Panorama

39 Tote im LkwWeiterer Verdächtiger am Flughafen gefasst

25.10.2019, 20:34 Uhr
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Die britische Polizei hat an einem Tag drei neue Verdächtige festgenommen. (Foto: picture alliance/dpa)

Wer hat den Tod von 39 Menschen in einem Lkw zu verantworten? Nach der Festnahme eines Mann und einer Frau hat die Polizei am Flughafen einen weiteren Verdächtigen ausfindig gemacht. Auch eine neue Spur zur Herkunft der Opfer gibt es.

Die britische Polizei hat einen vierten Verdächtigen im Fall der 39 toten Chinesen in einem Lkw festgenommen. Der 48-Jährige Nordire wurde nach Angaben von der Vize-Polizeichefin von Essex, Pippa Mills, am Stansted Flughafen in London wegen des Verdachts auf Menschenhandel und Totschlag festgesetzt.

Nur wenige Stunden zuvor hatte die Polizei einen Mann und eine Frau im nordenglischen Warrington in Gewahrsam genommen. Ihnen werden die gleichen Vergehen wie dem 48-jährigen Verdächtigen vorgeworfen. Als vierter Verdächtiger gilt nach wie vor der 25-jährige Fahrer des Lastwagens. Unklar ist, ob er wusste, dass Menschen im Anhänger waren. Die Polizei behält ihn in Gewahrsam, hieß es.

Wie Mills mitteilt, hat die Polizei von Essex damit begonnen, die Opfer ins Leichenschauhaus des Krankenhauses in Broomfield zu bringen. Dort sollen sie identifiziert und außerdem ihre Todesursache festgestellt werden. Dieser Vorgang werde allerdings einige Zeit in Anspruch nehmen.

Neuen Erkenntnissen zufolge könnten unter den Leichen möglicherweise auch Vietnamesen sein. Der Vietnamese Pham Manh Cuong befürchte, dass seine Schwester unter den Toten sei, sagte er. Cuong gab an, seine 26 Jahre alte Schwester sei Anfang Oktober aus Vietnam nach Großbritannien aufgebrochen. Am Dienstagabend habe sie ihrer Mutter eine verzweifelte SMS geschickt. "Es tut mir Leid, Mama. Mein Weg ins Ausland hat keinen Erfolg. Mama, ich liebe Dich so sehr! Ich sterbe, weil ich nicht atmen kann", wird die Nachricht von der vietnamesischen Organisation Human Rights Space zitiert. Cuong sagte, die SMS sei echt und wenige Stunden vor dem Leichenfund am Mittwochmorgen abgeschickt worden.

Die britische Polizei hatte erklärt, die Opfer stammten allesamt aus China. Die stellvertretende Polizeichefin in Essex, Pippa Mills, sagte am Freitagabend, hinsichtlich der Nationalitäten sei "das Bild in Entwicklung". Sie forderte Familien, die Anlass zur Vermutung haben, dass ihre Verwandten unter den Opfern seien, auf, sich bei der Polizei zu melden und versicherte, sie würden nicht strafrechtlich verfolgt.

Vietnamesen unter den Todesopfern vermutet

Auch aus vietnamesischen Sicherheitskreisen hieß es, es könnten Vietnamesen unter den 39 Todesopfern sein. Ein Sprecher der vietnamesischen Botschaft in London sagte zudem, die diplomatische Vertretung sei von einer vietnamesischen Familie kontaktiert worden, die ihre Tochter "seit der Entdeckung des Lastwagens" vermisse.

Rettungskräfte hatten die Leichen in der Nacht zum Mittwoch in einem Industriegebiet östlich von London in einem Kühlcontainer auf dem Lastwagen gefunden. Die Umstände deuten bisher stark darauf hin, dass es sich bei den Opfern um ins Land geschleuste Migranten handelt. Möglicherweise sind die 39 Menschen im Laderaum erfroren, da der große Lkw-Sattelauflieger zur Kühlung geeignet ist. Offiziell bestätigt ist die Todesursache allerdings nicht.

Quelle: ibu/AFP/dpa