Panorama

Interview zu Impfungen in Praxen "Wir Hausärzte stehen bereit"

cf6f882d9f070e7918c9bd38b3a784ee.jpg

Der vergleichsweise leicht zu lagernde Astrazeneca-Impfstoff eignet sich besonders für den Einsatz in Arztpraxen.

(Foto: dpa)

Das Impfen muss an Fahrt aufnehmen, eine Schlüsselrolle sollen dabei die Hausärzte einnehmen. Verbandsvertreter Zitterbart erklärt im ntv-Interview: "Wir wollen zeigen, was wir draufhaben." Er rechnet vor: In den 50.000 Praxen könnten schon bald pro Woche 2,5 Millionen Menschen geimpft werden.

ntv: Ab April sollen die Hausärzte nun Corona-Impfungen durchführen können. Im Moment läuft die Testphase dafür. Wie ist der Stand?

Dr. Ulf Zitterbart ITV 2.jpg

Ulf Zitterbart ist Vorstandsvorsitzender des Thüringer Hausärzteverbands.

Ulf Zitterbart: Die Testphase läuft noch nicht überall. Es gibt einige Bundesländer, wo die Hausärzte bereits begonnen haben zu impfen, Mecklenburg-Vorpommern war eines der ersten Länder überhaupt. Wir warten, wir stehen bereit und wir hoffen, dass es bald richtig losgeht.

Welche Hürden gibt es noch zu überwinden, bis flächendeckend in den Praxen geimpft werden kann?

Noch ist unklar, wie der Impfstoff in die Arztpraxis kommt. Bisher war auch noch zu wenig davon da. Aber seit zwei bis drei Wochen wissen wir, dass der Astrazeneca-Impfstoff teilweise nicht verimpft werden konnte und in den Kühlschränken liegen blieb. Das ist natürlich eine Schande in dieser Zeit. Da ist es ganz wichtig, dass die Hausärzte jetzt ins Spiel kommen und Impfstoff bekommen.

Was muss noch geklärt werden?

Die Dokumentation ist die nächste Hürde. Aber das sehe ich jetzt gar nicht so eng, das muss man einfach klein halten. Ich denke, da werden Lösungen und Wege gefunden werden, denn im Moment ist die Dokumentation in den Impfzentren ziemlich umfangreich.

Sind Massenimpfungen in den Arztpraxen mit dem Regelbetrieb vereinbar?

Das ist gewährleistet, denke ich. Es werden nur die Hausarztpraxen mitmachen, die das auch wollen. Und diese Hausarztpraxen, das kann ich Ihnen sagen, die bereiten sich schon seit Wochen darauf vor. Wir haben uns zum Beispiel so eingeteilt, dass wir eine Impfsprechstunde durchführen können. Wir haben zurzeit auch weniger Patienten mit normalen Infekten, das ist normalerweise unsere Hauptbeschäftigung im März und April. Dadurch bleibt Zeit, die Impfungen durchzuführen. Und das schaffen wir!

Was halten sie davon, auch die Betriebsärzte einzubeziehen?

Ich halte sehr viel davon, alle mit einzubeziehen, die impfen dürfen und können. Die Impfung ist das einzige, was uns im Moment aus der Pandemie führen könnte. Ich hoffe sehr, dass so viele impfen dürfen und können, die wollen. Wir alle wollen diese Pandemie loswerden. Das ist unser Hauptziel. Wir Hausärzte stehen bereit. Wir wollen zeigen, was wir draufhaben.

Wie viel könnten die Hausärzte denn leisten?

Wir haben 50.000 Hausärzte. Wenn jeder von ihnen nur 50 Menschen pro Woche impft, dann haben wir 2,5 Millionen Impfungen in einer Woche. Bisher haben wir 7 Millionen Impfungen geschafft. Das ist nicht viel, und wir sehen in anderen Ländern, dass es schneller gehen kann.

Sollte man die Impfpriorisierung beibehalten oder kann das in den Arztpraxen anders geregelt werden?

Solange nicht genug Impfstoff da ist und noch nicht die besonders gefährdeten Gruppen geimpft worden sind, ist sie noch wichtig. Es gibt noch ein paar kleinere Gruppen, die sehr gefährdet sind, zum Beispiel Menschen mit Trisomie 21. Aber das höchste Risiko tragen die Alten. Die erreichen wir mit den Hausarztpraxen besonders gut. In Thüringen ist die Altersgrenze schon auf 70 Jahre gezogen worden, das heißt, wir dürfen schon alle impfen mit dem Astrazeneca-Impfstoff, mit der neuen Zulassung. Und wenn ich in meine Hausarztpraxis gucke, wie viele Menschen ab 70 hier sind, da habe ich schon genug zu tun für die nächste Zeit. Die Priorisierung wird immer mehr aufgeweicht werden, je mehr Impfstoff wir haben.

Könnte die Impfung beim Hausarzt die Impfbereitschaft steigern?

Die Impfbereitschaft ist gar nicht so schlecht. Unsere alten kranken Patienten, die Vorerkrankungen haben, die wegen Diabetes oder ihrer Herzerkrankung zu uns kommen, fragen immer nach der Impfung. Die Impfbereitschaft ist schon hoch, und die wird nochmal erhöht, weil wir einen guten Draht zu unseren Patienten haben, weil wir sie kennen. Ein Hausarzt, der seit 30 Jahren in einer Hausarztpraxis arbeitet, der kennt die Menschen, die waren teilweise als Kinder schon da, und die Bereitschaft ist dann auch deutlich höher.

Quelle: ntv.de, jog

ntv.de Dienste
Software
ntv Tipp
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.