Panorama

Schiffskatastrophe auf JangtseZahl der Toten steigt auf fast 400

06.06.2015, 17:44 Uhr
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Verzweifelte Angehörige: Die Familien der Opfer klagen über die Informationspolitik der Regierung. (Foto: REUTERS)

Helfer bergen immer mehr Leichen aus dem Wrack des auf dem Jangtse-Fluss in China gekenterten Ausflugdampfers. Die Zahl der Toten steigt auf 396, Überlebende gibt es vermutlich nicht mehr. Angehörige fordern nun Antworten von der Regierung.

Nach der Schiffskatastrophe auf dem Jangtse-Fluss in China hat sich die Zahl der bestätigten Todesopfer auf fast 400 erhöht. Die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua meldete, bislang seien 396 Leichen geborgen worden, allerdings dürfte sich die Zahl noch weiter erhöhen. Am Unglücksort trafen zahlreiche Angehörige ein, die den Behörden vorwarfen, Informationen zurückzuhalten und ihnen den Zugang zum Unfallort zu verwehren.

An Bord des Ausflugsschiffs "Stern des Ostens" waren 456 Menschen, die meisten davon Senioren, als es am Montag während einer Flusskreuzfahrt auf dem Jangtse kenterte und binnen kurzer Zeit sank. Das Schiff war zuvor in einen Wirbelsturm geraten. Nur 14 Menschen überlebten die Katastrophe, darunter der Kapitän, der in Polizeigewahrsam genommen wurde. Bis Samstag wurden außerdem noch 46 Menschen vermisst, die Behörden erklärten aber, es sei nicht davon auszugehen, dass noch Überlebende gefunden würden.

Schwierige Bergung

Am Freitag wurde das Schiff von riesigen Kränen aufgerichtet, so bekamen die Bergungskräfte Zugang. Die Zahl der bestätigten Todesopfer stieg in der Folge rasch an. Insgesamt waren bei den Bergungsarbeiten am Unglücksort in Jianli in der zentralen Provinz Hubei mehr als 3400 Soldaten und 1700 Mitglieder der paramilitärischen Polizei mit 149 Schiffen im Einsatz.

Am Samstag im Internet veröffentlichte Bilder zeigten Bergungskräfte, die Leichensäcke transportierten, andere ruhten sich auf einer schwimmenden Plattform von der zermürbenden Arbeit aus. In dutzenden Kleinbussen wurden Särge gebracht.

Die Regierung in Peking erklärte zu den Umständen des Unglücks, es würden "keine Zweifel zurückbleiben". Ermittlungen wurden eingeleitet. Im Gegensatz zu anderen Schiffen war der "Stern des Ostens" nach einer Sturmwarnung nicht vor Anker gegangen.

Vorwürfe der Angehörigen

Der Zugang zum Unglücksort für Angehörige sowie für die Medien wurde eingeschränkt, was viele Betroffene wütend machte. Rund 1200 besorgte Angehörige fanden sich bis Freitagabend vor Ort ein. "Wir sind den ganzen Weg hierhergekommen, und alles was wir tun, ist warten", sagte Jin Weifeng aus Shanghai. Ein älterer Mann fügte hinzu, er erhalte als Auskunft "nur Unwahrheiten".

Auf der Internetplattform WeChat veröffentlichten Angehörige daher eine Petition, in der sie eine "formelle Entschuldigung" der chinesischen Regierung und eine umfassende Untersuchung verlangten. Die Familien forderten außerdem die Todesstrafe für den Kapitän des Schiffes, dem sie vorwerfen, die Fahrt trotz der Warnung fortgesetzt zu haben.

Die Katastrophe auf dem Jangtse war das schlimmste Schiffsunglück in China seit fast 70 Jahren. Im Jahr 1948 sank die "SS Kiangya" nahe Shanghai - damals starben rund 4000 Menschen.

Quelle: ntv.de, sni/AFP

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