Panorama

Urteil in Heilbronn Wird Pflege-Oma wegen Mordes verurteilt?

Im April 2018 ist der Siebenjährige Ole aus Künzelsau

Die 70-jährige Pflege-Oma soll Verlustangst gehabt haben.

(Foto: picture alliance/dpa)

Eine 70-Jährige tötet einen siebenjährigen Jungen aus Künzelsau, auf den sie jahrelang aufpasste. Dafür könnte sie heute wegen Mordes verurteilt werden. Die Staatsanwaltschaft fordert aber keine lebenslange Haftstrafe.

Im Landgericht Heilbronn fällt am heutigen Montag das Urteil im Prozess gegen die 70-jährige Pflege-Oma, die im April 2018 den siebenjährigen Ole erwürgt und anschließend in die Badewanne gelegt haben soll. Die Staatsanwaltschaft fordert 13 Jahre Haft wegen Mordes. Die Angeklagte habe den Jungen vorsätzlich umgebracht und aus niedrigen Beweggründen getötet, hieß es im Plädoyer.

Nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft war die Tat selbstherrlich und selbstsüchtig. Sie rückte daher von der ursprünglichen Anklage wegen Totschlags ab, bei der sie zunächst eine Tat im Affekt annahm. Im weiteren Prozessverlauf wurde von Mord ausgegangen. Die 70-Jährige soll das Kind aus Verlustangst erwürgt haben. "Sie hatten Angst, dass es bald enden würde mit den Besuchen, dass Sie ihn verlieren", hieß es im Gerichtssaal zur Angeklagten.

Die ehemalige Krankenschwester hatte jahrelang immer wieder auf den Jungen aufgepasst und ihn fast täglich gesehen. Mit der Einschulung des Jungen wurden die Treffen aber immer seltener. Die Nebenkläger - die die Eltern des getöteten Jungen vertreten - fordern ebenfalls eine Verurteilung wegen Mordes. Sie bewerten die Tat der 70-Jährigen als heimtückisch.

Die Eltern hatten ihr vertraut

Die Eltern des Jungen aus Künzelsau hatten der Seniorin soweit vertraut, dass ihr siebenjähriger Sohn sogar bei ihr übernachten durfte. Nach der letzten Übernachtung wollte der Vater sein Kind bei der Angeklagten abholen, die aber nicht die Tür öffnete. Er fand den Jungen schließlich tot in der Badewanne. Ein psychiatrischer Gutachter hatte nicht ausgeschlossen, dass die Angeklagte zum Tatzeitpunkt nur eingeschränkt steuerungsfähig und damit nur vermindert schuldfähig war.

Die Verteidigung plädiert daher auf fahrlässige Tötung und überließ das Strafmaß dem Ermessen des Gerichts. Bei den Plädoyers verwiesen die Verteidiger auf die innige Beziehung zwischen der Pflege-Oma und dem Jungen. Die Mandatin habe unter einer akuten Depression gelitten. Laut lokalen Medienberichten sagte die Angeklagte in ihren letzten Worten: "Es tut mir alles sehr, sehr leid. Ich schließe mich meiner Verteidigerin an. Ich finde keine Worte für das, was passiert ist."

Wegen Veränderungen im Gehirn der 70-Jährigen, die erst jetzt medizinisch festgestellt wurden, ist auch der Staatsanwaltschaft zufolge eine verminderte Schuldfähigkeit nicht auszuschließen. Die Staatsanwaltschaft hatte deshalb für 13 Jahre Haft und nicht für eine lebenslange Freiheitsstrafe plädiert.

Quelle: ntv.de, nen