Panorama

Traurige Gewissheit Wrackteile stammen vom Airbus

Ein Passagiersitz, eine orangefarbene Boje, Metallteile, Spuren von Öl und Kerosin: Suchmannschaften der brasilianischen Luftwaffe haben Wrackteile entdeckt. Nach Angaben der brasilianischen Regierung gebe es "keinen Zweifel" daran, dass die Trümmer zu der vermissten Air-France-Maschine gehören.

2kgg1118.jpgDie im Südatlantik entdeckten Flugzeugtrümmer gehören brasilianischen Angaben zufolge zu der vermissten Air-France-Maschine. Es gebe keinen Zweifel daran, dass die von Suchflugzeugen gesichteten Trümmer zu dem Airbus mit 228 Menschen an Bord gehörten, sagte Brasiliens Verteidigungsminister Nelson Jobim. Eine Maschine der brasilianischen Luftwaffe habe eine Reihe von Wrackteilen über eine Länge von fünf Kilometern entdeckt. "Dies bestätigt, dass das Flugzeug in dem Gebiet abgestürzt ist", sagte der Minister.

Die schwersten FlugzeugunglückeZuvor hatte die Luftwaffe mitgeteilt, in der Nähe des letzten Funkkontakts seien Metallteile und Flugzeugsitze entdeckt worden. Nach Angaben von Air France waren auch 26 Deutsche an Bord des Airbus 330. Die Maschine war in der Nacht zu Montag auf dem Flug von Rio de Janeiro nach Paris verschwunden. Die von der Luftwaffe angegebene Fundstelle der Trümmer liegt 650 Kilometer nördlich der Inselgruppe Fernando de Noronha auf hoher See vor der Nordküste Brasiliens. Dort ist das Meer zwischen 2000 und 3000 Meter tief.

26 Deutsche an Bord

BRASILIEN_ABSTURZ_4C-JPG_GRA104.jpg3493308378633949876.jpgAn Bord des Airbus waren Passagiere und Besatzungsmitglieder aus mehr als 30 unterschiedlichen Ländern. 26 von ihnen waren Deutsche. Das Auswärtige Amt in Berlin bestätigte diese Zahl bislang nicht. Unter den deutschen Passagieren war auch eine fünfköpfige Familie aus Baden-Württemberg.

Derzeit würden mit den Behörden verschiedener Bundesländer alle vorliegende Informationen geprüft, sagte ein Sprecher des Außenministeriums in Berlin. Neun Passagiere, sechs Männer und drei Frauen, sollen einen Weiterflug nach München gebucht haben. Elf Reisende wollten nach Stuttgart reisen, sechs hatten einen Abschlussflug nach Berlin gebucht, hieß es.

Suchflugzeuge im Einsatz

Über dem Atlantik verloren die Flugsicherheitsbehörden plötzlich jeden Kontakt zu der Maschine. Unmittelbar danach ließ die brasilianische Luftwaffe erste Suchflugzeuge aufsteigen. Auch Frankreich, Spanien und die USA beteiligen sich an den Suchmaßnahmen. US- Präsident Barack Obama sprach den Familien der Opfer sein Beileid aus. "Wir sind bestürzt über den Vorfall, auch wenn wir noch nicht genau wissen, was passiert ist", sagte er dem französischen Sender i- tele.

Brazil_France_Plane_LON811.jpg3005362902418692454.jpgDer Absturz der A330-200 wäre die schwerste Katastrophe in der zivilen Luftfahrt seit 2001. Damals waren beim Absturz einer American-Airlines-Maschine kurz nach dem Start in New York 265 Menschen ums Leben gekommen. Es wäre zudem die schwerste Katastrophe in der Geschichte von Air France. Beim Absturz eines Überschallflugzeugs vom Typ Concorde vor neun Jahren starben 113 Menschen.

Der französische Präsident Nicolas Sarkozy will die Angehörigen in den kommenden Tagen im Élysée-Palast empfangen. Die Regierung bot Familienmitgliedern an, in das Gebiet zu reisen, in dem nach dem Flugzeug gesucht wurde. Am Mittwoch soll es einen ökumenischen Gedenkgottesdienst in der Pariser Kathedrale Notre-Dame geben.

Absturzursache weiter unklar

2kg72944.jpg6345210698089586293.jpgDie verunglückte Maschine ist mit Sendern ausgestattet, die im Fall eines Absturzes Funkimpulse aussenden. Auch der Flugschreiber gibt Signale ab. Falls die Maschine in den Tiefen des Atlantiks versunken sein sollte, gilt es aber als so gut wie ausgeschlossen, ihn bergen und auswerten zu können.

Experten diskutierten weiter über die möglichen Ursachen des Absturzes. Air France hatte von einem Blitzeinschlag gesprochen. Die Maschine flog durch eine Zone, die für schwere Unwetter bekannt ist. Sie hatte ein automatisches Signal ausgesendet, dass es ein Problem mit der Stromversorgung gebe. Offen ist noch, ob dies ein Auslöser oder die Folge eines anderen Problems war. Möglicherweise waren im Gewitter die Antennen und das Radar der Maschine zerstört worden.

Das Unglück hat nach Angaben der Pilotenvereinigung Cockpit keine unmittelbaren Auswirkungen auf die Arbeit der Flugkapitäne. Die Verbindung zwischen Brasilien und Frankreich sei eine "Routinestrecke", sagte Sprecher Jörg Handwerg. Das Unglück habe bei den Piloten "tiefe Betroffenheit" ausgelöst. "Es geht uns auch persönlich nahe, wenn so ein Unglück geschieht."

Mitglied des brasilianischen Königshauses an Bord

koenig.jpgAn Bord der verschollenen Air-France-Maschine befand sich auch ein Mitglied des brasilianischen Königshauses. Es handelt sich um Prinz Pedro Luis de Orleans e Bragança, der in Luxemburg lebt und für einige Wochen seine Familie in Petrópolis bei Rio de Janeiro besucht hatte. Das bestätigte die Familie nach Medienangaben. Der 26-Jährige ist ein direkter Nachkomme des letzten brasilianischen Kaisers, Dom Pedro II, und steht in der Thronfolge an vierter Stelle. Das Haus Bragança ist eine portugiesische Adelsfamilie. Sie stellte nicht nur die Könige Portugals, sondern auch den Kaiser von Brasilien. Der portugiesische Königshof war vor den Truppen Napoleons Anfang des 19. Jahrhunderts nach Brasilien geflohen.

Die französische Nationalversammlung gedachte in einer Schweigeminute der Opfer. Beim Fußball-Freundschaftsspiel Frankreich gegen Nigeria will die französische Mannschaft am Dienstagabend als Zeichen der Trauer schwarze Armbinden tragen. Der französische Sender TF1 setzte wegen der Katastrophe eine US-Serie ab, die die Entführung eines Flugzeugs gezeigt hätte

Hotline für Angehörige

Am Flughafen Roissy wurde ein Krisenstab eingesetzt und eine Betreuung für Angehörige eingerichtet. Die Gesellschaft richtete eine Telefonhotline ein, die vom Ausland aus unter 0033/157021055 erreicht werden kann. Angehörige wurden in einen abgeschirmten Bereich gebracht.

 

 

Quelle: n-tv.de, AFP/rts/dpa

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