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Änderung vor 50 JahrenAls die Woche plötzlich montags begann

04.01.2026, 13:09 Uhr
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Seit 1976 ist in Deutschland offiziell der Montag der erste Tag der Woche. Bis dahin war es der Sonntag. (Foto: picture alliance)

Der Montag ist der unbeliebteste Tag der Woche. Kein Wunder, markiert er doch direkt nach dem entspannten Wochenende den Start in eine neue - vermeintlich stressige - Arbeitswoche. Bis vor 50 Jahren war das anders.

Ein Montag kommt unerbittlich. Während das Wochenende noch freudig nachhallt, sitzt er bereits geschniegelt am Schreibtisch und stellt lange To-do-Listen auf. Ihm fällt als erstem Tag der Woche eine besondere Rolle zu: das Kommando zu übernehmen. Doch das war nicht immer so.

Denn erst seit 50 Jahren ist in der Bundesrepublik geregelt, dass die Woche mit einem Montag beginnt. Was in der DDR seinerzeit schon etabliert ist, wird am 1. Januar 1976 auch in Westdeutschland Realität. Damals tritt die Deutsche Industrienorm (DIN) mit der Nummer 1355-1 und dem Titel "Zeit - Kalender, Wochennummerierung, Tagesdatum, Uhrzeit" in Kraft. Einmalig gibt es durch die Umstellung eine Woche mit acht Tagen und zwei Sonntagen. Sie beginnt am Sonntag, dem 28. Dezember und endet erst mit dem folgenden Sonntag, dem 4. Januar. Seitdem liegt auch der Mittwoch nicht mehr genau in der Mitte der Woche, also am vierten Tag.

Zuvor hatte sich die Hierarchie am liturgischen Kalender der Kirche orientiert. Tag eins fällt dort auf den Sonntag. Der Montag als "der zweite Wochentag" zeigt sich im kirchenlateinischen Begriff "feria secunda". Behalten hat er diese Bezeichnung heute noch etwa im Portugiesischen ("segunda-feira"), Neugriechischen ("deutera") oder im Hebräischen ("yom sheni").

Doch die DIN 1355-1 regelt damals nicht nur die Wochenaufteilung. Sie gibt auch etwa der eher im süddeutschen Sprachraum verbreiteten Bezeichnung "Samstag" Vorrang vor dem eher norddeutschen "Sonnabend", erlaubt die Sprechweisen "Juno" und "Julei" für die Monate Juni und Juli, um Missverständnisse zu unterbinden, und hält die Jahresangaben "vor Christus" und "nach Christus" fest.

Göttliche Namensgebung

Doch zurück zum Montag und besonders zu seinem Namen: Die Verbindung zum Mond geht bis weit in die Antike zurück. Im alten Griechenland etwa waren die Bezeichnungen der Wochentage an die damals bekannten großen Himmelskörper angelehnt. Der Montag war der Mondgöttin Selene geweiht, in Rom ihrer römischen Entsprechung Luna. Im spanischen "lunes", französischen "lundi" oder italienischen "lunedi" ist die Herkunft heute noch besonders gut zu erkennen. Das althochdeutsche "mānotag" aus dem 11. Jahrhundert ist eine Übersetzung des lateinischen "dies lunae".

Analog stammt der Sonntag vom lateinischen "dies solis" zu Ehren des römischen Sonnengottes Sol ab. Andere haben ihre deutschen Bezeichnungen direkt von germanischen Entsprechungen der griechisch-römischen Götter, etwa vom Kriegsgott Tīwaz (Dienstag), Wettergott Donar (Donnerstag) oder Liebesgöttin Frīa (Freitag).

Der unbeliebte Montag

Dennoch scheint der Montag irgendwie einzigartig zu sein. Selbst in der Popkultur arbeiten sich viele an dem vielleicht unbeliebtesten Tag der Woche ab. Comic-Kater Garfield ist bekanntermaßen gar nicht gut auf ihn zu sprechen. "Nur ein Idiot würde sich über einen Montag freuen", denkt er sich. Die Bangles fassen 1985 in ihrem Hit "Manic Monday" zusammen, wie sich wohl für viele der neue Start in die Woche gestaltet: "Ich muss einen frühen Zug nehmen, ich muss um neun bei der Arbeit sein." Und schon vor 60 Jahren klagen The Mamas and the Papas in "Monday Monday": "Jeder andere Tag der Woche ist in Ordnung, aber montags bin ich ständig am Weinen."

In der Wissenschaft wird schon länger zum sogenannten Montagsblues geforscht, also zu diesem mulmigen Gefühl am Beginn der neuen Arbeitswoche, wenn das entspannte Wochenende wieder in den stressigen Joballtag mündet. Forscher der Universität Leipzig fanden etwa 2021 heraus, dass das Wohlbefinden an diesem Tag zwar nicht geringer ist als dienstags, mittwochs und donnerstags. "Der Kontrast zwischen Sonntag und Montag führt aber unter Umständen dazu, dass der erste Tag der Arbeitswoche als schlimmster Tag in der Woche wahrgenommen wird", erklärt damals der Studienleiter.

Zum Beispiel ändert sich übers Wochenende oft der Schlafrhythmus: Das spätere Zubettgehen macht sich am Montag noch bemerkbar. Zudem sind dann die Listen mit Aufgaben und Meetings besonders lang. Ein innerer Widerstand dagegen kann zu Antriebslosigkeit führen. Eine Studie der Hongkonger Universität von 2025 geht sogar davon aus, dass der Blues so tief verwurzelt ist, dass selbst Rentner oder Arbeitslose montags höhere Stresswerte aufweisen.

Aber zur Ehrenrettung: In einer Untersuchung des University College London vom Februar 2025 heißt es, dass Glück, Lebenszufriedenheit und Selbstwertgefühl montags und freitags bei den Probanden etwas ausgeprägter waren als etwa an Sonntagen.

Quelle: ntv.de, Sebastian Fischer, dpa

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