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Urlaubsfeeling über Ostern? Woche steuert auf Temperaturentief zu

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Auf Obstplantagen könnte der bevorstehende Frost schlimme Konsequenzen haben.

(Foto: imago/blickwinkel)

Hoch "Katharina" über Skandinavien sorgt in Deutschland für Niedrigtemperaturen. Die kommenden Tage können daher frostig werden. Nach ersten Erkenntnissen wird es zu Ostern dafür wieder wärmer - mit einer kleinen Einschränkung, wie n-tv Meteorologe Björn Alexander im Interview erklärt.

n-tv.de: Beim Wetter gibt es derzeit ja viele Fragen, die zu klären sind. Einerseits geht es für viele von uns in die Osterferien und damit in den Urlaub. Andererseits ist ja auch das Wetter zu Ostern hierzulande wichtig. Zuerst aber die Frage nach der Kälte: Nachts ist es frostig und auch tagsüber ziemlich kühl. Wie kalt wird es denn noch?

Björn Alexander: Zurzeit steuern wir geradewegs auf den Tiefpunkt der Wetterwoche in Sachen Temperaturen zu. Den erleben wir nämlich am Samstag. Dann gibt es tagsüber landesweit nur noch einstellige Höchstwerte und nachts ist es nahezu überall frostig kalt. Gerade für die Obstbauern hat damit eine arbeitsreiche Zeit begonnen. Denn jetzt heißt es, die Blüten vor dem Frost zu schützen. Und auch die empfindlichen Pflanzen auf Balkonen und in Gärten sollten jetzt erst einmal frostsicher gemacht werden.

Einzelne Pflanzen kann man abdecken oder reinstellen. Aber wie sieht das in ganzen Obstplantagen aus?

Da gibt es verschiedene Möglichkeiten. Beispielsweise die Berieselung mit feinen Wassertröpfchen, die dann auf den Pflanzen gefrieren und eine dünne Eisschicht bilden. Hierbei wird Kristallisationswärme frei, die wiederum die empfindlichen Blüten und Triebe schützt. Andere Verfahren sind das Aufstellen von Feuertonnen oder das Abfliegen mit Helikoptern, um die Luft zu verwirbeln und so das Auskühlen bis zur Frostgrenze zu verhindern. Dazu gab es zum Beispiel im Frühjahr 2017 sehr beeindruckende Bilder, als nach einem sehr milden Februar und fast 4 Grad zu warmen März im April noch Vorstöße von polarer Kaltluft folgten. Also ein ähnliches Szenario wie jetzt: der Februar fast 4 Grad zu warm und der März knapp 3 Grad über normal, da ist die Natur mit so einem extremen Vorfrühling natürlich schon weit fortgeschritten.

Warum ist es denn jetzt auf einmal wieder so kalt?

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Björn Alexander.

Der Grund ist ein Hoch über Skandinavien, das von den Meteorologen der Freien Universität Berlin mit dem Namen "Katharina" versehen wurde. Dieses kräftige Hoch lässt an seiner Ostseite sehr kalte Luft arktischen Ursprungs über Nordskandinavien und die Ostsee direkt nach Mitteleuropa strömen. Erst in der Karwoche verlagert sich das Hoch Richtung Südosten und damit dreht auch bei uns der Wind. Aus der nördlichen bis nordöstlichen Strömung wird allmählich eine südöstliche Strömung, die uns den Frühling zurückbringen wird.

Das Kälteproblem ist damit gelöst. Bleibt noch das Problem mit der Trockenheit. Denn irgendwie scheint kaum noch was an Regen nachzukommen. Da werden Erinnerungen an das Dürrejahr 2018 wach.

Eine gewisse Analogie ist auf jeden Fall da. Zumindest zum jetzigen Zeitpunkt. Denn es war ja genau diese blockierende Wetterlage, die dafür gesorgt hat, dass es viel zu wenig geregnet hat. Eine vergleichbare Situation, die ebenfalls über Monate andauert, würde uns in diesem Jahr sicherlich in eine fatale Lage bringen. Denn schlussendlich hat zum Beispiel die Landwirtschaft immer noch mit den Spätfolgen der Trockenheit 2018 zu kämpfen. Gleichzeitig baut sich in vielen Landesteilen jetzt schon wieder ein erstes Niederschlagsdefizit auf. Und das ausgerechnet in dem Zeitraum, in dem die Natur das Wasser am meisten braucht und gleichzeitig auch die Verdunstung aufgrund des sonniges Wetters zunimmt. Eine schwierige Gemengelage.

Aus der es hoffentlich einen Ausweg gibt.

Das wäre definitiv der Regen. Den könnte es in der kommenden Woche vielleicht sogar wieder häufiger geben. Die Unsicherheiten beim Witterungsverlauf in der Karwoche sind zwar noch groß. Es gibt aber Ansätze, nach denen es nicht nur wärmer, sondern auch nasser wird.

Ostern im warmen Regen ist aber auch nicht toll.

Das stimmt. Allerdings gibt es auch Wettermodelle, die weiterhin eher auf die trockene Schiene gehen. Hier ist derzeit noch vieles möglich. Ziemlich sicher ist nur: Ein Wintereinbruch ist ziemlich unwahrscheinlich.

Apropos Winter: Es soll Menschen geben, die jetzt noch in den Schnee wollen. Was erwartet die Skifahrer in den Alpen in den Osterferien?

Nach wie vor ziemlich ordentliche Bedingungen. Besonders der Januar war ja sehr schneereich, ganz großes Tauwetter ist bislang noch nicht gekommen und insofern heißt es in den mittleren und hohen Lagen weiterhin: Ski und Rodel gut. Wettertechnisch ist hierbei die Alpennordseite in den nächsten Tagen eher im Vorteil, während es weiter südlich deutlich unschöner sein dürfte. Hier macht sich nämlich die Tiefdruckaktivität am Mittelmeer bemerkbar.

Klingt auch in den wärmeren Regionen im Süden nach schlechtem Wetter, oder?

Leider schon. Zumindest ist es rund ums zentrale und östliche Mittelmeer in nächster Zeit ziemlich wechselhaft mit Schauern und Gewittern. Besser sieht es in Ostspanien und auf den Balearen aus. Hier hat die Sonne mehr Anteile und das Regenrisiko bleibt geringer. Dazu erwarten Sie beispielsweise auf Mallorca Höchstwerte bis knapp an die 20 Grad.

Wie warm ist der Sprung ins Mittelmeer?

Aktuell liegen die Wassertemperaturen dort oft bei 14 bis 18 Grad. In Nord- und Ostsee sind es übrigens nur so um die 6 bis 9 Grad.

Was bringt das Wetter denn für die Urlauber an den heimischen Küsten?

Am Wochenende wird es ebenfalls sehr unbeständig, wobei sich zum Wochenwechsel die Sonne allmählich wieder besser in Szene setzen kann. Gleichzeitig werden die Schauer seltener.

Wie wird das Wochenende ansonsten?

Am Samstag äußerst aprilwettrig mit Regen oder Schneeregen, der im Bergland durchweg in Schnee übergeht. Hier bewegen sich die Tageshöchstwerte nämlich im Bereich des Gefrierpunktes. Und auch in den tieferen Lagen sind oft nicht mehr als 4 bis 9 Grad drin. Zudem weht ein teilweise ungemütlicher Wind, der besonders auf den Bergen und an der Ostsee Sturmstärke erreichen kann.

Was bringt uns der Sonntag?

Weiterhin viele Wolken und bevorzugt im Süden und Südosten weitere Schauer. Hierbei verzieht sich der Schnee in die höheren Lagen oberhalb von etwa 500 Metern. Denn bei Höchstwerten von 4 bis 12 Grad wird es bereits etwas milder.

Ein Trend, der sich weiter fortsetzt?

Auf jeden Fall. Spätestens ab Montag ist der Spätwinterspuk vorbei und wir können wärmeren Zeiten entgegenblicken. Am Montag bei 7 bis 15 Grad. Der Dienstag bringt uns oft 9 bis 17 Grad. Und zur Wochenmitte geht es wieder auf die 20-Grad-Marke zu, die wir sehr wahrscheinlich am Donnerstag knacken werden.

Quelle: n-tv.de

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