden" liegen sehen.

In Toronto hatten sich am Sonntag und Montag die Außenminister der G7-Staaten versammelt, um über Konflikte in Syrien, der Ukraine und andere politische Themen zu diskutieren. Auch Bundesaußenminister Heiko Maas hatte an dem Treffen teilgenommen. Er reagierte bestürzt auf den Vorfall. Dies sei ein "schreckliches Verbrechen", schrieb Maas bei Twitter. "Wir sind tief getroffen und stehen an der Seite unserer kanadischen Freunde", schrieb der Minister. "Unser ganzes Mitgefühl gilt den Familien der Opfer."

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Quelle: n-tv.de, bad/dpa/rts/AFP

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